Eine historische Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" © dpa

Berliner Bildungsverwaltung zeigt sich offen - "Mein Kampf" vielleicht bald im Berliner Schulunterricht

Am Freitag kommt die wissenschaftlich kommentierte Neufassung von Adolf Hitlers "Mein Kampf" auf den Markt - und damit wahrscheinlich auch in deutsche Klassenzimmer. Bundessministerin Wanka und der Lehrerverband sind dafür, das Buch – streng eingeordnet - zur politischen Bildung einzusetzen. Auch Berlins Bildungsverwaltung kann sich das vorstellen.

Die Berliner Bildungsverwaltung ist offen für den Einsatz der kommentierten Neuausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" im Schulunterricht: "Wenn diese Quellen entsprechend in den Geschichts- oder Ethikunterricht eingebettet werden, können sich Lehrer dieser kommentierten Fassung bedienen", sagte eine Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). In Berlin gelte ohnehin die Lehr- und Lernmittelfreiheit.

Wichtig sei nur, dass diese kommentierte Fassung eingeordnet werde, und das Unterrichtsziel - Bekämpfung des Rechtsextremismus oder Entlarvung der NS-Ideologie - klar definiert sei, sagte die Sprecherin. Ziel sei es laut Schulgesetz, die Schüler zu Persönlichkeiten heranzubilden, "welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten".

Urheberrechte bisher beim Freistaat Bayern

"Mein Kampf" entstand 1923, als Hitler nach seinem missglückten Umsturzversuch in Landsberg in Festungshaft saß. In der Hetzschrift sind etwa die ideologischen Grundlagen für die "Rassentheorie" der Nationalsozialisten sowie der Eroberungspolitik dargestellt, die Hitler später verfolgte.

70 Jahre lang durfte "Mein Kampf" nicht nachgedruckt werden. Zwar entschied 1979 der Bundesgerichtshof, Originalexemplare dürften antiquarisch vertrieben werden. Die Urheberrechte allerdings lagen beim Bayerischen Staat, weil Hitler zum Zeitpunkt seines Todes mit erstem Wohnsitz in München gemeldet war. Sein Nachlass ging laut einem Gerichtsurteil an den Freistaat Bayern über, der sich 1946 neu gründete.

Jetzt, 70 Jahre danach, sind die Urheberrechte ausgelaufen. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte arbeitete drei Jahre lang an einer wissenschaftlich kommentierten Ausgabe. Am Freitag wird sie in München präsentiert.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), der Deutsche Lehrerverband und der Verband der Geschichtslehrer sprachen sich inzwischen dafür aus, die kommentierte Neufassung zur politischen Bildung in der Schule einzusetzen.

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