Demonstranten zünden Rauchfackeln in Kreuzberg und Neukölln (Quelle: imago/Christian Mang)

Fokus liegt auf Friedrichshain-Kreuzberg - Verfassungsschutz beobachtet Zunahme linksextremer Gewalt

Es geht um Landfriedensbruch, Körperverletzung, Brandstiftung und Widerstand gegen die Polizei: Linksextreme Gewalttaten haben in Berlin deutlich zugenommen, das zeigt eine aktuelle Studie des Verfassungsschutzes. Der Fokus liegt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die Polizei spricht hier von "verdichtetem Raum linker Gewalt".

Linksextreme Gewalttaten haben nach Ansicht des Verfassungsschutzes im Lauf der vergangenen Jahre deutlich zugenommen. Nach einer am Freitag veröffentlichten Studie für die Jahre 2009 bis 2013 gab es in der Hauptstadt durchschnittlich 305 Taten pro Jahr. Die Vorgängerstudie (2003 bis 2008) war noch auf nur 139 Gewaltdelikte von Linksextremen im Jahr gekommen.

In der Studie wurden 1523 registrierte Gewalttaten ausgewertet. Dabei wurden nur in 603 Fällen Verdächtige ermittelt, insgesamt kamen die Ermittler auf 873 mutmaßliche Täter. Erfasst wurden vor allem Landfriedensbruch, Körperverletzung, Brandstiftung und Widerstand gegen die Polizei.

Noch deutlicher als zuvor wurde in den Jahren bis 2013 Friedrichshain-Kreuzberg zu einem Zentrum der Gewalttäter: 46 Prozent der Taten wurden hier verübt.  Von den 873 registrierten Verdächtigen sind 74 Prozent auch in Berlin gemeldet – und hier besonders in den Stadtteilen Neukölln, Friedrichshain und Kreuzberg. Die Studie spricht von einem "verdichteten Raum linker Gewalt" in diesem Teil der Stadt. Fast die Hälfte der linken Gewalttaten wurde in Friedrichshain-Kreuzberg begangen. Gegenläufig verlief die Entwicklung in Pankow, wo sich der Anteil am Gesamtaufkommen linker Gewalttaten mit 8 Prozent nahezu halbierte.

Meistens kracht es Samstags

Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Gewalttaten wurde spontan bei Demonstrationen verübt, 2013 waren es sogar 72 Prozent. 34 Prozent an einem Samstag, 70 Prozent in der Uhrzeit von 18 bis 6 Uhr.

Oft ging es dabei um Angriffe auf Polizisten, wie regelmäßig bei den Demonstrationen am 1. Mai. 15 Prozent aller Taten richteten sich gegen Neonazis oder vermeintliche Rechtsextreme. Dazu kamen eine ganze Reihe von Brandanschlägen – oft gegen Autos.

Die allermeisten Täter waren Männer (84 Prozent, die meisten davon ledig), die meistens aus einer Gruppe heraus handelten. Auffällig oft (43 Prozent) von Gruppen mit mehr als zehn Personen. Doch auch die Einzeltaten steigen von 13 auf 24 Prozent an im Vergleich zur vorherigen Studie. Die meisten Opfer waren mit 59 Prozent Personen (81 Prozent davon Polizisten), 41 Prozent der Angriffe richteten sich gegen "Sachen".

Männlich, ledig, jung sucht Krawall

Die meisten der mutmaßlichen Täter, nämlich 79 Prozent, waren unter 30 Jahre alt. Zu der Gruppe der Arbeitslosen gehörten 34 Prozent, Schüler und Studenten machten 27 Prozent aus.

Unklar bleibt, wie die meist jungen Täter wohnen. Zwar taucht in dem Bericht die Zahl von 92 Prozent von Verdächtigen, die bei ihren Eltern wohnen, auf. Diese Angabe war bei den Vernehmungen durch die Polizei aber freiwillig und wurde nur von 65 der 873 Verdächtigen überhaupt gemacht. So dass der Verfassungsschutz schreibt, die 92 Prozent sei "in keiner Weise repräsentativ". Gerade diejenigen Täter, die alleine oder mit Freunden zusammen wohnten, hätten dazu offenbar nichts gesagt.

Die allgemein steigende Tendenz der linkextremen Gewalttaten setzte sich auch 2014, im Jahr nach der Studie, mit 480 Taten fort. Die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

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