Oberst Peter Arendt (Quelle: rbb/Michel Nowak)
Video: Brandenburg aktuell | 22.03.2016 | Michel Nowak

Oberster Soldat Brandenburgs Peter Arendt geht in den Ruhestand - "Ich gehe jetzt mit Wehmut"

Oberst Peter Arendt war fast sechs Jahre Befehlshaber des Landekommandos Brandenburg. Nach über 40 Jahren in der Bundeswehr wird der 62-Jährige am Dienstag auf dem Potsdamer Krongut Bornstedt in den Ruhestand verabschiedet. Leicht fällt ihm der Abschied nicht. Von Michel Nowak

Sein Büro in der Potsdamer Havelland-Kaserne will Peter Arendt bis Ende März räumen. "Ich war jetzt fast Jahre hier", sagt er in einer der letzten Stunden an seinem Dienst-Schreibtisch, "das ist inzwischen mein Zuhause. Für einen Soldaten ist es doch sehr selten, dass er so lange in einer Verwendung bleibt."

Das Landeskommando Brandenburg (Quelle: rbb/ Michel Nowak)
Das Landeskommando Brandenburg

Insgesamt 19 verschiedene Dienstposten kommen bei Peter Arendt zusammen, seitdem er 1974 als Offiziersanwärter in das Sanitätsbataillon in Leer/Ostfriesland einberufen wurde. Was interessierte ihn überhaupt an der Laufbahn eines Berufssoldaten? Diese Frage hat sich der gebürtige Bochumer selbst häufiger gestellt – und auch eine Antwort gefunden. "Ich fand es toll, dass ich als Offizier mitbestimmen kann", so Peter Arendt, "und seitdem ich Kommandeur bin, gucken mich nach einer langen Diskussion sowieso alle an."

Dauerthema: Flüchtlingskrise

Dabei pflegt Peter Arendt alles andere als den militärischen Umgangston eines preußischen Offiziers. "Das ist nicht mein Stil", sagt er, "und als Landeskommandeur habe ich sowieso sehr viele zivile Anknüpfungspunkte." 

Seit dem vergangenen August unterstützt die Bundeswehr die Brandenburger Aufnahmestellen. Die im Land ankommenden Flüchtlinge gehörten regelmäßig zu den Themen bei den nahezu täglichen Besprechungen seines Stabs zu den Tagesordnungspunkten. In diesem Sommer wollen die Soldaten ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe allerdings beenden. Die Zahl der Aufgaben sei auch so enorm groß, sagt der scheidende Chef.

Zu den Höhepunkten seiner Dienstzeit zählt er die Afghanistan-Besuche deutscher Soldaten mit dem Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. Und die Hochwasser-Einsätze, zuletzt im Jahr 2013 an der Elbe. Zu seinem mehr als 40-jährigen Berufsleben gehören auch Tiefpunkte: "In meiner Zeit als Bataillonskommandeur gab es bei einer Übung einen Verkehrsunfall", erzählt er, "ein Soldat wurde von der Landefläche geschleudert und starb. Die Umstände, dieses Erleben - so etwas wünscht man keinem."

"Wer Menschen führen will, muss sie mögen"

Peter Arendt ist ein Fragensteller und Zuhörer. Einer, der professionelles Arbeiten für höchst wichtig erachtet und einer, der sich für das Wohl seiner Kollegen einsetzt. "Wer Menschen führen will, muss sie mögen", lautet die Grundüberzeugung des Kleinmachnowers, "ich habe es nie als Problem empfunden, mit Soldaten ins Gespräch zu kommen – ganz unabhängig vom Dienstgrad."

Der Oberst, der vor mehr als 30 Jahren sein Pädagogikstudium an der Bundeswehr-Universität Hamburg abschloss, setzt sich vehement für die Bundeswehr als attraktiven Arbeitgeber ein. Den neu eröffneten Betreuungspunkt in der Geltower Henning-von-Tresckow-Kaserne betrachtet Peter Arendt als Erfolg. "Drei erfahrene Reservisten aus Potsdam helfen dort abwechselnd Soldaten bei Fragen bezüglich Familiennachzug, Kinderbetreuung und allen möglichen anderen Dingen", sagt der scheidende Landeskommandeur, "dass dies geklappt hat, darauf bin ich stolz."

Oberst Peter Arendt (l.) und übergibt das Landeskommando an seinen Nachfolger Oberst Olaf Detlefsen (Quelle: rbb/Michel Nowak)
Peter Arendt mit seinem Nachfolger Olaf Detlefsen (re.)

Das Landeskommando, dessen Befehlshaber Arendt in den zurückliegenden Jahren war, ist Verbindungsglied zwischen Bundeswehr und Bundesland. Die Soldaten sollen Ansprechpartner und Helfer im Katastrophenfall für Brandenburg sein. Heimat ist dieses Land Brandenburg für Oberst Peter Arendt längst geworden. "Ich wohne mit meiner Frau sehr gerne in Kleinmachnow und das soll auch so bleiben" sagt der Vater einer erwachsenen Tochter, "uns ist Brandenburg ans Herz gewachsen. Wir haben hier viele Freunde gefunden." Seine Lieblingsregion sei übrigens ganz klar die Prignitz. Regelmäßig nahm er selbst mit dem Fahrrad an der "Tour de Prignitz" teil.

"Ich gehe jetzt mit Wehmut"

In den vergangenen Wochen hat Peter Arendt seinen Nachfolger eingearbeitet. Olaf Detlefsen ist Luftwaffen-Offizier und weiß durchaus, dass er im Brandenburger Landeskommando in große Fußstapfen tritt. So richtig präsent ist seinem Vorgänger der Abschied indes noch gar nicht. Bis zuletzt nahm er zahlreiche Termine wahr. "Kein Tag war wie der andere", sagt Peter Arendt über seine Zeit in der Havellandkaserne. Er traf sich mit Politikern, Wirtschaftsvertretern und vor allem immer wieder auch Soldaten im gesamten Bundesland.

Es ist dieser Umgang mit seinen Kollegen, der ihm wohl fehlen wird. Das wusste Peter Arendt schon, bevor das Abschied nehmen begann: "Meine Frau hat manchmal gesagt: Du verbringst gerade wieder mehr Zeit mit deinen Soldaten als mit mir. Da hat sie Recht gehabt. Aber der Soldatenberuf war für mich auch immer Berufung. Ich gehe jetzt mit Wehmut."

Beitrag von Michel Nowak

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