Drei Polizisten sprechen mit einer Frau in der Rigaer Straße. (Quelle: imago/Olaf Wagner)

Polizeieinsatz in Berlin-Friedrichshain - Wieder Tumulte in der Rigaer Straße

Die Rigaer Straße kommt nicht zur Ruhe: Die Polizei rückte nach einer Schlägerei in einem Szenelokal an, dessen Gäste sich daraufhin verbarrikadierten. Nach stundenlanger Belagerung drangen die Beamten in das Lokal ein. Jetzt sieht sich die Polizei darin bestätigt, die Gegend unter scharfer Beobachtung zu behalten.

Eine Schlägerei hat am Wochenende erneut einen Einsatz der Polizei in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain ausgelöst. Ein durch "rechtsmotivierte Straftaten" polizeibekannter Mann sei in der Nacht zu Sonntag in einer linken Szenekneipe geschlagen und schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. 

Als die alarmierten Beamten eintrafen, sei die Kneipe von innen verriegelt worden. Ein Richter habe daraufhin einen Durchsuchungsbeschluss erlassen, und die Polizei sei gewaltsam in die Kneipe eingedrungen. Die Rigaer Straße wurde vorübergehend abgesperrt. Laut Polizeibericht wurden bei den Auseinandersetzungen 15 Beamte verletzt und mehrere Personen festgenommen.

Bei dem zusammengeschlagenen Opfer bestand den Angaben zufolge der Verdacht auf einen Schädelbruch. Dennoch habe der Verletzte das Krankenhaus noch in der Nacht wieder verlassen.

Polizei musste gewaltsam in das Lokal eindringen

Dem Bericht der Polizei zufolge dauerte der Einsatz rund fünf Stunden. Wenige Minuten nach dem Eintreffen der Beamten und dem Versuch, die Gäste des Lokals zu kontrollieren, hätten sich vor dem Lokal rund 150 Personen versammelt, die gegen den Einsatz protestierten und einige Beamte angriffen.

Nach Mitteilung der Polizei mussten die Rollladen des Lokals aufgebrochen werden, die Fenster entfernt und Barrikaden im Lokal beseitigt werden, um die Personen am Tatort zu kontrollieren. "Es wurden diverse Strafanzeigen gefertigt, unter anderem gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und versuchte Gefangenenbefreiung", heißt es in der schriftlichen Mitteilung.

In Reaktion auf den Einsatz veröffentlichten die Betreiber der Internetseite "linksunten.indymedia.org" eine Stellungnahme zu dem Einsatz. Sie sprechen hier von Angriffen der "Bullen der 14. und 36. Ehu [Einsatzhundertschaft, d.Red.]", von "massiver Anwendung von Pfefferspray" und  von "einer Ausübung von roher Gewalt“. Allerdings bleibt hier der Anlass für die Kontrollen unerwähnt, also die Verletzung und die Anzeige des 28-Jährigen und die Verweigerung der Kontrollen durch die Polizei und die Verbarrikadierung des Restaurants.

Die Polizei teilte am Montag dem rbb mit, dass sie nun weiter ihre verstärkten Kontrollen im Viertel rund um die Rigaer Straße fortsetzen werde. Die Lage hier sei einmalig in der Stadt. An keinem anderen Ort Berlins gebe es so viele Angriffe auf Beamte.

Polizei: Keine normale Tatortarbeit möglich

"Die Tatortarbeit hätte normalerweise – wie an jedem anderen Ort der Stadt - nach 25 Minuten vorbei sein können. Mit Nachkontrollen dauerte der Einsatz aber nahezu fünf Stunden", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich dem rbb. In der Rigaer Straße sei es nun offenbar die Regel, dass hier versucht werde, der Polizei den Zugang zu verwehren. "Die Angriffe auf die Polizei zielen dort darauf, dass wir uns zurückziehen", erklärte Redlich.

Im Januar Polizei-Razzia mit 500 Beamten

Zuletzt hatten bei Polizeieinsätzen im Januar bis zu 500 Beamte Gebäude der linken Szene in der Rigaer Straße durchsucht. Innensenator Henkel hatte das mit wiederholten Angriffen auf Polizeibeamte begründet. Die Opposition im Abgeordnetenhaus kritisierte den Einsatz als überzogen.  

Das Wohnprojekt in der Rigaer Straße 94 gilt laut Berliner Verfassungsschutz als "wichtigste Institution der Berliner Anarcho-Szene". Nach Angaben ihres Sprechers Stefan Redlich hat die Berliner Polizei in den letzten zwei Monaten mehr als 1200 Menschen überprüft.

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