Linke Demonstranten haben eine Straße in Potsdam-Babelsberg mit einer Sitzblockade gesperrt. (Quelle: dpa)

Großeinsatz der Polizei in Potsdam - Pogida-Demo scheitert an Gegendemonstranten

Kein Durchkommen für Pogida: In Potsdam blockierten am Mittwochabend knapp 1.000 Gegendemonstranten eine Gruppe von etwa 70 Menschen, die gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes protestieren wollten. Zuvor war es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei war erneut mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Mehrere hundert Menschen haben am Mittwochabend eine Kundgebung der islamfeindlichen Pogida-Bewegung in Potsdam gestört und die Demonstranten zur Umkehr gezwungen. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur dpa blockierten etwa 600 der Gegendemonstranten die Straße in Potsdam-Babelsberg, so dass die Pogida-Teilnehmer kurz nach dem Start ihrer inzwischen sechsten Kundgebung wieder umkehren mussten. Polizeipräsident Hans Jürgen Mörke erklärte, die Straße sei nicht geräumt worden, weil auch Kinder an der Sitzblockade teilgenommen hätten.

Polizei war mit rund 1.000 Beamten im Einsatz

Aufseiten von Podiga, dem örtlichen Ableger des Pegida-Bündnisses aus Dresden, waren Schätzungen zufolge rund 70 Menschen vertreten. Um Ausschreitungen zu verhindern, hatte das Potsdamer Polizeipräsidium rund 1.000 Beamte aus mehreren Bundesländern zusammengezogen. Auch dieses Aufgebot konnte allerdings nicht verhindern, dass es bereits vor Beginn der Pogida-Demo zu gewaltsamen Ausschreitungen kam.

Dabei wurden Einsatzkräfte von Gegendemonstranten mit Flaschen und Böllern attackiert. Zudem sei versucht worden, Fahrer der Polizei und die Besatzung eines Hubschraubers zu blenden. Dabei sei eine Beamtin verletzt worden.

Den Angaben zufolge wurden bei mehreren Gegendemonstranten die  Personalien festgestellt. Ein Mann wurde wegen Beamtenbeleidigung in Gewahrsam genommen. Zudem wurden Strafverfahren gegen zwei Beschuldigte eingeleitet, von denen einer ein verbotenes Messer und der andere verbotene Quarzhandschuhe trug.

Schon Mitte Januar schwere Ausschreitungen

Bereits bei den ersten Kundgebungen von Pogida war es zu teilweise schwerer Randale gekommen. Anlässlich der ersten Demo Mitte Januar hatte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter von einer "neuen Dimension der Gewalt" gesprochen. Die Ausschreitungen seien die schwersten in Potsdam seit zehn Jahren gewesen, sagte der SPD-Politiker.

Demonstranten des "Bündnisses für Potsdam" protestieren an einer Straße in Potsdam-Babelsberg gegen Pogida. (Quelle: dpa)
Teilnehmer der Gegendemonstration am Mittwochabend in Potsdam

Mutmaßlich linke Gegendemonstranten hatten die Pegida-Sympathisanten mit Flaschen, Böllern und sogar Steinen beworfen. Beamte mussten die rechten Demonstranten abschirmen und setzten Pfefferspray ein. In sieben Fällen laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und schweren Landfriedensbruchs. Die folgenden vier Demonstrationen und Gegendemonstrationen waren weitgehend friedlich verlaufen.

Gegen den Organisator der Pogida-Kundgebungen, Christian Müller, wird inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Bei der dritten Veranstaltung Ende Januar soll Müller wegen der Asylpolitik der Bundesregierung "ein Nürnberg 2.0" gefordert haben, "wo die Volksverräter und Verbrecher wieder mal vorgeführt und abgeurteilt werden."

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