Video: Brandenburg aktuell | 15.01.2016 | Ismahan Alboga

Exkursion der Landesarmutskonferenz - Wo armen Kindern geholfen wird

Kein Urlaub, keine Winterkleidung oder kein warmes Essen - so kann Armut in einem reichen Land aussehen. In Brandenburg lebt heute etwa jedes fünfte Kind in armen Verhältnissen. Dabei haben betroffene Familien viele Anlaufstellen. Zu einigen hat am Freitag eine Exkursion der Landesarmutskonferenz geführt, an der auch Bildungsminister Baaske teilnahm.

Varina Thäns ist Mutter von drei Kindern. Seit Jahren bemüht sich die Frankfurterin um eine Arbeit – bislang erfolglos. Mit dem Geld, was ihr Mann alleine verdient, kommt die Familie gerade so über die Runden. Thäns zählt auf: Alle drei brauchten mal etwas für die Schule, mal etwas zum Anziehen. Und auch wenn sie sich am Wochenende einmal etwas gönnen wolle – "ich gebe es lieber an meine drei Kinder weiter", sagt sie.

Nicht ausreichendes Einkommen der Eltern ist die häufigste Ursache für Kinderarmut. Was armen Familien helfen kann, fragt das Netzwerk gegen Armut und besucht Projekte, die Betroffenen im Land helfen. Die Zahl der Kinder, die in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen, ist seit Jahren unverändert hoch in Brandenburg, beklagt das Netzwerk.

Mindestlohn in Familien angekommen

Der Sprecher der Landesarmutskonferenz, Andreas Kaczyski will die Armut im Land senken – "aber auch Angebote schaffen, die den Betroffenen etwa den Zugang zum Arbeitsleben, zu besserer Bildung oder zu Kultur ermöglichen."

Das sei nicht nur Aufgabe der Politik, sagt Almuth Hartwig- Tiedt, Staatssekretärin im Sozialministerium. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes habe in Brandenburg unter anderem dazu geführt, dass in den Familien tatsächlich auch mehr Geld ankomme.

Offenbar aber nicht genug. In Fürstenwalde beraten Mitarbeiter von Caritas Brandenburg auch Eltern von Armut betroffener Kinder, die wissen oft nicht, woher sie Hilfe bekommen können. Die Angebote richten sich ebenfalls an zugewanderte Familien. Der Leiter der Einrichtung, Thomas Thieme, hat klare Forderungen an die Politik. Eine Kontinuität der Angebote sei nötig, sodass man Kinder und Jugendliche über einen längeren Zeitraum nachhaltig betreuen und fördern könne, so Thieme.

Hohe Armutsquote bei Alleinerziehenden

Die Exkursion der Landesarmutskonferenz machte am Freitag auch Station in Frankfurt (Oder). Hier ist die Kinderarmutsquote bei Alleinerziehenden mit 32,8 Prozent besonders hoch, gefolgt von der Uckermark mit 30,3 Prozent. In der Kita Spatzenhaus beispielsweise lebt etwa die Hälfte der 164 Kitakinder von Transferleistungen, erzählt die Kitaleiterin Karin Muchajer. Kinderarmut begegne ihr in verschiedenen Facetten, "wenn Eltern mit mir darüber reden, dass sie sich bestimmte Dinge nicht leisten können oder ich erkenne es am Gesundheitszustand der Kinder", so Muchajer.

Viel Geld würde fließen, wenn das Kind bereits "im Brunnen" sei, sagt Bildungsminister Günter Baaske (SPD), "wenn es im Kinderheim oder in der Pflegefamilie ist. Das kostet pro Monat 1.400 bis 5.000 Euro. Aber von vornherein mit Paten oder Ehrenamtlicher Unterstützung zu arbeiten, ist wesentlich effizienter", dafür wolle Baaske werben.

Die Landesarmutskonferenz hofft jetzt, dass die Politik Rahmenbedinungen schafft, damit die Projekte weiter existieren können.

Mit Informationen von Ismahan Alboga

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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