Eine Junge hält sich die Arme schützend vor das Gesicht (Quelle: imago/blickwinkel)

Fünf Kinderschutzambulanzen für Berlin - Mehr Schutz für die Kleinsten

Fälle von Kindesmisshandlungen und -vernachlässigungen kommen immer wieder ans Tageslicht - auch in Berlin. Um betroffene Kinder besser zu erkennen und ihnen helfen zu können, wird es in Berlin fünf Kinderschutzambulanzen geben. Hier werden Kinderärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Rechtsmediziner fachübergreifend zusammenarbeiten.

Ein Kinderarzt sieht, dass ein Kind blaue Flecken hat und vermutet, dass es geschlagen worden ist. Ein Arzt in der Rettungsstelle kann nicht genau einordnen, wodurch ein Kind verletzt worden ist: Um solche Fälle zu klären und misshandelte und vernachlässigte Kinder besser zu erkennen, richtet der Berliner Senat im Rahmen des "Netzwerks Kinderschutz" Kinderschutzambulanzen an fünf Kliniken ein. Hier sollen sich Kinderärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und Rechtsmediziner gemeinsam einen Fall angucken und sich vor Ort austauschen.

Eine Vereinbarung, um diese Ambulanzen einzurichten, unterzeichneten Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD), Gesundheitssenator Mario Czaja und Justizsenator Thomas Heilmann (beide CDU) am Freitagvormittag mit Vertretern der Kliniken. Czaja sagte im Anschluss. "Der Kinderschutz in Berlin ist heute ein großes Stück vorangekommen."

Als Standorte wurden Wedding, Neukölln, Buch, Charlottenburg und Tempelhof angekündigt. Die Hauptstadt hat bisher lediglich eine Gewaltschutzambulanz, in der etwa ein Drittel der behandelten Fälle Minderjährige sind.

Für das Vorhaben wird das Land Berlin in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt rund 1,2 Millionen Euro aufbringen. Die Beteiligung des St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof erfolgt größtenteils durch Drittmittelfinanzierung.

Im Vivantes Klinikum Neukölln will der Leiter mehr Personal einstellen

Eine der neuen Kinderschutzambulanzen entsteht im Vivantes Klinikum Neukölln. In einem flachen weißen Gebäude auf dem Gelände des Klinikums soll in den nächsten Monaten die neue Kinderschutzambulanz entstehen. Dem Leiter der Kinderklinik, Reiner Rossi, geht es darum, dass kein Fall übersehen wird. "Nicht jedes misshandelte Kind ist mit schrecklichen Verletzungen halb zu Tode geprügelt. Das kann auch sehr viel subtiler sein. Es geht von der nicht ausreichenden Förderung eines Kleinkindes bis hin zur körperlichen Vernachlässigung", sagt Rossi.

Die Ansprechpartner der Kinderschutzambulanz sollen Familien auch helfen, wenn ein Anhaltspunkt besteht, dass sie ihr Kind nicht richtig versorgen. "Die Zielrichtung ist, die Menschen so zu unterstützen, dass ihr Kind bei ihnen zuhause sicher und gesund groß werden kann", sagt Rossi. Es kann zum Beispiel auch darum gehen, sicher zu stellen dass die Eltern ihr Kind altersgerecht ernähren und es angemessen fördern. Mehr Personal will Rossi für die Arbeit in der neuen Kinderschutzambulanz auch einstellen: eine auf dem Gebiet Kinderschutz besonders erfahrene Krankenschwester und eine Sozialarbeiterin - jeweils mit einer halben Stelle. Zurückgreifen kann die Kinderschutzambulanz in Neukölln außerdem auf einen Rechtsmediziner aus dem Charité Campus Virchow.

Im Ausnahmefall können Familiengericht die Eltern zwingen

"Es geht darum, bei einer Verletzung abzuschätzen, ob sie von extern zugeführt worden ist", sagt Rossi. Es werde also geschaut, ob etwas eine normale Verletzung ist, die ein Kind erleiden kann, wenn es zum Beispiel gerade laufen lernt und die Treppe herunter fällt - oder ob sie dem Kind willentlich zugefügt wurde.

Grundsätzlich ist es nötig, dass die Eltern zustimmen, damit ein Kind in die Kinderschutzambulanz gebracht und dort untersucht werden kann, sagt Bildungssenatorin Scheeres. "Mit den Eltern wird natürlich gesprochen. Und sie müssen dann einwilligen, dass das Kind vorgestellt werden kann."

Es existierten aber auch Ausnahmen. "Es gibt auch die Möglichkeit, über die Familiengerichte anweisen zu lassen, dass die Kinder in der Kinderschutzambulanz vorgestellt werden", sagt Scheeres.

In mehreren deutschen Städten gibt es solche Ambulanzen schon

Die neuen Kinderschutzambulanzen werden an fünf Standorten angesiedelt sein. Neben dem Vivantes-Klinikum Neukölln sind das der Charité Campus Virchow, das Helios Klinikum Buch, das DRK-Klinikum Charlottenburg und das St. Josef Krankenhaus Tempelhof.

Kinderärzte oder Jugendamt sollen in den neuen Einrichtungen auch Rat einholen können, ob das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Außerdem werden Spuren von Misshandlungen so dokumentiert, dass sie gegebenenfalls später vor Gericht verwendet werden können. Kinderschutzambulanzen gibt es bereits in mehreren deutschen Städten.

Mit Informationen von Kirsten Buchmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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