Archiv: AfD-T-Shirts werdenbei einem Parteitag der Alternative für Deutschland zum Verkauf angeboten (Quelle: dpa)

Kommentar - Angriff vom rechten Flügel

Mit ihrer neuen Doppelspitze vollzieht die AfD auch in Berlin den Rechtsruck: Die bundesweit bekannten Beatrix von Storch und Georg Pazderski stehen in einer Linie mit Alexander Gauland, dem Landesvorsitzenden aus Brandenburg - nationalistisch, fremdenfeindlich und pro-russisch. Die Chancen der AfD bei der Wahl für das Abgeordnetenhaus sind gestiegen. Von Olaf Sundermeyer

Die rechtspopulistische AfD ist ab sofort ein ernst zu nehmender Gegner für alle im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Denn mit Beatrix von Storch und Georg Pazderski als Doppelspitze des neuen Landesvorstandes gilt auch in der Hauptstadt das Konzept, mit dem die AfD bundesweit für Furore sorgt: Mit kalkulierten Skandalen und den Themen Anti-Asyl, Sicherheit, und mit dem aus ihrer Sicht "Versagen" der etablierten Parteien. Letzteres dürfte in Berlin besonders verfangen, das von einigen Medien bereits als "Hauptstadt des Versagens" betitelt wurde.

Dagegen war es dem bisherigen Vorstand nicht gelungen, den bundesweiten Auftrieb, den die AfD seit September vergangenen Jahres erlebt, auf Berlin zu übertragen. Aus Sicht der Partei ist die personelle Neubesetzung zu Beginn des Wahljahres deshalb folgerichtig und erfolgversprechend.

Von Storch sorgte für volle Kassen

Als stellvertretende Bundesvorsitzende und Europaabgeordnete gehört die in Berlin lebende Beatrix von Storch von Anfang an zu den profiliertesten Köpfen der Kampagnenpartei. Sie ist klug, redegewandt, international beschlagen, bestens vernetzt, medienerfahren, und damit bereits jetzt auf Augenhöhe mit dem Spitzenpersonal der übrigen Parteien in Berlin. Im Dezember ist es ihr durch einen Mitgliederaufruf binnen weniger Wochen gelungen, zwei Millionen Euro Parteispenden einzutreiben. Das ist für eine kleine Partei, die deutlich rechts der Union steht, eine bemerkenswerte Leistung, die unter den Mitgliedern hoch geschätzt wird. Stand die AfD wegen einer Novellierung des Parteiengesetzes Ende des Jahres doch vor drohenden finanziellen Problemen. Diese hat die Rechtsanwältin und Herzogin von Oldenburg schon gelöst, bevor sie entstanden; noch dazu hat sie die Wahlkampfkasse der Partei weiter gefüllt.

Berliner AfD wird in der Partei an Gewicht zulegen

Damit hat von Storch der AfD zu einer guten Startposition verholfen, in dem für sie entscheidenden Jahr, das ihr die realistische Chance bietet, gleich in fünf Landesparlamente einzuziehen (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin) - und in dem die AfD erfolgreich zum Sprung in den Deutschen Bundestag im kommenden Jahr ansetzen will.

Auch Georg Pazderski wird der Berliner AfD neue Impulse verleihen. Gehört auch er dem rechten nationalkonservativen Flügel der Partei an, unter dem sie während der laufenden Flüchtlingsdebatte bundesweit Zustimmung schart. Die inhaltliche und persönliche Nähe zu Alexander Gauland, der als Landesvorsitzender in Brandenburg als erster mit der AfD in einen Landtag einziehen konnte, lässt zusätzlich eine enge Zusammenarbeit im Berliner Wahlkampf erwarten.

Innerparteilich wird die Berliner AfD künftig an Gewicht zulegen, das sie bislang nicht besaß. Ihr bisheriger Landeschef Günter Brinker blieb blass und der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Auch weil er das Prinzip des kalkulierten Skandals nicht mitgetragen hat, das der AfD bundesweit inzwischen zweistellige Umfragewerte beschert. Kurzum: Der bisherige Landesvorstand war zu zahm, so dass die AfD mit ihrer neuen Doppelspitze eine Richtungswahl getroffen hat. Der Angriff von rechts wird folgen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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