ARCHIV - Ein Hinweisschild weist am 12.10.2015 auf die Baustelle der Staatsoper Unter den Linden in Berlin hin (Quelle: dpa).

Ewige Baustelle Berliner Staatsoper - Baudirektorin: Zeitplan für die Staatsoper zu knapp kalkuliert

Eigentlich sollte die Sanierung der Berliner Staatsoper 239 Millionen Euro kosten und längst fertig sein - inzwischen sind es etwa 400 Millionen und die Kräne stehen noch immer. Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erklärte am Freitag, der Zeitplan sei von vornherein zu knapp gewesen - und gab dem Ex-Regierenden Klaus Wowereit eine Teilschuld daran.

Die Sanierung der Berliner Staatsoper ist nach Ansicht von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zeitlich zu knapp geplant gewesen. "Der Zeitplan war von Anfang an ohne zeitliche Puffer gerechnet", sagte sie am Freitag im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu dem Bauprojekt. Es habe keine Kapazität für Unvorhergesehenes gegeben, da seien Probleme programmiert.

Lüscher und der zuständige Architekt Klaus Roth beklagten am Freitag, dass die frühere Berliner Regierung unter Klaus Wowereit viel zu ungeduldig an solch ein "hochkomplexes Jahrhundertprojekt" herangegangen sei. Vor den Abgeordneten beteuerte Lüscher, sie habe bereits 2008 davor gewarnt, dass ein Beginn der Sanierung 2010 mit hohen Risiken verbunden sei. Da war gerade der Architektenwettbewerb für die Sanierung des Opernhauses gescheitert, es kam zu Umbauten.

Lüscher: Wowereit soll "kreative Lösungen" gefordert haben.

Bei einem Spitzengespräch zwischen der damaligen Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und dem Regierenden Bürgermeister Wowereit habe dieser jedoch darauf bestanden, am geplanten Baubeginn festzuhalten und gefordert, "kreative Lösungen" für die Probleme zu finden.

Die offensichtlichen Fehler zu Beginn rächen sich nun: Die Kosten für die Modernisierung des Hauses Unter den Linden stiegen von 239 Millionen auf etwa 400 Millionen Euro. Bereits mehrere Male musste der ursprünglich für 2013 geplante Eröffnungstermin verschoben werden - aktuell gehen die Planer vom Herbst 2017 aus. Solange gastiert das Ensemble im Westen Berlins, das Publikum ist Daniel Barenboim und seinen Musikern bisher bereitwillig dorthin gefolgt - entgegen der offensichtlichen Befürchtungen der früheren Senatsverwaltung.

Regula Lüscher erklärte, ihnen sei immer wieder gesagt worden, der Umzug ins Schiller Theater führe "zu einem Niedergang" der Staatsoper, deswegen müsse die Übergangszeit möglichst kurz sein. "Ich glaube, dass diese Angst, diese Befürchtungen enorm zum Zeitdruck beigetragen haben", sagte sie. Seit 2014 aber habe man das Projekt im Griff. "Die Staatsoper-Baustelle ist keine Chaos-Baustelle."

Rettig: Mit dem Projekt Humboldtforum richtig auseinandersetzen

Der oberste Manager der Großbaustelle Berliner Stadtschloss, Manfred Rettig, hat derweil an die Verantwortlichen des jetzt folgenden Innenausbaus des Humboldtforums appelliert, sich mit dem Projekt richtig auseinanderzusetzen. In der rbb-Abendschau sagte Rettig am Freitagabend, es sollte nicht von vornherein heißen, diese oder jene Wand müsse weg. Das Gebäude sei komplett durchgeplant, jede Steckdose sei verplant und eingemessen. "Wenn man da anfängt, Veränderungen vorzunehmen, kann man das beste Projekt vor die Wand fahren. Wenn sich aber alle diszipliniert verhalten, dann wird das Projekt als Erfolgsprojekt zu Ende gebracht werden können", so Rettig.

Die von Rettig geführte Stiftung hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er im März sein Amt aufgibt. Der Neubau des Stadtschlosses soll mit dem sogenannten Humboldtforum ein Kultur- und Ausstellungszentrum beherbergen.  

Mit Informationen von Thorsten Gabriel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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