Der Oberbürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs (SPD) (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 19.01.2016 | Theresa Majerowitsch

Zweite Pegida-Kundgebung in Potsdam - "Wir wollen Gewalt auf jeden Fall vermeiden"

Nach Ausschreitungen gegen Pegida-Anhänger vor einer Woche mahnt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, dass die Proteste gegen die zweiten Kundgebung am Mitttwoch friedlich bleiben. Hunderte Polizisten sollen Rechte und Linke auseinanderhalten. Laut MAZ haben sich jedoch gewaltbereite Hooligans angekündigt.

Nach gewalttätigen Protesten gegen eine erste Pegida-Demonstration in Potsdam hofft die Stadt, dass eine zweite Kundgebung am Mittwochabend friedlich verläuft. Bürgermeister Jann Jakobs sagte dem rbb, er hoffe "alles Denkbare" dafür getan zu haben.

So soll - wie schon in der vergangenen Woche angekündigt - die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort sein, um rechte Demonstranten der sogenannten "Pogida"-Bewegung und linke Gegendemonstranten auseinanderzuhalten. Dazu seien alle vier Einsatzhundertschaften aus Brandenburg vor Ort, sagte Mario Heinemann, Sprecher der Potsdamer Polizei am Mittwoch rbb online. Zudem gebe es polizeiliche Unterstützung aus mehreren Bundesländern. Nach unbestätigten Informationen sollen 800 Mann vor Ort sein. "Wir halten den Wasserwerfer bereit", kündigte der Polizeisprecher weiter an.

Platz ausgeleuchtet

Rund um den Bassinplatz, auf dem sich beide Gruppen versammeln, gilt zwischen 17 bis 24 Uhr ein Flaschen- und Glasverbot. Das Verbot umfasst laut Polizei den Bereich rund um den Bassinplatz auch die angrenzenden Straßen Am Bassin, Gutenbergstraße, Hebbelstraße und die Charlottenstraße. Die Polizei führt an zwei Stellen Einlasskontrollen durch, wie Mario Heinemann am Mittwoch rbb online mitteilte. Zudem soll der Versammlungsplatz ausgeleuchtet werden, wie Jakobs am Dienstag im rbb ankündigte.

MAZ: Hooligans haben sich angekündigt

Die "Märkische Allgemeine" berichtete unter Berufung auf den Anmelder der Pegida-Demo, Christian Müller, es hätten sich auch Hooligans angekündigt - gewaltbereite Fans der Berliner Fußballvereine Hertha BSC und BFC Dynamo. Müller habe sich mit einer Teilnahme einverstanden erklärt, solange "alles friedlich bleibe".

Laut MAZ rechnet Müller mit einer Teilnahme von 1.000 Pegida-Anhängern. Angemeldet und genehmigt ist demnach, wie beim letzten Mal, ein "Abendspaziergang". Am Mittwoch soll dieser - sofern er stattfinden kann - vom Bassinplatz aus zur Kurfürstenstraße, über Nuthestraße und Humboldtring bis zum Hauptbahnhof führen.

Heftige Krawalle bei erster Demo

Am vergangenen Montag hatte es in der Landeshauptstadt neben friedlichen Protesten auch heftige Ausschreitungen gegen Sympathisanten des örtlichen Pegida-Ablegers gegeben. Teilnehmer des islamfeindlichen "Abendspaziergangs" waren von Demogegnern mit Steinen, Flaschen und Böllern angegriffen worden.

Die Polizei musste Verstärkung kommen lassen, am Ende waren rund 450 Beamte im Einsatz gewesen. Acht Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt. Ermittlungen laufen unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung.

"Gewalttätige Ausschreitungen wie am vergangenen Montag schaden der Demokratie und dem Ansehen der Landeshauptstadt", sagte Jakobs am Montag. "Jeder muss friedlich seine Meinung, auch seinen Protest, äußern können. Gewalttätigkeiten sind aber völlig fehl am Platz."

"Potsdam steht für Toleranz und Weltoffenheit"

Oberbürgermeister Jakobs - gleichzeitig auch Vorsitzender des Bündnisses "Potsdam! bekennt Farbe" - hofft dabei auf viele Teilnehmer der Gegenveranstaltung am Bassinplatz. Das Bündnis plant nach eigenen Angaben ein buntes und lautstarkes Programm für Weltoffenheit und Toleranz unter dem Motto "Refugees Welcome". Alle Potsdamer sind demnach zu kreativen, friedlichen Aktionen eingeladen

Jakobs sagte dem rbb, Potsdam sei weltoffen und tolerant. In der Stadt sei keine Atmosphäre vorhanden, "die womöglich deutlich machen würde, dass hier viele mit Pegida-ähnlichen Organisationen sympathisieren würden." Potsdam stehe "für was anderes", was am Mittwoch deutlich gemacht werden soll. "Friedvoll ohne Gewalt und indem man präsent ist. Das ist sehr wichtig", so der Oberbürgermeister weiter.

Potsdam findet sich tolerant

Das Bild von weltoffenen und toleranten Potsdamern belegt auch eine Umfrage, die von der Stadt im letzten Jahr in Auftrag gegeben wurde. So vertreten 86 Prozent der Befragten die Ansicht, die Landeshauptstadt sei eine tolerante Stadt. Kontakte zu Flüchtlingen, sei es in der Nachbarschaft oder beruflich, bewerteten viele Potsdamer überwiegend positiv. Allerdings nicht alle: Über 65-Jährige und unter 30-Jährige freuen sich demnach am meisten über Begegnungen mit den Flüchtlingen. Bei den 50- bis 65-Jährigen fällt das Ergebnis wesentlich schlechter aus: Noch nicht einmal jeder Zweite wertet entsprechende Kontakte positiv.

Bei der Bürgerbefragung zeigte sich aber auch, dass sich viele Potsdamer unzureichend informiert fühlen: 81 Prozent gaben an, das sie zum Beispiel über den Ablauf der Flüchtlingsaufnahme kaum etwas wissen trotz zahlreicher Bürgerversammlungen im vergangenen Jahr. Im September und Oktober 2015 sind 1.900 von 5.235 angeschriebenen Potsdamern zu Toleranz, Flüchtlingen und Asylsuchenden befragt worden.

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