Christian Klar 2011 als Zeuge im Stuttgarter RAF-Prozess (Quelle: dpa)

Ex-RAF-Terrorist arbeitet für Abgeordneten - Christian Klar bekommt keinen Bundestags-Hausausweis

Wegen neunfachen Mordes saß Christian Klar 26 Jahre lang hinter Gittern, heute arbeitet er als Webmaster für den Linke-Abgeordneten Diether Dehm. Einen Hausausweis für den Bundestag soll der Ex-Terrorist nicht bekommen - Sicherheitsbedenken. Drin war er trotzdem schon.

Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar bekommt als Mitarbeiter eines Linke-Abgeordneten keinen Hausausweis für den Bundestag. Ein Parlamentssprecher begründete dies am Freitag mit Sicherheitsbedenken: "Bei uns handelt es sich um eine besondere Schutzzone mit besonders schutzbedürftigen Personen." Der Fall beschäftigte am Donnerstag bereits den Ältestenrat des Bundestags. Wie es hieß, wurde der Vorgang geprüft und an eine Mitarbeiterkommission weitergeleitet.

Zuvor war bekannt geworden, dass der wegen mehrfachen Mordes verurteilte Klar seit Jahren von dem Linke-Politiker Diether Dehm beschäftigt wird. Der 63-Jährige gestalte "für ein kleines Honorar" von seiner Berliner Wohnung aus den Internet-Auftritt Dehms, teilte der Abgeordnete mit. "Christian Klar ist heute ein Bürger wie jeder andere auch. Er hat seine Strafe verbüßt. Und er hat sich seit seiner Haftentlassung nichts zuschulden kommen lassen", betonte Dehm.

Dehm nahm Klar als Gast mit ins Gebäude

Die CSU sieht dies anders und nannte es einen Skandal, dass ein mehrfach verurteilter Mörder Zugang zum Bundestag bekommen solle. Dabei hat Klar das Bundestagsgebäude bereits mehrfach betreten: nach Dehms Darstellung zuletzt im Dezember, als er an einer Besprechung teilnehmen sollte. Nachdem ihm die Bundespolizei den Zugang zunächst verweigert hatte, habe er ihn persönlich an der Sicherheitskontrolle abgeholt und dann in den Bundestag gebracht. Als Abgeordneter hat man das Recht, persönliche Gäste mitzubringen.

Christian Klar und Adelheid Schulz 1978 auf einem BKA-Fahndungsplakat (Quelle: imago/ZUMA/Keystone)
Klar und Adelheid Schulz 1978 auf einem BKA-Fahndungsplakat

Verurteilung wegen neunfachen Mordes

Klar gehörte zur so genannten zweiten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF). Wegen neunfachen gemeinschaftlich begangenen Mordes und elffachen Mordversuchs saß er insgesamt 26 Jahre im Gefängnis. Zu seinen Opfern zählten Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto.

2008 kam Klar wieder frei. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er 2011 bei einem neuen RAF-Prozess wegen der Ermordung Bubacks. Dabei verweigerte er jede Auskunft über Mittäter.

Dehm stammt aus Frankfurt am Main und gilt als Paradiesvogel der Linken. Der Musikproduzent und Liedermacher schrieb unter anderem den Song "1000 und 1 Nacht" für Klaus Lage, zeitweilig war er Manager von Katarina Witt. Klar will er bereits in den 1970er Jahren kennengelernt haben - auf einer Friedensdemonstration.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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