Unter einem Schirm sitzt ein offenbar wohnungsloser Mann am 24.11.2014 in Potsdam (Brandenburg). Neben ihm steht ein Einkaufskorb mit seinem Hab und Gut. Im Jahr 2012 waren in Deutschland nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. etwa 284.000 Menschen ohne Wohnung. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | Ute Schuhmacher | 16.01.2016

Steigende Armutszahlen in Berlin - Grüne arbeiten an einem Anti-Armutskonzept

In Berlin wächst die Zahl der in Armut lebenden Menschen bereits seit Jahren. Die Grünen haben das Thema "Armut" nun für sich als Wahlkampfthema in der Hauptstadt definiert. In einer Fraktionsklausur umreißen sie grob, wie ein Konzept für eine effektive Armutsbekämpfung in der Hauptstadt aussehen könnte. Von Ute Schuhmacher

Die Berliner Grünen arbeiten an einem Konzept für die Armutsbekämpfung in der Stadt. Auf einem ersten Treffen in Berlin trugen die Experten und Abgeordneten der Partei dabei zunächst die Schwerpunkte und Ziele der Arbeit zusammen. Mit dem Titel "Armut bei Kindern und Erwachsenen in Berlin" war das Treffen überschrieben.

Seit rund zehn Jahren steigt in Berlin die Zahl der Armen deutlich: Waren 2006 noch 17 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner arm, stieg ihre Zahl bis 2013 bereits auf 21,4 Prozent. Und die Zahlen steigen weiter. Einer der Gründe ist die wachsende Zahl der Flüchtlinge in der Stadt. In einem Konzept für mögliche Maßnahmen, hat die Landespartei der Grünen nun 55 Ideen zusammengetragen, wie die Stadt den Kampf gegen die Armut aufnehmen müsste.

Kapek: Die Politik muss die richtigen Antworten finden

Elementarer Teil dieses Kampfes sei dabei die Bekämpfung der Fremdenfeindlichkeit, erklärte die Grünen-Fraktionsvorsitzende der Partei, Antje Kapek, nach der Klausur. Hier gelte es vor allem, armen Menschen auch Gehör zu verschaffen, so dass sie nicht aus einer Protesthaltung den "Falschen" folgten und so unerreichbar für die Politik seien. Die Politik müsse hier die "richtigen Antworten finden", sagte Kapek.

"Richtige Antworten" - um dazu beitragen zu können, dass die Zahl der Armen in Berlin nicht weiter steigt. Dabei ist es für die Grünen vor allem wichtig, die Zahl der Kinder in Armut zu verringern. Grundschulen sollten dazu gestärkt werden, indem die Lehrer dort genauso viel Geld bekommen wie Pädagogen an Oberschulen. Auch müssten mehr Gelder für Kinder fließen, die eine stärkere Förderung brauchen. Die Grünen fordern hier zudem, mehr Lehrer einzustellen, die selbst oder deren Familien als Migranten nach Berlin gekommen sind.  

Armutsbekämpfung wird für die Grünen zum Wahlkampfthema

Die Direktorin der Caritas Berlin, Ulrike Kostka, lobt vor allem einen Vorschlag der Grünen: die Ausbildungsgarantie. Doch Kostka ist auch skeptisch, denn viele Jugendliche würden gar keine Ausbildung anstreben, obwohl hier ein Mangel bestehe: "Noch zu viele brechen eine Ausbildung ab oder kommen gar nicht dorthin." Wichtig sei hier eine gute Begleitung hin zu dieser Ausbildung.

Kostka mahnte auf der Grünen-Klausur zwar, künftig ganz einfach mehr Ideen zu entwickeln zur Bekämpfung der Jugendarmut, war aber ansonsten ganz zufrieden und lobte, dass es mit dem nun erstellten Papier der Grünen überhaupt ersteinmal ein Gesamtkonzept gibt zur Bekämpfung der ganz unterschiedlichen Formen von Armut in der Stadt.

Neben der Bildungsforderung schlagen die Grünen beispielsweise auch vor, 1.000 Plätze für die Kältehilfe in der Stadt zu schaffen - das sind rund 200 mehr als es bislang gibt. Die Partei fordert zudem ein deutlich günstigeres Sozialticket, 25 zusätzliche Straßensozialarbeiter, mehr Wohnungen für sozial Schwache, die leichtere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, mehr Sprach- und Qualifizierungsangebote und eine Ehrenamtsstrategie. Die Liste der Vorschläge ist lang und die Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, ist durchaus stolz darauf, wenngleich sie einräumt, dass diese Vorschläge der Grünen noch keine eigene und tragfähige Strategie seien: "Aber es ist natürlich wichtig, dass man auf solchen Vorschlägen auch aufbaut und dann eine Strategie entwickeln kann gemeinsam mit den Akteuren und Betroffenen."

Die echte Strategie soll noch erarbeitet werden, besonders konzentrieren wollen sich die Grünen dabei dann auch darauf, wie die verschiedenen Verwaltungen besser zusammenarbeiten könnten. In jedem Fall soll das Thema Armutsbekämpfung Teil des Grünen Wahlprogramms für die Abgeordnetenhauswahl im September werden.

Beitrag von Ute Schuhmacher

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