Türkischer Polizist am Ort des Terroranschlags in der Istanbuler Altstadt am 12.01.2016 (Quelle: dpa)

Terroranschlag in Istanbuler Altstadt mit zehn Toten - Ehepaar aus Brandenburg und Berliner unter den Opfern

Unter den deutschen Todesopfern des Anschlags in Istanbul sind ein Ehepaar aus Brandenburg und ein Berliner. Ein Mann und eine Frau aus Berlin wurden zudem verletzt. Nach der Explosion im historischen Viertel der Stadt gibt es zehn Todesopfer, darunter acht Deutsche. Die Opfer waren mit einem Berliner Reiseunternehmen unterwegs.

 

Unter den mindestens acht deutschen Todesopfern des Anschlags in Istanbul ist nach Angaben der Potsdamer Landesregierung auch ein Ehepaar aus Brandenburg. Zwei 71 und 73 Jahre alte Eheleute aus Falkensee bei Berlin seien umgekommen, sagte Regierungssprecher Andreas Beese am Dienstagabend.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich zutiefst erschüttert von ihrem Tod. "Hier wurden Unschuldige Opfer sinnlosen Terrors", sagte Woidke nach Angaben Beeses. Der Ministerpräsident ist derzeit auf einer Konferenz in Breslau (Wroclaw).

Nach Informationen der dpa wurde bei dem Anschlag in Istanbul zudem ein Urlauber aus Berlin getötet. Außerdem wurden eine Berlinerin schwer sowie ein weiterer Mann aus der Bundeshauptstadt leicht verletzt.  

Reisegruppe stammte aus dem ganzen Bundesgebiet

Die deutsche Gruppe war mit einem Berliner Reiseunternehmen unterwegs. "Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages machen uns tief betroffen", sagte der Geschäftsführer der Lebenslust Touristik GmbH Berlin, Marco Scherer.  

"Wir sind mit Hochdruck daran, gemeinsam mit dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes, alle  Informationen verlässlich zu recherchieren", erklärte Scherer bei einer Pressekonferenz am späten Dienstagabend. Die Mitglieder der Reisegruppe stammten aus dem gesamten Bundesgebiet, ergänzte ein Sprecher der Medienberatungsfirma, die die Kommunikation für das Berliner Reisebüro übernommen hat.

Hotline für Angehörige eingerichtet

Zum Zeitpunkt des Anschlags seien insgesamt 33 Menschen mit dem Reiseveranstalter in Istanbul unterwegs gewesen, hieß es. Sie waren auf einer Rundreise mit den Stationen Istanbul, Dubai und Abu Dhabi unterwegs und sollten vor der Weiterreise nur zwei Tage in Istanbul bleiben.

Ein Teil dieser Reisenden habe am Dienstag an einem Gruppenbesuch Istanbuls teilgenommen. Andere Urlauber hätten ein individuelles Programm absolviert, sagte Ingo Leßmann als Sprecher des Reiseunternehmens.

Zwei Vertreter der Geschäftsführung reisten umgehend nach Istanbul zu der Reisegruppe. Für Angehörige wurde eine Hotline mit der Nummer 030 880013039 eingerichtet.

Der Reiseveranstalter bot Kunden, die einen Türkeiaufenthalt mit Beginn bis zum 31. Januar gebucht haben, kostenfreie Stornierung oder Umbuchung an. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf Gruppenreisen für ältere Menschen spezialisiert.

"Hässliche Fratze des Terrors"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilten den Terroranschlag. Beide seien erschüttert über diesen Anschlag in Berlins Partnerstadt Istanbul, der wieder unschuldige Opfer getroffen habe, sagte Vize-Senatssprecher Bernhard Schodrowski am Dienstag.

Henkel bezeichnete den Selbstmordanschlag in einem beliebten Altstadtviertel nahe der weltberühmten Hagia Sophia als "feige und menschenverachtende Tat" und "als widerlichen Angriff auf friedliche Touristen". Wieder habe sich "die hässliche Fratze des Terrors unter friedlichen Menschen gezeigt". Die "verbrecherischen Drahtzieher" müssten weiter bekämpft werden.

Erdogan macht IS verantwortlich

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte in Ankara einen "Selbstmordattentäter syrischer Herkunft" für die Tat verantwortlich. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der 27-jährige Angreifer stamme aus Saudi-Arabien und sei kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist.

Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung ausgesprochen und einen Krisenstab eingerichtet. Zudem empfiehlt es deutschen Urlaubern "dringend", alle Menschenansammlungen zu meiden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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