Kantinenessen in Warmhalte-Behältern (Bild: colourbox.com)

CDU-Vorschlag in Schleswig-Holstein - Spott über #Schweinefleischpflicht in öffentlichen Kantinen

Die CDU in Schleswig-Holstein glaubt, dass immer mehr öffentliche Kantinen Schweinefleisch von ihren Speisekarten verbannen - aus religiöser Rücksichtnahme. Deshalb kämpft sie nun im Kieler Parlament für das "Kulturgut" Schweinefleisch. Die Kritik an der "Schweinefleischpflicht" und die Häme im Netz ließen nicht lange auf sich warten.  

Mit einem Vorstoß zur Gewährleistung eines Schweinefleisch-Angebots in öffentlichen Kantinen hat die CDU in Schleswig-Holstein für Aufsehen gesorgt. "Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt", heißt es in einem Antrag der Fraktion für die Landtagssitzung in der nächsten Woche, wie die "Lübecker Nachrichten" vorab berichteten.

Der CDU-Vorschlag hat parteiübergreifend Kopfschütteln ausgelöst. SPD, Grüne und FDP lehnten eine mögliche "Schweinefleischpflicht" etwa beim Kita- oder Schulessen ab und äußerten vor allem in sozialen Netzwerken beißenden Spott über die Idee, die anscheinend im Zusammenhang mit dem starken Zuzug muslimischer Flüchtlinge steht.

Türkischer Bund spricht von "schweinischem" Vorschlag

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) schlägt allerdings andere Töne an: In einer Mitteilung am Dienstag sprach der TBB von einem "schweinischen" CDU-Vorschlag, der die "antimuslimische Zielrichtung" der Partei selbst entlarve. Weiter warf der TBB die Frage auf, "was sich Teile der Union noch ausdenken werden, um die AfD rechts zu überholen." Der Verband wies zudem darauf hin, dass in öffentlichen Kantinen der Betreiber über sein Essensangebot entscheide.

Archiv: Ein Behälter mit Bockwürsten, fotografiert am 13.10.2014 in Potsdam (Brandenburg) am Rande einer Sitzung von Landesvorstand und Landesausschuss der Linken in Brandenburg. Die Parteigremien wollen vor der Mitgliederentscheidung über den Koalitionsvertrag mit der SPD eine Empfehlung abgeben. (Quelle: dpa)
Die CDU-Nord kassiert für ihre Schweinefleisch-Initiative vorwiegend Kritik von Politikern und Verbänden.

Auch die Naturschutzorganisation WWF wandte sich in Berlin gegen den Vorschlag: "Derzeit gibt es wenig Anhaltspunkte dafür, dass Schweinschnitzel und Kotelett auf den Speiseplänen deutscher Kantinen unter Artenschutz gestellt werden müssen." Vielmehr sollte sich die CDU angesichts der Ökoprobleme der konventionellen Fleischproduktion für einen bewussteren Fleischkonsum einsetzen.

Wie CDU-Fraktionschef Daniel Günther zu dem Antrag sagte, halte seine Partei es für falsch, dass immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen Schweinefleisch aus ihrem Angebot nehmen würden. Von einem solchen Schweinefleisch-Verzicht aus Rücksicht auf Muslime habe man aus jedem Wahlkreis von mindestens einer Kita gehört. "Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch", so Günther, der zusammen mit seinem Parteikollegen Heiner Rickers aber betonte, dass Muslime nicht gezwungen werden sollten Schweineprodukte zu essen.

Landesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat unterdessen erklärt, er sehe keinen staatlichen Handlungsbedarf. "Schon gar nicht teile ich die Verkürzung unserer grundgesetzlichen Werte auf die Pflicht, Kotelett oder Hack zu essen." Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warnte ähnlich humorig vor einer "Diskriminierung von Rindfleisch".

Weniger lustig findet SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel die ganze Diskussion: "Ich habe so einen Quatsch noch nicht gehört. Man muss auch aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert", kommentierte Gabriel. Im Netz sammelten sich am Dienstag schnell vorwiegend spöttische Kommentare zum CDU-Vorschlag. Eine Auswahl:



"Frikadellen-Krieg" in Dänemark

Ganz originär ist die Idee der CDU-Nord übrigens nicht. Im Januar sorgte der "Frikadellen-Krieg" im benachbarten Dänemark für Aufregung. In der Hafenstadt Randers hatte nämlich der Stadtrat beschlossen, dass in öffentlichen Kantinen auch Schweinefleisch angeboten werden muss. Neben Schwein müsse aber auch immer eine Alternative angeboten werden, wie eine Sprecherin der Kommune am Dienstag sagte.    

Ziel dieser Regelung in Randers sei es, dänisches Essen zum zentralen Angebot in Schulen und Kitas zu machen. Der vom Stadtrat angenommene Vorschlag stammte von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei und der Liberalen Partei.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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