Altbau mit ausgebautem Dachgeschoss in Berlin-Wilmersdorf (Quelle: imago/Schöning)
Video: Abendschau | 15.03.2016 | Heike Boldt-Schüler

50.000 Wohnungen auf Berliner Dächern möglich - Mehr bezahlbaren Wohnraum durch Wachstum nach oben?

Berlin hat 2015 doppelt so viele Dachgeschoss-Ausbauten genehmigt wie im Vorjahr. Auch wenn Senator Geisel warnt, der dringend gebrauchte bezahlbare Wohnraum könne so nicht gewonnen werden, sehen sowohl er als auch eine aktuelle Studie im systematischen Ausbau der Dachgeschosse dennoch eine Chance für die Stadt.

Aufgrund der wachsenden Nachfrage werden in Berlin mehr neue Wohnungen geplant. Im vergangenen Jahr genehmigten die Ämter den Bau von 22.365 Wohnungen, das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Verstärkt werden auch Dachgeschosse ausgebaut. 2015 entstanden 4.430 Dachgeschosswohnungen – das ist gut die Hälfte mehr als im Vorjahr.

Schon im Dezember hatte Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) von einem Potenzial von etwa 50.000 Wohnungen gesprochen, die in der Hauptstadt durch den vermehrten Dachgeschoss-Ausbau zusätzlich gewonnen werden könnten. Finanziell fördern wolle Berlin den Ausbau von Dachgeschossen aber nicht.

Jetzt bekräftigt er im rbb nochmals: "Das ist eine Reserve, die wir durchaus heben wollen. Wir haben uns als Zielstellung gesetzt, etwa 1.000 Wohnungen pro Jahr zu heben." Doch er warnt erneut davor, dass Dachgeschosse kein preiswerter Wohnraum seien, auch wenn nicht alle Berliner arm seien. "Auch ein Dachgeschoss-Ausbau bringt Entlastung – aber das was wir in Berlin brauchen, mehr bezahlbaren Wohnraum, erreichen wir nicht in den Dachgeschossen", so Stadtentwicklungssenator Geisel weiter.

Dachgeschoss-Ausbau als Chance

Die aktuelle Studie "Wohnraumpotentiale durch Aufstockungen" der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts für Systemforschung in Hannover hat untersucht, ob und wie sich die Aufstockung von Mehrfamilienhäusern der Bauperioden 1950 bis 1989 lohnt. Untersucht wurde, ob die Aufstockung ein Weg aus der Wohnungskrise sein kann. Neben den Städten  Bochum, Darmstadt und Norderstedt wurde auch Berlin genauer unter die Lupe genommen. Denn in Ostdeutschland, so die Studie, befinden sich die größten Potentiale an aufstockbaren Gebäuden in Berlin.

Ihr Ergebnis: Deutschland kann gerade in Großstädten enorme Wohnraumreserven mobilisieren, wenn Dachgeschosse systematisch ausgebaut werden.

Ergebnisse der Studie

  • Vorteile erkennen die Forscher unter anderem in der Vermeidung von Flächenverbrauch, auch wird der Energiebedarf reduziert, da bereits beheizter Wohnraum überbaut wird.

  • Weiterhin wird auf die Wirtschaftlichkeit von Aufstockungen verwiesen, weil die betroffenen Grundstücke bereits gekauft und einschließlich der Außenanlagen erschlossen seien und über eine funktionierende Infrastruktur verfügten. Auch wird durch die durch Zuzug erreichte höhere Einwohnerzahl in einem Quartier neue Ansiedlungen von Dienstleistungsangeboten nach sich ziehen, was die Attraktivität einer Wohngegend verbessere. Durch die neue Mieterschaft werde außerdem mehr soziale Durchmischung hergestellt.

  • Rechtlich seien vor allem die Anforderungen an den Brandschutz zu beachten, da die Gebäudeklasse eventuell gewechselt werden müsse. Etwaige Stellplatzanforderungen für Fahrzeuge erklärte die Studie als nicht mehr zeitgemäß und erklärte, diese sollten am besten flexibler gehandhabt werden. Gleichzeitig empfahlen die Studienmacher, quartiersbezogene Mobilitätskonzepte zu entwickeln für die betroffenen Quartiere.

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