Neubau der Degewo in Gropiusstadt (Quelle: rbb/Krämer)
Audio: Alex Krämer | 03.03.2016

Berliner Kongress für bezahlbares Bauen - Clever geplant in der Gropiusstadt

Günstige Mietwohnungen - Fehlanzeige. Dieser Befund gilt derzeit für fast alle deutschen Großstädte. Neue Wohnungen billig bauen, ist aber gar nicht so einfach. Mit diesem Thema befasst sich deshalb nun ein ganzer Kongress in Berlin. Dabei gibt es schon Projekte, die zeigen, wie es geht: Tricks und Tipps aus der Gropiusstadt. Von Alex Krämer

Im ersten Stock werden Trockenbauwände festgedübelt, im zweiten sind Elektriker unterwegs. Das Haus an der Fritz-Erler-Allee im Berliner Stadtteil Gropiusstadt ist noch eine Baustelle, soll aber schon im Mai fertig sein. 57 Wohnungen entstehen hier, für eine durchschnittliche Monatsmiete von etwa 9 Euro kalt pro Quadratmeter. Für Neubauwohnungen mit Parkett, Fußbodenheizung und vielen großen Fenstern ist das recht günstig, aber noch nicht günstig genug, sagt Lutz Ackermann, der Sprecher der Wohnungsbaugesellschaft degewo. Heute könne man noch günstiger bauen als vor zwei Jahren als dieses Projekt geplant wurde. "Dieses Haus in der Gropiusstadt - muss man ehrlicherweise sagen – bildet einen Stand in der Planung von vor zwei Jahren ab. Wir jetzt eigentlich schon einen ganzen Schritt weiter. Und sind auch bei den Baukosten günstiger."

Das Ziel heißt 6,50 Euro

Seit zwei Jahren beschäftigt sich die degewo ganz gezielt mit dem Thema preiswertem Bauen und hat ein eigenes Planungsbüro dafür eingerichtet. Wir haben seither eine Menge gelernt, sagt Andre Schuhknecht. Der Architekt deutet aus dem Fenster des Neubaus mit den Neun Euro-Wohnungen, in Richtung U-Bahnhof Zwickauer Damm. "Gegenüber reißen wir gerade ein Parkhaus ab. Und an der Stelle wird ein gefördertes Wohnen entstehen, mit Ziel-Miete 6,50 Euro."

Für einen Neubau sind 6,50 Euro richtig günstig. Der Trick: möglichst viele Bauteile mit Standardmaßen verwenden, sagt Schuhknecht. Diese Teile kosten deutlich weniger und es gebe sie für viele Bereiche: "Beim Aufzug, bei den Fenstern, bei den Treppenläufen, bei Sanitärzellen, den Abmessungen von Badzellen - da kann man sehr viel systematisieren," so Schuhknecht.

Billig kann auch lange halten

Das spart Geld, auch ohne die Häuser zu totalen Sparmodellen zu machen. Bei Wohnungen für 6,50 Euro pro Quadratmeter ist zwar keine Fußbodenheizung mehr inklusive; statt Parkett wird eher Linoleum verlegt, die Tiefgarage fällt weg und statt teurer Keller werden Abstellräume auf den Etagen gebaut. Aber Balkone und Aufzüge soll es auch in den günstigen Häusern geben. Und es wird auch nicht einfach das billigste Material genommen, sagt Architekt Schuhknecht, denn das hält nicht lang genug für die Planungen. "Wir betrachten die Gebäude über 20 Jahre. Und bei Bodenbelägen, Fliesenbelägen, Türen, Türbeschlägen, Schlössern - da geht man immer auch auf die Erfahrung ein, was sich nachhaltig bewährt hat."

In einem Neubau der degewo in Gropiusstadt (Quelle: rbb/Krämer)
Ohne Sonderwünsche bei den Bauteilen wird es billiger

Ein Beispiel: Laminat-Fußboden kommt nicht in Frage - denn der ist nach vier Jahren abgenutzt. Das erste Fazit der Berliner Wohnungsbaugesellschaft zum günstigen Bauen fällt positiv aus: Wir kriegen es hin, sagt degewo-Sprecher Lutz Ackermann. "Wir sehen bei den Planungen, die wir heute machen, bei den Häusern, die wir begonnen haben, dass das geht. Man kann kostengünstig und gleichzeitig gut bauen. Wenn man eben clever plant."

Diese Tricks für eine clevere Planung interessieren auch Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Sie wird nicht müde zu betonen: Die Baukosten müssen sinken.

Wie entscheidend diese Kosten für die Mieten sind, auch das lässt sich am Beispiel Gropiusstadt zeigen. Wird hier eine neue Wohnung als Sozialwohnung gefördert, senkt das die Miete um einen Euro pro Quadratmeter. Den gleichen Effekt wird erreicht, wenn man die Baukosten um 250 Euro drückt. Weniger Geld am Bau ausgeben kann also genauso effektiv sein, wie viel Geld in Förderung hineinstecken.

Beitrag von Alex Krämer

Das könnte Sie auch interessieren