Blumen stecken am 13.01.2016 im Zaun der türkischen Botschaft in Berlin (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 13.01.2016 | Anja Herr

Landesregierungen zeigen sich erschüttert - Berlin und Brandenburg trauern um die Toten von Istanbul

Nach dem Anschlag in Istanbul steht inzwischen fest, dass ein Getöteter und auch zwei Verletzte aus Berlin stammen. Auch zwei Menschen aus Brandenburg fielen dem Terroranschlag zum Opfer. In beiden Ländern wehten am Mittwoch die Fahnen auf Halbmast. Mehrere Kirchen hielten Gedenkandachten ab.

Die zehn deutschen Todesopfer des Terroranschlags von Istanbul gehörten alle zur Reisegruppe eines Berliner Veranstalters. Sieben weitere Mitglieder der Gruppe seien verletzt worden, bestätigte Sprecher Jörg Manthei für die Lebenslust Touristik GmbH am Mittwoch.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Dienstag mitten in der deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag wurden insgesamt 15 Menschen verletzt. Neun von ihnen sind Deutsche.

Türkische Zeitungen titelten am Mittwoch auf deutsch (Quelle: dpa)
Eine türkische Zeitung am Mittwoch mit deutschem Titel

Wie am Mittwoch bekannt wurde, stammen zwei Todesopfer aus Brandenburg, ein weiteres aus Berlin. Das bestätigten die Landesregierungen. Es handelt sich um ein 71 und 73 Jahre altes Ehepaar aus Falkensee (Havelland) und einen Mann aus Berlin-Köpenick. Er war 72 Jahre alt, teilte die Senatskanzlei mit. Die sieben anderen Getöteten stammen aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen.

Vom Auswärtigen Amt hieß es am Mittwoch, die sieben deutschen Verletzten würden derzeit in Krankenhäusern behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Schwer verletzt wurde eine 63-jährige Frau aus Köpenick. Ein 75-jähriger Pankower erlitt leichtere Verletzungen.

"Unsere Trauer ist groß"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich erschüttert. Nichts und niemand könne diese Tat rechtfertigen, sagte er am Mittwoch: "Unsere Trauer ist groß, aber dennoch sind wir gerade jetzt gefordert, in dieser Situation, gegenzuhalten", fügte der Regierungschef hinzu. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass der Terror das Leben der Berliner bestimme. "Wir sind aufgerufen, unsere Freiheit zu verteidigen", sagte Müller. "Wenn wir weiter unser Leben, Reisen machen, die Welt erkunden, dann wird der Terror sein eigentliches Ziel nicht erreichen."

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Woidke zeigte sich zutiefst betroffen: "Hier wurden Unschuldige Opfer sinnlosen Terrors", sagte Woidke, der sich am Dienstag auf einer Konferenz in Breslau (Wroclaw) aufhielt. Innenminister Schröter sprach den Angehörigen der Brandenburger Opfer sein Beileid aus: "Wir stehen in dieser Stunde zusammen, um denen Trost zu spenden, die jetzt um ihre Lieben trauern." Entsprechend äußerte sich Falkensees Bürgermeister Heiko Müller (SPD).

Trauerbeflaggung in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg wehen die Fahnen am Tag nach dem Anschlag auf Halbmast. Innensenator Henkel (CDU) und Innenminister Schröter ordneten für alle Dienstsitze der öffentlichen Verwaltungen Trauerbeflaggung an.  

Vor der türkischen Botschaft in Berlin, in der es am Mittwoch eine Gedenkveranstaltung geben sollte, legten Menschen Blumen nieder. Im Berliner Dom wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Außerdem fand eine Gedenkandacht in der Marienkirche am Alexanderplatz nahe dem Roten Rathaus statt. Die Andacht stand unter der Überschrift "Beten für die Menschen und für Frieden". Auch in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz sollte am Mittwoch bei drei Friedensandachten der Trauer Raum gegeben werden.

Attentäter reiste als Flüchtling ein

Unterdessen wurden neue Details zum dem Selbstmordattentäter bekannt, der sich am Dienstag inmitten der deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt hatte. Nach Angaben der türkischen Behörden war er als Flüchtling getarnt von Syrien in die Türkei eingereist. Er ließ sich laut dem türkischen Innenminister Efkan Ala vor einer Woche in einem Flüchtlingsbüro in Istanbul registrieren. Deswegen seien seine Fingerabdrücke erkannt worden. Der Mann habe aber auf keiner Liste von Terrorverdächtigen gestanden. Daher sei er nicht beobachtet worden.

Die türkische Regierung macht die Islamistenorganisation Islamischer Staat für den Anschlag verantwortlich. Inzwischen wurden mehrere Menschen festgenommen.

Anschlag in Istanbul - Fahnen in Berlin auf Halbmast (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Fahnen in Berlin auf Halbmast

33-köpfige Gruppe auf Rundreise

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte am Mittwoch, bislang gebe es keine Hinweise, dass sich der Anschlag gezielt gegen die Deutsche gerichtet habe.

Die betroffene Reisegruppe war mit einem Berliner Unternehmen auf einer Rundreise mit den Stationen Istanbul, Dubai und Abu Dhabi. Für die türkische Stadt waren auf der Fahrt zwei Tage eingeplant.

Ein Teil dieser insgesamt 33-köpfigen Reisegruppe habe am Dienstag an einem Gruppenbesuch Istanbuls teilgenommen, erklärte der Veranstalter. Andere Urlauber hätten ein individuelles Programm absolviert.

Nach der Nachricht von dem Anschlag seien zwei Vertreter der Geschäftsführung sofort zu der Gruppe nach Istanbul gereist. Für Angehörige wurde eine Hotline mit der Nummer 030 880013039 eingerichtet. Das Unternehmen organisiert nach eigenen Angaben für Überlebende Flüge für die Rückreise nach Deutschland sowie Reisen von Angehörigen nach Istanbul.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

ARCHIV - Demonstranten werfen in Berlin im Stadtteil Kreuzberg bei der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" mit Steinen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Kommentar | Politisch motivierte Gewalt - Das Tabu der linken Gewalt

Die Empörung über linke Gewalt in Berlin bleibt aus, kritisiert Innensenator Henkel. Im Kampf gegen Rechts wird sie seit Jahren von vielen Wohlmeinenden akzeptiert - im laufenden Wahljahr aber trägt Henkel eine Privatfehde mit der linksautonomen Szene aus, die mögliche Unterstützer seines Anliegens vertreibt, meint dagegen Olaf Sundermeyer.