Gartenzaun in der Kleingartenkolonie Oeynhausen. (Quelle: rbb/Tina Friedrich)

Kompromiss um Kolonie möglich - Hälfte der Oeynhausener Kleingärtner kann hoffen

Eigentlich hatten sich die Kleingärtner der Kolonie Oeynhausen schon darauf einstellen müssen, dass ihre Gärten bald Geschichte sein werden. Doch nun zeichnet sich überraschend ein Kompromiss ab: Nach rbb-Informationen wird darüber verhandelt, ob zumindest die Hälfte der Parzellen bestehen bleiben kann.

Im Streit um die Wohnbebauung der Kleingartenkolonie Oeynhausen in Berlin-Wilmersdorf deutet sich nach rbb-Informationen ein Kompromiss an. Alban Becker, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Oeynhausen, bestätigte rbb online, dass nur rund die Hälfte der 302 Parzellen zum 31. Januar geräumt wird.

Bürgerinitiative will über möglichen Kompromiss beraten

Der Kompromiss, den der Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf derzeit mit dem Bauunternehmer Klaus Groth und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf verhandle, sehe vor, dass die andere Hälfte der Parzellen nicht bebaut werde. Auf der geräumten Hälfte sollen dann sechsgeschossige Bauten entstehen.

Diese Vereinbarung ist allerdings offiziell bislang weder beschlossen noch bestätigt. Unter den Kleingärtnern gilt der mögliche Kompromiss als umstritten. Die Bürgerinitiative "Schmargendorf braucht Oeynhausen", die für den Erhalt der Kolonie kämpft, will am Montag noch einmal darüber beraten.

Der Kompromiss wäre ein Erfolg für einen Teil der Kleingärtner - denn eigentlich hatten sie sich schon darauf eingestellt, dass alle 302 Parzellen verloren sind. Dass nun die Hälfte der Parzellen voraussichtlich weichen muss, bedauerte Alban Becker im Gespräch mit rbb online. "Wir haben keine Wahl", sagte er.

Jahrelanger Streit um die Kleingärten

Pächter der 302 Parzellen ist der Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf, der Kleingärtnerverein Oeynhausen wiederum der Unterpächter. Die Verhandlungen führt deshalb nicht der Verein selbst, sondern der übergeordnete Verband.  

Um die Kleingartenkolonie wird seit Jahren gestritten. 2008 hatte der Investor Lorac, Tochter eines US-amerikanischen Hedgefonds, das Gelände von der Post gekauft. Sie verkaufte es im vergangenen Jahr an den Bauunternehmer Klaus Groth. Dieser möchte auf einem Teil der Kolonie Luxuswohnungen bauen.

Im Mai 2014 stellten die Kleingärtner einen erfolgreichen Bürgerentscheid gegen die Bebauung auf die Beine. Dieser war jedoch nicht bindend. Der Bezirk setzte den Bürgerentscheid nicht um. Er fürchtete, dass die Rettung der Kolonie Schadenersatzansprüche des Käufers nach sich ziehen könnte.  

Dazu sind im Laufe der Jahre zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben worden, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Die Spannbreite der Einschätzungen reichte von "keine Entschädigungsansprüche" bis zu 50 Millionen Euro.

Gutachten zu Oeynhausen 2009-2015

  • 17.06.2009 Groth

  • 02.11.2010 Haaß

  • 21.07.2011 Finkelnburg I

  • 13.12.2013 Scharmer

  • 15.06.2014 Finkelnburg II

  • 18.08.2014 Schwenk (Wertermittlungsgutachten)

  • 01.09.2014 Battis (zum Qualitätsstichtag)

  • 06.01.2015 Möller/Hatz

  • 14.04.2015 Wild

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