Ein öffentlicher Kühlschrank steht am 22.10.2014 in einem Fahrradunterstand in der Malmöerstraße in Berlin. In der Hauptstadt gibt es bereits 21 der sogenannten Fairteiler. Dort können Lebensmittel wie Brot, Gemüse, oft aber auch Kühlware kostenlos abgeholt werden. Das Sammeln bei Supermärkten oder Bäckereien übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Initiativen Lebensmittelretten.de und Foodsharing.de. (Quelle: dpa)

Berlin prüft öffentliche Kühlschränke - Schluss mit fair geteilten Lebensmitteln?

Die Idee ist so simpel wie erfolgreich: In den etwa 25 öffentlichen Kühlschränken des Foodsharing-Netzwerks "Fairteiler", die es in Berlin gibt, warten aussortierte Lebensmittel auf Bedürftige. Weil die Berliner Behörden hygienische Bedenken haben, soll es jetzt Mindestanforderungen geben. Aus Sicht des Vereins sind die unmöglich einzuhalten.

Salat, Brokkoli, Möhren oder tütenweise Brötchen: Übrig gebliebene Lebensmittel sollen in öffentlichen Kühlschränken vor dem Wegwerfen gerettet werden. Die Aktivisten des Foodsharing-Netzwerks "Fairteiler" sammeln so vom Handel und von Privatpersonen aussortierte Lebensmittel und verteilen diese an Bedürftige oder an Sozialstationen.

Abgelegt werden darf in den sogenannten "Fairteilern" nur das, was man selbst auch noch essen würde. Nicht gestattet sind hygienisch riskante Lebensmittel wie Hackfleisch oder Rohmilchprodukte. Bedienen darf sich hier jeder, denn es geht in erster Linie darum, Lebensmittel zu retten, eine Bedürftigkeit muss dafür nicht nachgewiesen werden.

Doch damit könnte bald endgültig Schluss sein. Denn die Berliner Behörden wollen die Nutzer der öffentlichen Kühlschränke vor möglichen Gesundheitsgefahren schützen. Die Lebensmittelaufsichten der Bezirke haben sich deshalb kürzlich auf Mindestanforderungen für die sogenannten "Fairteiler" der Initiative Foodsharing geeinigt, sagte Berlins Staatssekretärin für Verbraucherschutz, Sabine Toepfer-Kataw (CDU). Als Grund wurden hygienische Bedenken genannt.

Berlin ist die erste Stadt in der es derlei Schwierigkeiten gibt

Ärger gab es zuletzt in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow: Lebensmittelaufsichten hätten bemängelt, dass teils keine Verantwortlichen benannt seien, erläutert Toepfer-Kataw. Fotos würden unhygienische Zustände in den Schränken dokumentieren. Einer der Verteilpunkte in Prenzlauer Berg wurde nach Einspruch der Bezirksbehörde bereits im Dezember aufgegeben. Stadtrat Torsten Kühne (CDU) sah die die Lebensmittelsicherheit in Gefahr.

Der Verein Foodsharing rechnet damit, dass die nun erlassenen Auflagen der Verbraucherschützer das Ende aller Kühlschränke in Berlin bedeuten. Berlin sei die erste Stadt, in der es derartige Schwierigkeiten gebe. "Wenn diese Maßnahmen durchgesetzt werden, sind die Dinger tot", sagte der Vorstand von Foodsharing, Frank Bowinkelmann. Die Auflagen gingen deutlich über bisherige Absprachen mit den Zuständigen hinaus.

Von 300 "Fairteilern" stehen etwa 25 in Berlin

Von den bundesweit etwa 300 "Fairteilern" stehen rund 25 in der Hauptstadt. Die Kühlschränke sollen dazu beitragen, dass Lebensmittel gespendet statt weggeworfen werden. 

Anforderungen an "Fair-Teiler"

  • der Betrieb ist gemäß Art. 6 der VO (EG) Nr. 852/2004 zwecks Registrierung bei der zuständigen Behörde zu melden

  • es ist eine verantwortliche Person zu benennen

  • der Raum, in dem der "Fair-Teiler" steht, ist als Betriebsraum zu betrachten; der „Fair-Teiler“ hat geschützt in Betriebsräumen zu stehen und muss sich unter ständiger Aufsicht einer ver-antwortlichen Person befinden (Schutz vor Manipulation der sich im "Fair-Teiler" befindenden Lebensmittel und Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit)

  • Lebensmittelspenden dürfen nur von der verantwortlichen Person entgegengenommen werden; sie müssen einwandfrei sein, einschließlich der Kennzeichnung der Lebensmittel

  • Fair-Teiler/Foodsharing darf in keinem Fall zu Lebensmitteln “zweiter Klasse” führen, Missbrauch/Ulk muss unterbunden werden (Salz statt Zucker, Manipulation von verpackten Lebensmitteln, Abgabe von gesundheitsschädlichen oder verdorbenen Lebensmitteln, Informationen z.B. zu Allergenen müssen gegeben werden können).

  • der Lebensmittel-Spender und das gespendete Lebensmittel werden in eine Liste eingetragen, um die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen

  • die verantwortliche Person prüft die Lebensmittel und stellt das/die Lebensmittel erst nach einer Prüfung in den "Fair-Teiler"

  • die Einhaltung der Lebensmittelhygiene durch betriebliche Eigenkontrolle (u.a. im Hinblick auf den hygienischen Zustand des Kühlschrankes oder der sonstigen Abgabeeinrichtung (leichte und einwandfreie Reinigungsfähigkeit; Reinigung und Desinfektion; einwandfreie Umhüllung mit für Lebensmittel geeigneten Materialien; Schadnagersicherheit; usw.).

    Außerdem soll gelten:

    Es dürfen keine Lebensmittelspenden von privaten Personen angenommen und in den Verkehr gebracht werden, die leicht verderblich sind noch selbst hergestellt wurden (z.B. Kartoffelsalat, Nudelsalat) noch in angebrochenen / geöffneten Verpackungen/Flaschen sind.

    Es dürfen keine Lebensmittelspenden von Firmen angenommen und in den Verkehr gebracht werden, die leicht verderblich sind (z.B. Sahne-Torten, Kuchen mit Füllung, Feinkost-Salate usw.), ohne dass die verantwortliche Person geprüft hat, dass diese Lebensmittel einwandfrei, d.h. „sicher“ sind und die Kühlkette nicht unterbrochen wurde.

    Quelle: Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz



Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.