Foodsharing kämpft um Erhalt öffentlicher Kühlschränke (Quelle: dpa)

15.000 Unterschriften bei Campact - Foodsharer kämpfen mit Petition für Kühlschränke

Öffentliche Kühlschränke, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, sind in Berlin zum Zankapfel geworden. Die Gesundheitsbehörden sehen Risiken. Ein Kühlschrank in Prenzlauer Berg musste schließen. Die Foodsharing-Aktivisten haben jetzt eine Online-Petition gestartet und innerhalb von zwei Tagen 15.000 Unterstützer gefunden.

Tue Gutes und rede drüber ist nicht immer erfolgreich. Die öffentlichen Kühlschränke der Initiative Foodsharing verteilen übrig gebliebene Lebensmittel an Bedürftige. Den Behörden, die für die Lebensmittelaufsicht zuständig sind, sind die Verteilstationen allerdings ein Dorn im Auge. Ihr Argument sind Gesundheitsrisiken.

Die Initiative Foodsharing wehrt sich nun gegen die Auflagen der Berliner Lebensmittelaufsicht mit einer Online-Petition auf der Plattform Campact. Wörtlich fordern sie "den Erhalt der foodsharing Fair-Teiler". Sie wollen die sofortige Rücknahme der vor einer Woche veröffentlichten Mindestanforderungen der Lebensmittelaufsicht. Für die Foodsharer ist diese Entscheidung "unter grober Missachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips" getroffen worden. Speziell kritisieren sie die Einordnung der "privaten Übergabeorte als Lebensmittelbetriebe" durch die Berliner Lebensmittelaufsicht.   

Unterzeichner argumentieren mit Hunger-Erfahrungen

Wie die Foodsharer weiter in der Petition schreiben, zwingen die Auflagen sie dazu, öffentlich zugängliche Kühlschränke zu schließen. Das würde ihr ehrenamtliches Engagement diskreditieren, genauso "wie die erklärte Absicht der Bundesregierung, die Lebensmittelverschwendung deutlich zu reduzieren".

Sie fordern die Behörden stattdessen auf, einen gemeinsamen Leitfaden für Lebensmittelsicherheit zu erarbeiteten, der das Weitergeben von Nahrung nicht behindere. Bis zum Sonntagmittag hatten bereits 15.000 Unterstützer unterschrieben. Die Unterzeichner argumentieren mit eigenen Erfahrungen. So schreibt eine Frau, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden dürfen. Sie selbst hätte "Zeiten erlebt, in denen es nicht genug zu Essen gab." Ein anderer appelliert daran, die Kühlschränke fürs gemeinsame Kochen zu nutzen. Dies tue "allen und der Umwelt gut! In diesem Sinne 'Haut rein' und 'Mahlzeit mitenand'".

Die Initiative Foodsharing hat auch zum E-Mail-Protest wurde aufgerufen: In einem Schreiben, das Unterstützer an Behördenvertreter schicken können, wird ein "drastisches", in Deutschland einmaliges Vorgehen angeprangert. Durch "Fairteiler" soll erreicht werden, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. In den öffentlich zugänglichen Kühlschränken können nicht mehr benötigte Produkte aus Privathaushalten aufbewahrt werden ebenso wie Ausschussware von Bäckereien oder Supermärkten. Wer sie gebrauchen kann, greift einfach zu. Von den bundesweit etwa 300 "Fairteilern" stehen 25 in Berlin.

Kontrolleure fanden unhygienische Zustände

Berliner Behörden hatten an die "Fair-Teiler" Anforderungen gestellt, um Nutzer vor möglichen Gesundheitsgefahren zu schützen. Kontrolleure hatten den Angaben zufolge unhygienische Zustände vorgefunden: unverpacktes Brot oder aufgerissene Sprossen-Packungen etwa. Sollten die Bezirke durchgreifen, wird das Aus für die Schränke befürchtet. Die Aufsteller würden dann als Lebensmittelunternehmer gesehen und müssten etwa über die Herkunft der Spenden Buch führen. Einige Kühlschränke, allen voran an öffentlichen Plätzen, sind bereits geschlossen.

Frank Bowinkelmann von Foodsharing sagte, dass man von dem Beschluss der Lebensmittelaufsichten nur durch die Medien erfahren habe. Auch nach mehr als einer Woche habe man nichts Schriftliches in der Hand und stehe damit "im luftleeren Raum", sagte er weiter. Um den privaten Charakter der Kühlschränke zu unterstreichen, überlege man, die "Fairteiler" mit Zahlenschlössern auszustatten und sie auf privatem Grund unterzubringen. Auch mit Politikern wolle man sprechen.

Foodsharing hat das Containern überflüssig gemacht

Torsten Kühne (CDU), Stadtrat in Pankow, zeigte sich in einem Interview mit dem "Deutschlandradio" auch wegen angeblichen Rattenbefalls alarmiert. Er sei in der Vergangenheit per Brief über Durchfallerkrankungen informiert worden, ausgelöst durch "Fairteiler"-Lebensmittel.

Bewiesen ist das nicht, Foodsharing und die Senatsverwaltung für Verbraucherschutzverwaltung haben von solchen Fällen keine Kenntnis. Foodsharing habe das riskantere Containern überflüssig gemacht, betont Bowinkelmann. Dabei klettern Menschen, meist aus Überzeugung und weniger aus finanziellen Gründen, zum Beispiel nachts über Zäune, um aus den Mülltonnen von Supermärkten noch Verzehrbares zu retten. 

 

Das könnte Sie auch interessieren

Ein öffentlicher Kühlschrank steht am 22.10.2014 in einem Fahrradunterstand in der Malmöerstraße in Berlin. In der Hauptstadt gibt es bereits 21 der sogenannten Fairteiler. Dort können Lebensmittel wie Brot, Gemüse, oft aber auch Kühlware kostenlos abgeholt werden. Das Sammeln bei Supermärkten oder Bäckereien übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Initiativen Lebensmittelretten.de und Foodsharing.de. (Quelle: dpa)

Pankow will Foodsharing-Kühlschränke abschaffen - Behördenärger für die Essensretter

Viele Lebensmittel erreichen gar nicht erst die Verbraucher. Oft nur kleine Mängel sorgen dafür, dass sie weggeworfen werden. Die Lebensmittelretter des Foodsharing-Netzwerkes sammeln nichtverdorbenes Essen und verteilen es an Bedürftige. Allerdings sieht Pankows Stadtrat Torsten Kühne (CDU) hier die Lebensmittelsicherheit in Gefahr. Ein Vereilpunkt musste bereits schließen. Ein Treffen zwischen den Aktivisten und Bezirksvertretern soll für Klarheit sorgen.