Pogida-Demonstranten in Potsdam (Quelle: dpa / R. Hirschberger)
Video: rbb aktuell | 27.01.2016 | M. Scheibe, S. Sperfeld

Polizei mit Großaufgebot in Potsdam - Hunderte Menschen protestieren gegen dritten Pogida-Aufzug

Mehrere hundert Menschen haben am Mittwoch im Potsdamer Lustgarten gegen den dritten "Abendspaziergang" der islamfeindlichen Pegida-Bewegung demonstriert. Sie traten für ein tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen ein. Nach Angaben der Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, verliefen beiden Demos weitgehend friedlich.

Zum dritten Mal in Folge hat das Bündnis "Potsdam bekennt Farbe" am Mittwochabend mehrere hundert Menschen mobilisiert, um gegen eine Kundgebung des lokalen Pegida-Ablegers "Pogida" zu demonstrieren. Die rund 700 Demonstranten traten für ein weltoffenes, tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen ein.

An der Kundgebung im Lustgarten nahm auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) teil. "Wir wollen allen Rechten zeigen, dass sie in unserer Stadt nicht willkommen sind", hatte Jakobs vorab erklärt. Er sagte, er finde eine Pogida-Veranstaltung am Holocaust-Gedenktag gefährlich.

Einmal Lange Brücke und zurück

Der Pogida-"Spaziergang" durch Potsdams Innenstadt sollte eigentlich drei Stunden dauern. Die rund 150 Pogida-Sympathisanten, unter denen auch zahlreiche Hooligans gewesen sein sollen, sammelten sich in der Babelsberger Straße am Hauptbahnhof. Anders als bei den vorherigen Versuchen konnten sie von dort dieses Mal in einem kurzen Demonstrationszug über die Lange Brücke marschieren.

Gegen 18:30 Uhr setzten sie sich hinter einem "Stoppt die Islamisierung Europas"-Banner laufend vom Hauptbahnhof in Richtung Filmmuseum in Bewegung. Am Ende der Langen Brücke drehten sie um und liefen zurück zum Hauptbahnhof. Sie skandierten unter anderem "Wir sind das Volk" oder "Merkel muss weg".

Keine Ausschreitungen, aber zwei Festnahmen

Ein massives Polizeiaufgebot trennte die beiden Lager, die sich in Höhe Lustgarten in etwa 50 Metern Entfernung gegenüber standen. Nach Angaben der Polizei verliefen die beiden Demonstrationen weitgehend friedlich - zu Ausschreitungen, wie es sie vor allem bei der ersten Pogida-Kundgebung vor zwei Wochen gegeben hatte, kam es nicht.

Allerdings gab es laut Polizei Stein- und Eierwürfe linker Gegendemonstranten. Dadurch wurde auch ein Polizeifahrzeug beschädigt. Es seien zwei Menschen festgenommen und einer in Gewahrsam genommen worden. Zudem wurden einem Ordner des "Abendspaziergangs" Quarzhandschuhe abgenommen, sagte Polizeiführer Michael Scharf. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung.

Polizei mit 1.000 Beamten im Einsatz

Die Polizei war wieder mit Hundertschaften aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Insgesamt sollen es rund 1.000 Beamte gewesen sein. "Gewalttätige Ausschreitungen werden wir nicht dulden", hatte Einsatzleiter Michael Scharf zuvor angekündigt. Auch Wasserwerfer fuhren auf. In der Innenstadt kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen. Außerdem hatte die Stadt Potsdam wieder ein Flaschen- und Glasverbot erlassen. Das Verbot galt zwischen Alten Markt und Hauptbahnhof sowie in dessen näherer Umgebung.  

Vergangene Woche hatten am Potsdamer Bassinplatz etwa 200 Pegida-Anhänger und etwa 1.000 Gegendemonstranten protestiert. Die Polizei war mit etwa 1.000 Beamten im Einsatz. In der Woche davor war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen linksextremen Demonstranten und Polizisten sowie Pogida-Demonstranten gekommen.

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