Der Berliner Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja (CDU - l), stellt den neuen, kommissarische Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Sebastian Muschter, am 14.01.2016 bei einer Pressekonferenz in Berlin vor. (Quelle: dpa)

Senatsverwaltung gibt Personalie bekannt - Sebastian Muschter wird neuer Lageso-Chef

Das seit Monaten angeschlagene Lageso hat einen neuen kommissarischen Präsidenten. An der Spitze des Landesamtes wird Sebastian Muschter stehen - ein Verwaltungsspezialist aus der freien Wirtschaft. Er hatte zuvor für das Beratungsunternehmen McKinsey am Lageso gearbeitet. Und er bekommt gleich Arbeit: Es gibt neue Vorwürfe gegen das Amt.

Nach den Personalquerelen der vergangenen Monate bekommt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) einen neuen kommissarischen Präsidenten. Sebastian Muschter soll das Amt, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mitteilte. Er werde das Amt bekleiden, "bis die Stelle ordentlich besetzt ist", sagte eine Sprecherin des Landesamtes rbb online. "Das kann einige Monate dauern."  

Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) erklärte: "Mit dieser Wahl hat sich der Senat für einen Mann entschieden, der durch seine Beratungstätigkeit im Lageso und bei der Fachaufsicht meiner Verwaltung in den vergangenen Monaten bereits umfassende Kenntnisse im Flüchtlingsmanagement erworben hat und mit den Strukturen und Tätigkeitsfeldern des Lageso damit vertraut ist." Eine Einarbeitungszeit werde er daher nicht brauchen, seine Leitungstätigkeit könne er vom ersten Tag an ausüben, so Czaja.

Wenig Zeit für anstehende Aufgaben

Bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben soll Sebastian Muschter von einem Kompetenzteam unterstützt werden, um schnellstmöglich grundsätzliche Verbesserungen der Strukturen und Arbeitsabläufe im Lageso durchzusetzen. Dieses "Kriseninterventionsteam" besteht aus vier zusätzlichen Führungskräften im Leitungsbereich des Lageso. Für den Aufbau des neuen Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten wurde Wolf Plesmann berufen. Der 50-jährige Verwaltungsfachmann war lange Jahre Referatsleiter im Bundeskanzleramt und zuletzt in der Führungsakademie der Bundeswehr tätig.
 
Sebastian Muschter hat an der Universität Siegen studiert und erwarb 1999 an der Schweizer Universität St. Gallen den Doktortitel im Fach Informations-Management. Nach sechs Jahren beruflicher Tätigkeit in den USA stieg er 2004 bei der internationalen Beraterfirma McKinsey & Company ein. Dort ist er derzeit für die Praxisarbeit im Öffentlichen Sektor in Deutschland zuständig. Die Firma war vor mehreren Monaten von Czaja beauftragt worden, die Strukturen und Arbeitsabläufe am Lageso zu verbessern.

Aus einer schriftlichen Anfrage der Linken-Politikerin Elke Breitenbach von Ende November [pdf] geht hervor, dass die McKinsey-Unterstützung am Lageso Ende September begonnen hatte und für drei Monate geplant war. "Der Einsatz der Berater von McKinsey ist Teil von McKinseys sozialem und humanitärem gesellschaftlichen Engagement. Alle Leistungen werden daher probono erbracht, dem Land Berlin entstehen durch den Einsatz von McKinsey keine Kosten", antwortete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Muschter werde ab Montag nicht mehr für McKinsey arbeiten, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung rbb online. Er sei dann Landesmitarbeiter. McKinsey ist nach ihren Angaben weiterhin mit bis zu vier Mitarbeitern am Lageso aktiv. "Sie werden nach wie vor gebraucht, sie sind nach wie vor da."

Umstrittene Behörde

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales steht seit längerem wegen der chaotischen Zustände bei der Flüchtlingsversorgung in der Kritik. Der langjährige Lageso-Präsident Franz Allert räumte deshalb Ende letzten Jahres seinen Posten, nachdem auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller seinen Rücktritt gefordert hatte.

Neue Vorwürfe gegen Lageso

Asylsuchende beklagen unter anderem auch immer wieder Übergriffe von Seiten des Wachpersonals der Zentralen Erstaufnahmestelle. So meldeten sich zuletzt am Mittwoch drei Flüchtlinge bei der Polizei in Mitte. Eine Frau soll von einem Mitarbeiter des Lageso-Sicherheitsdienstes bespuckt, geschlagen und mit Pfefferspray attackiert worden sein, zwei Männer gaben an, von einem anderen Angestellten ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Die Beamten leiteten Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung ein.  

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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