Innenansicht von Verkehrslenkung und Verkehrsregelungszentrale Berlin. (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel )
Audio: rbb Landespolitik | 24.02.16 | Thorsten Gabriel

Verkehrslenkung unter neuer Leitung - Amtliche Beschleunigung

Wer auf der Straße bauen will, braucht eine amtliche Genehmigung. Doch genau das war in den vergangenen Jahren in Berlin ein Problem. Oft konnte Geld für dringende Straßenbauprojekte nicht ausgegeben werden, weil die Erlaubnis auf sich warten ließ. Peter Hecktor steht der Behörde nun seit einigen Montaten vor  - und drückt auf's Gas. Von Thorsten Gabriel

In der Regelungszentrale der Berliner Verkehrslenkung rauschen die Rechner leise vor sich. Sie sind das technische Rückgrat, über das die große Monitorwand betrieben wird. Über sie laufen die Live-Bilder von rund 350 Kameras, die überall in der Stadt den Verkehr beobachten. Und mittendrin steht Peter Hecktor, der Behördenleiter und hat einen Traum:  "Das Schönste wäre, wenn wir aus der Presse ganz verschwinden würden."

Wir, damit meint er sich und seine rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörde, von denen die meisten allerdings nicht die Monitore beobachten und Staus an Radiosender und amtliche Stellen weitermelden, sondern an Schreibtischen sitzen. Sie müssen einen gigantischen Aktenberg abarbeiten.

Kritik aus der Politik und von der Baubranche

Noch immer steht die Behörde in der Kritik von Politik und Baubranche, denn auch ein Vierteljahr nach Hecktors Amtsantritt gibt es noch immer einen deutlichen Bearbeitungsrückstau.

Doch Hecktor verteidigt die Arbeit seiner Behörde: "So einen Betrieb umzubauen und sich dort hineinzudenken, braucht seine Zeit." Und er verweist darauf, dass sich die Situation bereits verbessert habe: "Wir haben im letzten Jahr zirka 2.000 Baustellenanordnungen getroffen. Derzeit liegen noch etwa 380 auf Eis, aber auch dort sind wir dabei, das abzubauen."

Doch Hecktor erinnert auch daran, dass schnellere Genehmigungen auch für Ärger in den Bezirken sorgen wird, denn schließlichen steige dann auch die Zahl der Baustellen in der Stadt: "Ich glaube, es ist ein Grundproblem dieser Stadt, Baustellen zu akzeptieren. Baustellen müssen akzeptiert werden, wenn wir diese Stadt weiter voranbringen wollen."

Dass es trotz zusätzlichen Personals immer noch einen Aktenrückstau gibt, führt der VLB-Chef auch darauf zurück, dass es häufig nicht nur schlichte Baustellen sind, die eingerichtet werden wollen: "Durch die Vielzahl von Baustellen wird eine Anordnung insgesamt immer komplexer und komplizierter. Sie müssen auch den Betrieb der verschiedenen Baustellen aufeinander abstimmen."

Der VLB Chef Peter Hecktor (Quelle: rbb/Thorsten Gabriel)
Seit rund 100 Tagen Chef der Berliner Verkehrslenkung: Peter Hecktor

Weiter Skepsis, aber auch vorsichtige Zuversicht

Der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Harald Moritz, macht allerdings auch auf weniger komplexe Probleme aufmerksam: "Zum Beispiel ein Fall, wo ein einfaches Verkehrszeichen über ein Jahr lang nicht angeordnet worden ist: Das sind Sachen, da kann man immer nur mit dem Kopf schütteln."

Die zusätzlich bewilligten Stellen für die Verkehrslenkung lassen den CDU-Abgeordneten Oliver Friederici allerdings hoffen, dass es bald spürbar voran geht. Nun müssten die großen Bauprojekte angegangen werden, erklärte er: "Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man noch sehr viele Schlaglöcher und ganze Flächen und Straßen, die dringend gemacht werden müssen."

Der Behördenleiter Hecktor allerdings bittet vorerst noch um Geduld, denn auch wenn zusätzliche Stellen bewilligt seien, heiße das noch nicht, dass das qualifzierte Personal sofort bereit steht. Und darum werde seine Behörde wohl vorerst weiterhin Gesprächsthema bleiben.

Kameras, Monitorwände und Aktenberge

Beitrag von Thorsten Gabriel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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