Sabine Kunst steht am 19.01.2016 in der Humboldt Universität in Berlin (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 19.01.2016 | Christian Walther

Ministerin zur Präsidentin gewählt - Kunst fordert mehr Geld für Humboldt-Uni

Berlins Vorzeige-Uni hat eine neue Präsidentin. Das Konzil der Humboldt Universität wählte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) als Nachfolgerin des bisherigen Präsidenten Olbertz. Ihr oberstes Ziel ist es, die Finanzierung der Hochschule zu verbessern.

Die künftige Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität, Sabine Kunst, hat es als ihr Ziel genannt, die Finanzierung für die Hochschule zu verbessern. Die Universität bekomme im Vergleich zu anderen Hochschulen weniger Geld, sagte Kunst am Dienstag dem rbb. Sie wolle mit der Landesregierung darüber sprechen, das Ungleichgewicht zu beenden.

Die derzeitige brandenburgische Wissenschaftsministerin wurde am Dienstag mehrheitlich vom Konzil der Humboldt-Universität zur künftigen Präsidentin gewählt. Es gab 49 Ja- und 6 Nein-Stimmen. Die 61-jährige promovierte Ingenieurin und Politologin war die einzige Kandidatin für das Amt.

"Stolze Universität voranbringen"

"Ich freue mich darauf, für die Humboldt-Universität gemeinsam mit allen, die diese stolze Universität weiter voranbringen wollen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Mit ihrer exzellenten Forschung und Lehre ist die Humboldt-Universität von enormer Bedeutung für die Entwicklung der Hauptstadt", sagte Kunst in ihrer Dankesrede nach der Wahl. Sie halte es aber an "vielen Punkten für übertrieben", was als Problem der traditionsreichen Hochschule gesehen werde.

Als Präsidentin gibt Kunst künftig den Kurs vor für rund 34.000 Studenten, mehr als 400 Professoren, knapp 2.000 Mitarbeiter im wissenschaftlichen Mittelbau und weitere rund 1.500 in der Verwaltung. 1810 gegründet, hat die HU den Ruf als "Mutter aller modernen Universitäten".

Steckbrief: Sabine Kunst

Die derzeitige Wissenschaftsministerin von Brandenburg, Sabine Kunst, wird künftig Präsidentin der Humboldt-Universität Berlin. (Bild: dpa)

Die bisherige Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, Sabine Kunst (SPD), ist neue Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität.  

  • geboren am 30. Dezember 1954 in Wesselburen, Schleswig-Holstein
  • von 1972 bis 1982 Studium an der Universität Hannover Biologie, Politologie und Wasserwirtschaft
  • 1982 Promotion in Ingenieurwesen, 1990 in Politologie
  • von 2010 bis 2011 erste Frau als Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
  • von 2006 bis 2011 Präsidentin der Universität Potsdam
  • 2010 Auszeichnung als Hochschulmanagerin des Jahres
  • 2011 Berufung der parteilosen Wissenschaftlerin als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in die rot-rote Brandenburger Landesregierung
  • seit 2013 Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz
  • 2014 Eintritt in die SPD
  • Kunst ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Werder (Havel)

Der bisherige Präsident Jan-Hendrik Olbertz hatte im vergangenen März angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Grund waren Differenzen wegen seiner Bemühungen, die Verwaltung zu reformieren. Olbertz wollte das Amt des für den Haushalt zuständigen Kanzlers wiedereinführen, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Schon Ende 2013 war er einmal kurzfristig zurückgetreten, hatte sich dann aber wieder um entschieden.

Förderung als Exzellenz-Uni läuft 2017 aus

Der Humboldt-Universität war es 2012 unter Olbertz' Führung gelungen, in den Kreis der sogenannten Exzellenzuniversitäten aufzurücken. Nach dem Start der milliardenschweren Initiative 2005 war das zunächst nicht geglückt. Das Förderprogramm für Spitzenforschung läuft 2017 aus, wird jedoch höchstwahrscheinlich weitergeführt.

Jan-Hendrik Olbertz Präsident der Humboldt-Universität in Berlin (Quelle: dpa)
Unter Kunsts Vorgänger Olbertz war die HU zur "Exzellenzuniversität" worden.

Eine der Kernaufgaben der neuen Präsidentin Kunst dürfte nun sein, die Hochschule im Wettbewerb der deutschen Unis weiter in Position zu bringen. Vergangene Woche hatte die 61-Jährige bei ihrer Vorstellung im Konzil der Universität gesagt, sie wolle die "evidente Unterfinanzierung" der HU auflösen. Auch angesichts der wachsenden Studierendenzahlen und der angespannten Betreuungssituation an den Berliner Universitäten seien dringend mehr Mittel nötig.

Kunst war nicht erste Wahl

Erste Wahl der Universität war die jetzige Präsidentin Sabine Kunst zunächst nicht. Die Hochschule hatte erst einmal den Würzburger Forscher Martin Lohse als Kandidat aufgestellt. Doch dieser zog seine Kandidatur überraschend zurück, die Wahl platzte.  

Brandenburg gratuliert, will aber keine Nachfolge-Diskussion

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gratulierte seiner bisherigen Wissenschaftsministerin am Dienstag zu ihrer Wahl. Zwar bedauere er den Wechsel von Sabine Kunst nach Berlin, sagte Woidke den rbb. Zugleich aber sei dies auch eine Chance für Brandenburg: Man werde sich besser mit der Wissenschaftslandschaft in der Hauptstadt vernetzen.  

Für eine Nachfolge-Diskussion sieht man derweil in Potsdam keinen Anlass. "Die Frage stellt sich noch nicht", sagte der Leiter des Presseamts der Staatskanzlei, Hans Völkel, am Dienstag. Bevor Sabine Kunst ihr Amt als neue Uni-Präsidentin angetreten habe, gebe es keine Auskunft aus der Staatskanzlei. Kunst übernimmt die neue Aufgabe in Berlin zum Sommersemester, dessen Vorlesungszeit am 18. April beginnt.

Als Nachfolgerin von Kunst in Potsdam ist die Landtagsabgeordnete Martina Münch (SPD) im Gespräch - sie sei eine von mehreren Kandidaten, hatte kürzlich Regierungschef Woidke gesagt. Münch war bereits 2009 bis 2011 Wissenschaftsministerin, bevor sie das Bildungsministerium übernahm. Nach der Landtagswahl 2014 war sie aber nicht mehr ins Kabinett berufen worden.

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