Der Schriftzug "Technische Universität Berlin" ist in Berlin an der TU zu sehen. (Quelle: Daniel Naupold/dpa)

"Religion und Staat müssen getrennt werden" - TU Berlin bietet keine Gebetsräume mehr an

Die Technische Universität in Berlin stellt muslimischen Studenten zum Beten künftig keine Räume mehr zur Verfügung. Ein Gebetsraum wird ab Mitte März geschlossen, auch in der Turnhalle soll es kein Freitagsgebet mehr geben. Dagegen formiert sich Widerstand.

Die bisher von muslimischen Studierenden genutzten Gebetsräume an der Technischen Universität werden geschlossen. Vom 14. März an stehen demnach ein muslimischer Gebetsraum und eine Turnhalle für ein wöchentliches Freitagsgebet nicht mehr zur Verfügung. "Ich bin fest davon überzeugt, dass Religion und Staat an einer staatlichen Hochschule getrennt werden müssen", begründet TU-Präsident Christian Thomsen am Freitag diesen Schritt.

Präsident der TU Christian Thomsen
Leitet die TU Berlin seit zwei Jahren: Christian Thomsen

Bereits vor zwei Wochen hatte die Universität angekündigt, den Gebtetsraum im TU-Hauptgebäude und die Sporthalle, die bislang von einigen muslimischen Studenten für das Freitagsgebet belegt wurde, nur noch für universitäre Zwecke nutzen zu wollen. "In der Halle werden nun sicherlich auch jeden Freitagnachmittag Sportveranstaltungen stattfinden. Für was genau der Gebetsraum genutzt werden wird, dafür gibt es noch keine konkreten Pläne", sagte TU Berlin-Sprecherin Stefanie Terp rbb online.

Muslimische Studenten sollen auf Moscheen in der Nähe ausweichen

Laut Universität ist der einzige Grund für die neue Raumnutzung die Trennung der staatlichen Einrichtung von Kirche und Religion. "Wir als staatliche Universität wollen keine Räume für die Ausübung von Religion mehr bieten", sagte Terp am Freitag. Dazu zählten Gottesdienste oder Messen, wo jemand predigt - und eben auch die Freitagsgebete.

Außerdem gebe es nahe gelegene Gebetshäuser, auf die muslimische Studenten heute ausweichen könnten. Laut TU-Präsident Thomsen wurden die Gebetsräume an seiner Uni vor vielen Jahren eingerichtet, als es in Berlin noch nicht so viele Moscheen gegeben habe wie heute.

Der Entscheidung der TU Berlin sind laut Sprecherin Terp mehrere Gespräche in den letzten Monaten vorausgegangen. So habe sich TU-Präsident Thomsen, der Anfang Januar 2014 in das Amt gewählt wurde, im vergangenen Jahr mit zahlreichen Mitgliedern der TU wie dem Dekan oder der Studierendenvertretung (Asta), externen Gruppe sowie Integrationsbeauftragten getroffen, um das Thema zu diskutieren. Im Januar diesen Jahres habe schließlich das Präsidium den Beschluss gefasst, die Räume nicht mehr zur Religionsausübung bereitstellen zu wollen, so Terp.

Studentische Vereine protestieren gegen Schließung

Laut TU Berlin wurde frühzeitig das Gespräch mit den Organisatoren des Freitagsgebetes gesucht. Trotzdem regt sich Protest an der Entscheidung. Wie Sprecherin Terp auf Anfrage von rbb online weiter berichtet, haben vier studentische Vereine Unterschriften für den Erhalt des Freitagsgebets in der Turnhalle gesammelt. Vor drei Tagen sei eine Petition bei der Unileitung mit rund 500 Unterschriften eingetroffen sowie ein Brief an Uni-Präsident Thomsen. Für kommenden Donnerstag ist nun ein klärendes Gespräch geplant.

Die beiden anderen großen Berliner Unis haben keine Gebetsräume. "Wir haben aber Ruheräume, in die sich die Studenten zurückziehen können", erklärte ein Sprecher der Humboldt-Universität (HU). Dort können sie ihm zufolge auch beten. "Wir haben nicht vor diese Räume zu schließen."

In jüngster Vergangenheit haben diese "Räume der Stille" in anderen Universitätsstädten immer wieder für Ärger gesorgt. Zuletzt schlossen die Universität Essen und die TU Dortmund ihre Gebetsräume. In Dortmund hatten muslimische Studierende den eigentlich als einen konfessionsneutral ausgelegten Raum umfunktioniert: Sie legten Gebetsteppiche aus und versuchten Frauen und Männer durch eine aufgestellte Wand zu trennen. Andere Studenten hatten sich daraufhin beschwert. Die Dortmunder Universität ließ den Rückzugsraum daraufhin Anfang Februar schließen.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel (Quelle: dpa/Oliver Mehlis)

"Verwahrvollzug mit Internet" - Streit um Stellenabbau in der Brandenburger Justiz

Es ist ein Kleinkrieg, den sich die rot-rote Landesregierung und die CDU zum Strafvollzug in Brandenburg liefern. Zuletzt stellte die Union eine Große Anfrage mit 369 Einzelfragen - die Beantwortung dauerte acht Monate. Nun steht neuer Ärger an: Dabei geht es um die von Rot-Rot geplanten Stellenstreichungen in den Brandenburger Gefängnissen.