Rettungskräfte stehen auf einer Landstraße neben einem Unfallfahrzeu (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 22.02.2016 | Hanno Christ

Bei Ortsdurchfahrten knallt es besonders oft - Erheblich mehr Verkehrstote in Brandenburg

In Brandenburg sterben immer mehr Menschen bei Verkehrsunfällen. Hauptursache sind überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer und die Missachtung von Vorfahrtsregeln. Besonders stark ist die Zunahme von Unfällen bei Ortsdurchfahrten. Die sollen jetzt sicherer gemacht werden, sagt die Verkehrsministerin Schneider.   

Auf Brandenburgs Straßen und Autobahnen sind im vergangenen Jahr 179 Personen bei Unfällen getötet worden. Das sind 40 mehr als im Jahr 2014, teilte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Montag in Potsdam mit. Auf eine Million Einwohner kamen im vergangenen Jahr in Brandenburg 73 Verkehrstote, es ist der höchste Wert aller Bundesländer.

Vor allem die Zahlen im zweiten Halbjahr hätten sie überrascht, sagte die Ministerin im rbb. Im ersten Halbjahr hätten sie nämlich noch 25 Prozent unter den Vorjahreswerten gelegen.

Die meisten der 80.700 Unfälle ereigneten sich innerhalb von Ortschaften. Während die Zahl der getöteten Fahrradfahrer gesunken ist, stieg die Zahl der im Straßenverkehr ums Leben gekommenen Senioren von 38 im Jahr 2014 auf 47 im vergangenen Jahr.

Schneider sagte, Hauptursache für tödliche Unfälle sei vor allem überhöhte Geschwindigkeit, aber auch Alkohol am Steuer und die das Missachten der Vorfahrtregelung. Die Linke-Fraktion im Brandenburger Landtag bezeichnete die Unfallstatistik als "alarmierend". Es müssten bessere und wirksame Maßnahmen im Bereich der Prävention umgesetzt werden, sagte die verkehrspolitische Sprecherin, Anita Tack. "Beispielsweise muss angesichts der steigenden Tendenz bei der  Unfallursache Alkohol endlich gesetzlich verankert werden: 0,0 Promille und keine Drogen am Steuer!", forderte Tack.

Tödliche Unfälle oft an denselben Stellen

2015 hatte es nach Angaben des Polizeipräsidenten Hans-Jürgen Mörke den höchsten Stand an Radarmessungen seit Jahren in Brandenburg gegeben. Angesichts dessen frage sie sich schon, was man noch tun könne, sagte die Ministerin Schneider: "Die Regeln sind da, und müssen eingehalten werden", betonte sie im Interview. Dennoch will sich das Ministerium noch einmal verstärkt mit den Ursachen beschäftigen.

Auffallend sei, dass die Unfälle mit tödlichem Ausgang häufig an denselben Stellen stattfänden. Es solle daher vermehrt in die Verkehrssicherheit investiert werden. Schneider sagte, ihr gehe es besonders um Ortsdurchfahrten, denn auch innerhalb der Orte habe die Zahl an Unfällen um 25 Prozent zugenommen. "Wir müssen Verkehrsteilnehmer nicht nur als Autofahrer ansprechen, sondern auch als Radfahrer und Fußgänger", sagte Schneider.

Wenn Ortsdurchfahrten ausgebaut werden, was das Brandenburger Infrastrukturministerium nun verstärkt tun wolle, dann werden Schneider zufolge in der Regel auch in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden die Geh- und Radwege neu gemacht. Damit würden die Straßen insgesamt sicherer, so Schneider.

Leitfaden für Senioren im Straßenverkehr

Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von jungen Menschen ist nach den jetzt veröffentlichten Zahlen zurückgegangen. Darüber freue sie sich besonders, sagte Schneider, weil es ihr zeige, dass die Verkehrssicherheitskampagne etwas gebracht habe. Auch das "begleitete Fahren mit 17" habe sehr gute Ergebnisse gebracht. Allerdings gebe es bei den Senioren noch einiges zu tun. "Wir haben im vergangenen Jahr einen Leitfaden verabschiedet", sagte die Ministerin. Den versuche das Ministerium nun zu verbreiten.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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