Video: Brandenburg aktuell | 15.02.2016 | Sascha Erler

Gedenken an Bombenangriff vor 71 Jahren - Breiter Protest gegen NPD-Aufmarsch in Cottbus

Der Bombenangriff auf Cottbus jährte sich am Montag zum 71. Mal. Die NPD versuchte mit einer Kundgebung, das Gedenken auszuschlachten – doch das Bündnis "Cottbus bekennt Farbe" hat dagegen ein Zeichen gesetz: 1.500 Menschen demonstrierten am Abend gegen die NPD. Auch Vattenfall und das Carl-Thiem-Klinikum beteiligten sich.

In Cottbus haben am Montagabend Hunderte gegen eine Kundgebung der rechtsextremen NPD demonstriert. Unter dem Motto "Cottbus bekennt Farbe" zogen etwa 1.000 Menschen durch die Innenstadt zum Platz vor dem Staatstheater.

Zu dem Protest hatte ein breites Bündnis von Parteien und Gewerkschaften aufgerufen. Gleichzeitig beteiligten sich nach rbb-Informationen etwa 700 Menschen an einer Demonstration der Initiative Cottbus Nazifrei in der Nähe des Bahnhofs. Dort fand auch die NPD-Kundgebung mit etwa 40 Teilnehmern statt.

Die Demonstrationen wurden inzwischen beendet. Es gab keine Zwischenfälle. Die Polizei und ein Sprecher des Bündnis Cottbus Nazifrei sprachen am Montagabend von einem friedlichen Verlauf.

Die Behörde ermittelt allerdings gegen drei 26 und 27 Jahre alte Männer. Sie sollen einen 16-Jährigen mit Eiern beworfen haben. Zudem habe ein Mann einen Polizisten beleidigt, ein anderer gegen das Vermummungsverbot verstoßen. Mehrer Hundert Teilnehmer des linken Spektrums hätten zudem eine Kreuzung blockiert, sagte eine Sprecherin. Erst nach mehrfacher Aufforderung hätten sie diese wieder freigegeben.

"Zeichen gegen verfälschende Geschichtsauffassung"

Ein breites Bündnis von Vereinen, Parteien, Kirchen und Unternehmen hatte anlässlich des 71. Jahrestages des Bombenangriffs auf Cottbus zu einer Demonstration unter dem Motto "Cottbus bekennt Farbe" aufgerufen. Die Organisatoren der Vereinigung "Cottbuser Aufbruch" wollten damit ein Zeichen gegen die NPD-Kundgebung setzen, die vor dem Radisson-Hotel am Cottbuser Bahnhof stattfinden sollte.

"Das Wichtigste ist, Neonazis in unserer Stadt keinen Platz zu lassen", hieß es in dem Demonstrationsaufruf. Man wolle ein "gemeinschaftliches und deutliches Zeichen gegen die verfälschende Geschichtsauffassung der Neonazis" setzen. Das Bündnis "Cottbuser Aufbruch" hatte sich vor vier Jahren gegründet, weil Neonazis in Cottbus seit dem Jahr 2010 am Jahrestag der Bombardierung Aufmärsche organisiert hatten. Im vergangenen Jahr nahmen daran nur noch rund 50 Rechtsextreme teil, während sich rund 1.500 Teilnehmer an der Gegendemonstration beteiligten.

"Abhol-Demo" nach Feierabend sollte hohe Teilnehmer-Zahlen sichern

Die Organisatoren der "Cottbus bekennt Farbe"-Demonstration rechneten mit einer großen Beteiligung. Mit Vattenfall und dem Carl-Thiem-Klinikum unterstützten auch zwei große Arbeitgeber der Stadt die Demonstration. Die Geschäftsführungen riefen alle ihre Beschäftigten dazu auf, sich nach Feierabend einem der Demonstrations-Züge anzuschließen. Diese waren in eine Süd- und eine Nordroute aufgeteilt und führten gegen 17 Uhr jeweils direkt am Klinikum und dem Vattenfall-Verwaltungsgebäude vorbei – "Abhol-Demo" nennen das die Organisatoren.

In der Cottbuser Lutherkirche hatten um 11:30 Uhr Gläubige mit einer Gedenkandacht und dem Friedensgebet der Opfer des Bombenangriffs gedacht. Durch den Bombenangriff am 15. Februar 1945 wurden weite Teile der Südstadt zerstört. Mehr als 1.000 Menschen kamen dabei ums Leben, weitere 13.000 Menschen wurden obdachlos.  

Menschenrechtszentrum erhielt Nagelkreuz

Erst vor rund zwei Monaten erhielt das Cottbuser Menschenrechtszentrum dieses Nagelkreuz und wurde damit für das Bemühen geehrt, die Wunden der Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Geschichte des Nagelkreuzes geht auf den Bombenangriff der deutschen Luftwaffe auf die englische Stadt Coventry zurück. Dabei wurden mehr als 500 Menschen getötet, große Teile der Innenstadt und die spätmittelalterliche Kathedrale wurden zerstört. Der damalige Dompropst ließ aus drei großen Zimmermannsnägeln des dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale einem Kreuz zusammensetzen. Es gilt seitdem als Zeichen der Versöhnung und des Friedens.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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