Ausgebrannte Autos stehen in der Flottwellstraße in Berlin. (Quelle: dpa)

Rache "für jeden Angriff auf Projekte" - Neues Bekennerschreiben nach Randale am Gleisdreieck

Nach den Brandanschlägen auf dutzende Autos in Berlin ist im Internet ein zweites Bekennerschreiben aufgetaucht. Tatmotiv war demnach Vergeltung für "Angriffe" auf Hausprojekte in Berlin. Die Flottwellstraße habe man ausgewählt, um auf das Problem der Gentrifizierung aufmerksam zu machen. Weitere Aktionen schlossen die Autoren nicht aus.

Nach den Ausschreitungen am Wochenende nahe dem Park am Gleisdreieck in Berlin ist im Internet ein weiteres Bekennerschreiben aufgetaucht. Es wird über die Plattform "Indymedia" verbreitet. In dem Schreiben übernimmt ein sogenanntes "Kommando Klaus Jürgen Rattay" die Verantwortung dafür, dass in der Flottwellstraße zahlreiche Autos angezündet wurden. Die Polizei stufte das Schreiben am Montag als authentisch ein.

"Mit dem Verbrennen überflüssiger Luxusautos, der Zerstörung einer Überwachungskamera und dem Einwerfen der Schaufenster" habe man auf einen Aufruf autonomer Gruppen vom 21. Januar Bezug genommen, heißt es in dem Text.

Weitere Aktionen wie Brandanschläge auf Autos schlossen die anonymen Autoren nicht aus: Man unterstütze Aufrufe, "jeden Angriff auf Projekte in Berlin" mit einem Sachschaden von einer Million Euro zu vergelten, heißt es.

Verdrängung ärmerer Bewohner sollte verdeutlicht werden

Für die Angriffe seien gezielt Neubauprojekte in der Flottwellstraße in Berlin-Mitte ausgewählt worden, weil hier das Thema "Wohnraumverknappung für einkommensschwache Schichten" besonders deutlich werde. Die dortigen Bewohner "leben in Ihrer Eigentumsblase, welche letzte Nacht ansatzweise zerstört wurde", schreibt das "Kommando Klaus Jürgen Rattay". Klaus-Jürgen Rattay war ein Hausbesetzer, der 1981 in West-Berlin bei einer Räumung ums Leben kam.

Distanzierung von erstem Bekennerschreiben

Ein Bekennerschreiben vom Wochenende, das ebenfalls über "Indymedia" verbreitet wurde, bezeichnet das "Kommando" allerdings als "gefakt". Darin hatte sich "das 4. sozialdemokratische Volksfahrräderkommando 'Noske und Ebert'" zu den Taten in der Flottwellstraße bekannt. Man habe "Luxuskarren entglast und warm verschrottet". Die SPD müsse den Klassenkampf wieder auf die Straße tragen, so die Forderung.

Dieses Schreiben hatte auch die Polizei zunächst als nicht authentisch eingestuft, "weil eigentlich nur Medienwissen wiedergegeben wird", wie Polizeisprecher Stefan Redlich am Samstagabend dem rbb sagte.

"Neue Allianzen und Optionen"

In dem zweiten Schreiben distanzierten sich die Verfasser nun auch von den Taten in Neukölln, wo am Wochenende ebenfalls Autos angezündet worden waren. Bei der "abendlichen Sponti in Neukölln" gebe es andere Akteure.

Diese hätten allerdings "das selbe Ziel", schreibt das "Kommando". Da man bei der "Aggression gegen autonome Räume" nicht "überall gleichzeitig und zeitnah eingreifen" könne, werde man künftig auch "neue Allianzen und Optionen" nutzen.

Indirekt wird mit weiteren Taten gedroht, insbesondere wenn es um das alternative Wohnprojekt Friedelstraße 54 und den Szeneladen in der Manteuffelstraße 99 gehe. "Wer an der Repressionsschraube dreht, bohrt sie sich nur selbst ins eigene Fleisch", heißt es - "daran sollten diejenigen denken, die an einer Räumung der Friedel 54 und des M99 arbeiten".

Staatsschutz ermittelt

Polizeisprecher Stefan Redlich wies am Montag Vorwürfe zurück, die Polizei sei zu spät an den Einsatzorten gewesen: Jeweils wenige Minuten nach dem ersten Alarm seien Streifenwagen vor Ort eingetroffen, sagte Redlich. Dort seien Beweise gesichert worden, die auf DNA-Spuren untersucht würden. Darunter seien Steine, mit denen Scheiben von Autos zerstört worden seien. Auch Suchhunde seien eingesetzt worden, um Fluchtwege herauszufinden.

In der Nacht zum Samstag hatten Unbekannte am Gleisdreieck-Park 28 Autos beschädigt. Außerdem wurden Schaufenster eingeschlagen und Warnbaken abgebrannt. Vier Wagen standen in Flammen, 24 weitere Fahrzeuge wurden beschädigt. Die 20 bis 40 Täter waren maskiert und waren teils mit Fahrrädern zum Park gekommen.

In der Nacht zum Sonntag wurden dann in der Neuköllner Weserstraße rund 20 Autos demoliert. Wie die Polizei mitteilte, beobachteten Augenzeugen hier etwa 50 bis 100 Täter. Sie hätten sich mit Schals, Skimützen und Kapuzenpullis vermummt.

Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte am Sonntag, die Polizei ermittle auf Hochtouren, um die Täter zu ergreifen. "Wir werden dem linken Mob nicht die Straßen überlassen. Solche extremistischen Taten sind Gift für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft." Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz ermittelt.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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