Polizisten stehen am 20.01.2016 auf dem Bassinplatz in Potsdam (Brandenburg) im Rauch einer Nebelgranate von linken Demonstranten (Quelle: dpa)
Video: rbb aktuell | 20.01.2016 | Annette Dornieden u. Stefan Sperrfeld

Veranstaltung in Potsdam vorzeitig beendet - Nur vereinzelte Rangeleien bei zweiter Pegida-Demo

Getrennt durch Hunderte Polizisten haben am Mittwoch in Potsdam erneut Pegida-Anhänger und linke Gegner demonstriert. Nach vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern endete die Pegida-Kundgebung vorzeitig. Nach Angaben der Polizei blieb es aber im Vergleich zur Vorwoche ruhig.

Unter massiver Polizeipräsenz haben am Mittwochabend in Potsdam Anhänger der Pegida-Bewegung und ihre Gegner demonstriert. Rund 1.000 Beamten waren vor Ort, um gewaltsame Auseinandersetzungen - wie bei einer Kundgebung der Pegida in der Vorwoche - zu verhindern.

Am Donnerstagmorgen bilanzierte die Polizei, zu Krawallen sei es nicht gekommen. "Ausschreitungen sind im wesentlichen ausgeblieben", sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag dem rbb.

Allerdings gab es vereinzelt kleinere Rangeleien zwischen Demonstranten aus der linken Szene und Pegida-Anhängern. Laut Polizei gab es vier Festnahmen. Den Betroffenen werden Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder Verstöße gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen. Zwei Beamte seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten stehen sich am 20.01.2016 auf dem Potsdamer Bassinplatz gegenüber (Quelle: rbb/Torsten Sydow)
Auf der einen Seite Gegendemonstranten, auf der anderen Pegida-Anhänger - und dazwischen viel Polizei

Pogida-Demo vorzeitig beendet

Gut 200 Menschen waren am Abend dem Demonstrationsaufruf des Potsdamer Pegida-Ablegers - der sogenannten Pogida - gefolgt. Die Versammlung der islamfeindlichen Bewegung war allerdings bereits nach einer Stunde zu Ende: Zum einen funktionierte die Technik nicht. Zum anderen waren die Gegendemonstranten deutlich in der Überzahl.

Es waren deutlich weniger gekommen Pegida-Anhänger gekommen als erwartet. Die Veranstalter hatten nach Angaben der "Märkischen Allgemeinen" mit rund 1.000 Demonstranten gerechnet. Die Menge der Gegendemonstranten blockierte den Weg für den genannten "Abendspaziergang" durch die Innenstadt. Vereinzelt kam es zu Anfeindungen und Provokationen zwischen den rechten Demonstranten und linken Gegnern. Es flogen zudem einzelne Böller.

Aus diesem Gründen verzichtete der Veranstalter auf den Demonstrationszug durch die Stadt. Die Polizei begleitete nach Veranstaltungsende die Pegida-Teilnehmer in Richtung Hauptbahnhof. Auch hier kam es vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen linken Gegendemonstranten und Einsatzkräften, wie Polizeisprecher Mario Heinemann rbb online sagte. Wie die "Märkische Allgemeine" in ihrem Live-Ticker berichtete, soll es zudem Auseinandersetzungen zwischen Linken und Pegida-Anhängern an der Wilhelmgalerie gegeben haben. Außerdem soll Pyrotechnik gezündet worden sein.

Rund 1.000 Teilnehmer bekennen Farbe

Vor Beginn der ausländerfeindlichen Kundgebung hatte es eine Gegenveranstaltung für Toleranz und Weltoffenheit mit rund 1.000 Teilnehmern gegeben. Unter dem Motto "Potsdam bekennt Farbe" traten die Bürger friedlich für ein weltoffenes, tolerantes Brandenburg und die Integration von Flüchtlingen ein. Es herrschte Volksfestcharakter, die Menschen tanzten, berichteten rbb-Reporter. Unter ihnen waren auffällig viele junge Menschen.

"Potsdam bleibt bunt"

Neben Oberbürgermeister Jann Jakobs war auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) vor Ort. Auf der Gegendemonstration betonte Jakobs, dass die Rechten bereits in den 1990er Jahren versucht hätten, in Potsdam Fuß zu fassen. Das sei ihnen nicht gelungen und werde ihnen auch heute nicht gelingen, so Potsdams Stadtoberhaupt, der auch Vorsitzender von "Potsdam bekennt Farbe" ist. Ausländer gehörten zu Potsdam.

Auch Dietmar Woidke fand deutliche Worte: "Brandenburg wird es nicht dulden, dass sich auf unseren Marktplätzen Ausländerfeinde und Rechtsextremisten breitmachen. Ich finde es so toll, dass heute abend so viele Menschen Gesicht zeigen. Potsdam bleibt bunt. Brandenburg braucht alles - nur keine Rechtsextremisten." Auch Spitzenpolitiker anderer Parteien im Landtag sprachen auf der Rednerbühne.

Beide Lager lieferten sich im Verlauf des Abends nach Angaben von rbb-Reportern ein sprachliches Duell mit Beleidigungen. Die Anhänger der anti-islamfeindlichen Gruppe skandierten "Merkel muss weg!" und "Wir sind das Volk!". Die andere Seite entgegnete: "Nazis raus!".

Polizisten laufen am 20.01.2016 auf den Bassinplatz in Potsdam (Brandenburg) (Quelle: dpa)
Massives Polizeiaufgebot in Potsdam

Versammlungsplatz hell erleuchtet

Im Gegensatz zur ersten Pegida-Demo war die Stadt und die Polizei besser vorbereitet, damit sich die gewalttätigen Vorfälle nicht wiederholen: Seit dem Nachmittag wurde der Versammlungsort rund um den Bassinplatz abgesperrt. Wie Jakobs am Dienstag im rbb bereits angekündigt hatte, war der Bassinplatz hell erleuchtet.

Zudem waren alle vier Einsatzhundertschaften aus Brandenburg vor Ort, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann. Auch polizeiliche Unterstützung aus mehreren Bundesländern wurde angefordert. Nach Angaben eines Sprechers des Potsdamer Innenministeriums waren mehr als 1.000 Beamte aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Auch ein Wasserwerfer stand für den Fall der Fälle bereit.

Mit Informationen von Karsten Steinmetz

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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