Oberleitungstrassen in Berlin (Bild: dpa)

Bundesnetzagentur nimmt Konzerne ins Visier - Verdacht auf Bilanzierungstricks durch Stromnetzbetreiber

Stellen Betreiber von Strom- und Gasnetzen den Berlinern zu hohe Kosten in Rechnung? Den Verdacht hat offenbar die Bundesnetzagentur. Nach rbb-Informationen will sie die Unternehmen nun genauer unter die Lupe nehmen. Der Vorwurf: Bilanzierungstricks in der Buchführung. Vattenfall weist solche Praktiken von sich.

Die Bundesnetzagentur geht einem Verdacht nach, wonach Betreiber von Strom- und Gasnetzen in Berlin ihren Kunden zu hohe Kosten in Rechnung stellen. Aus einem internen Bericht, der dem rbb vorliegt, geht hervor, dass die Konzerne ihre Bilanzen so gestalten, dass sie möglichst hohe Entgelte von den Kunden verlangen können.

Der Bundestagsabgeordnete und Beirat der Bundesnetzagentur Oliver Krischer (Grüne) erklärte, die Behörde wolle sich die Unternehmen, die diese Verteilnetze betreiben, genauer ansehen und überprüfen, ob dort Bilanzierungstricks angewandt werden.

Vattenfall weist Vorwurf zurück

In der Hauptstadt nehme man nun die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin genauer ins Visier. Das Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote von 55 Prozent. Das sei extrem hoch, so Krischer. In der Wirtschaft seien sonst Quoten um die 20 Prozent üblich. Möglicherweise sei das Eigenkapital hier künstlich hochgeschraubt worden, weil dadurch höhere Netzentgelte von den Kunden verlangt werden könnten.

Vattenfall Berlin hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Bundesnetzagentur kündigte dennoch an, die Netzbetreiber genauer zu kontrollieren.

Kosche: "Wie bei den jahrelang überhöhten Wasserpreisen"

Heidi Kosche, Abgeordnete der Grünen, sieht in dem Fall eine Parallele zu den jahrelang überhöhten Wasserpreisen. "Da ist es auch so gewesen, dass verschiedene Bestandteile, die bei den Tarifen eingerechnet werden, sehr überhöht waren", sagte Kosche. Ähnliches komme jetzt auch bei den Stromtarifen zu Geltung. Das mache für die Tarife einen hohen Betrag aus. "In Berlin haben wir es mal grob ausgerechnet: Das sind für einen Vier-Personen-Haushalt 25 Euro im Jahr – das ist eine Menge Geld", so Kosche. 

Der SPD-Abgeordnete Nikolaus Karsten fasst die Vorwürfe knapp zusammen: "Bei den Netzen wird geschummelt", sagt er. Für Karsten ist die Debatte über die Netzentgelte ein Beleg dafür, dass die Strom- und Gasnetze besser in öffentlicher als in privater Hand aufgehoben sind.

Mit Informationen von Jan Menzel

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