Internet Explorer (Quelle: Screenshot von einem Windows-Desktop)
Video: Abendschau | 14.02.2016

rbb exklusiv | Berliner IT-Probleme - Sicherheits-Panne: 25.000 Behörden-Rechner ohne Updates

Die Berliner Verwaltung lernt bei der IT-Sicherheit offenbar nicht dazu. Erst liefen viele Behördenrechner mit dem Betriebssystem Windows XP ein dreiviertel Jahr ohne Sicherheitsupdates. Jetzt drängt sich durch eine noch unveröffentlichte Anfrage der Grünen der Eindruck auf: Das Schludern hat Methode. Von Florian Eckardt

Jetzt also der Internet Explorer. Seit Mitte Januar gibt es für die Versionen 8, 9 und 10 keine Sicherheitsupdates mehr. Trotzdem läuft rund ein Drittel der 78.000 Berliner Behörden-Computer noch mit dieser Risiko-Software. Das geht aus der noch unveröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Thomas Birk hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt. "Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass sich darauf verlassen wird, dass die dezentralen Behörden schon alles richtig machen werden. Aber leider machen es viele Behörden nicht richtig", sagt Birk der rbb-Abendschau. Er fordert schon seit längerem ein zentrales IT-Management in Berlin.

ITDZ nur für Teil der Rechner zuständig

Das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ), das für einen Teil der Behörden-PCs zuständig ist, erklärt auf Anfrage des rbb, es habe seine Kunden früh informiert. Außerdem bekämen von 3.891 Rechnern, auf denen das alte Programm läuft, fast die Hälfte bis Ende des Monats ein Update. Bleiben aber noch über 2.300 Rechner ohne Update übrig - allein im ITDZ-Zuständigkeitsbereich. Wohlgemerkt über vier Wochen nach Supportende. Dazu erklärt das ITDZ, es könne Arbeitsplätze nur umrüsten, wenn es damit beauftragt wird. Aber mehr Aufträge gebe es bislang nicht.

Sechs Jahre warten auf das E-Governmentgesetz

Stattdessen empfiehlt das Dienstleistungszentrum den Beamten, nicht den Internet-Explorer, sondern das alternative Programm Firefox zu benutzen. Der für das Thema IT zuständige Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) räumt ein, dass die Verwaltung hier keine gute Figur gemacht hat. Er verweist darauf, dass der Senat ein E-Governmentgesetz beschlossen habe, das nun dem Abgeordnetenhaus vorliege. "Dort sind auch aus meiner Sicht dringend notwendige Steuerungsmöglichkeiten für die Senatsverwaltung für Inneres und Sport vorgesehen, um dann zukünftig solche Missstände zu vermeiden."

Auf dieses Gesetz warte man nun schon seit sechs Jahren, kontert Thomas Birk, so lange sei es im Senat diskutiert worden. "Und die Koalition ist sich offensichtlich über Änderungswünsche nicht einig, so dass wir nicht mal einen Beratungstermin für das E-Governmentgesetz haben. Das finden wir einen Skandal", zürnt Birk.

Auch der Berlin-PC bleibt Stückwerk

Und noch ein Beispiel für Stückwerk: der Senat will testweise den sogenannten "Berlin-PC" einführen - nach hessischem Vorbild. Einen standardisierten Computer-Arbeitsplatz. Allerdings mit gerade mal 450 Exemplaren. "Es wäre schöner gewesen, wenn man den Berlin-PC nicht nur für ein Pilotprojekt beschlossen hätte, sondern das Projekt in einer größeren Stückzahl ausgerollt hätte", räumt Staatssekretär Statzkowski ein. Aber nichtsdestotrotz sei Berlin auf dem richtigen Weg, das gelte es, festzuhalten.

Festzuhalten ist aber auch: ein umfassendes IT-Konzept gibt es in Berlin nicht. Die fehlenden Updates des Internet Explorer sind ein weiterer Beweis, wie Behörden der technischen Entwicklung hinterhertraben.

Beitrag von Florian Eckardt

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