Russische Botschaft in Berlin-Mitte (Quelle: imago/CTK Photo)

Statement des Botschaftssprechers - Pressefreiheit, im russischen Sinne

Eine angebliche Vergewaltigung, ein fragwürdiger Reporter und eine Anzeige wegen Volksverhetzung - diese Ingredienzien sorgen in der russlanddeutschen Community derzeit für viel Aufruhr. Hunderte demonstrierten am Samstag vor dem Kanzleramt. Auch der Sprecher der russischen Botschaft hat sich eingeschaltet.

Die russische Botschaft in Berlin hat sich in den Fall des Journalisten Ivan Blagoy eingeschaltet, der im Zusammenhang seiner Berichterstattung über die angebliche Vergewaltigung eines Mädchens wegen Volksverhetzung angezeigt wurde. Der Sprecher der Botschaft, Sergej Beljajew, sagte der Nachrichtenagentur Ria Nowosti: "Mit seinem Affront setzt der Anwalt den russischen Journalisten unter Druck und versucht, die deutschen Behörden dazu zu provozieren, die Tätigkeit des Journalisten einzuschränken. Das ist nicht annehmbar." 

Beljajew erinnerte daran, dass "die internationalen Dokumente, die die Pressefreiheit garantieren, auch von Deutschland unterzeichnet worden sind".

Polizei widerspricht Darstellung

Blagoy hatte für Russlands staatlichen Fernsehsender "Pervij kanal" über die angebliche Vergewaltigung eines 13-jährigen russlanddeutschen Mädchens aus Berlin-Marzahn durch Asylbewerber berichtet. Die Berliner Polizei hat dieser Darstellung mehrmals widersprochen. Nach den bisherigen Erkenntnissen habe es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung gegeben, sagte ein Sprecher.

Der Konstanzer Rechtsanwalt Martin Luithle hatte Blagoy daraufhin angezeigt. Er wirft ihm eine verfälschende Berichterstattung vor, um Flüchtlinge zu verunglimpfen. Unter anderem soll Blagoy eine NPD-Demo als Protest von Angehörigen des Mädchens ausgegeben haben.

Mehrere hundert Menschen demonstrieren vor Kanzleramt

In den sozialen Medien schlägt der Fall nach wie vor hohe Wellen. Am Montagabend wollten 250 Menschen in Marzahn gegen das angebliche Verbrechen demonstrieren. Die Polizei löste die Versammlung auf.

Für Samstagnachmittag hatten russlanddeutsche Organisationen zu einer Kundgebung vor dem Kanzleramt in Berlin aufgerufen, bis zu 700 Menschen nahmen nach Schätzung der Polizei daran teil. Auf Transparenten und Schildern hieß es unter anderem "Stoppt Emigrantengewalt" oder "Unsere Kinder sind in Gefahr". Unterstützt wurde der Aufruf unter anderem vom Berliner Pegida-Ableger "Bärgida".

Das könnte Sie auch interessieren