Gregor Gysi (Quelle: imago/Christian Schroedter)
Audio: Inforadio | 24.03.2016 | Alex Krämer

Gregor Gysi über (fehlende) Zeit - "Radfahren im Keller ist kotzlangweilig"

Als Gregor Gysi im vergangenen Oktober als Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag zurücktrat, wollte er unter anderem mehr Zeit haben. Daraus wurde nichts: Denn auch als einfacher Abgeordneter gönnt er sich kaum Verschnaufpausen. Im Gespräch mit dem rbb erzählt er, wie er das ab dem Sommer ändern will.

Der Linken-Politiker Gregor Gysi hat trotz seines Rückzugs vom Bundestags-Fraktionsvorsitz immer noch zu wenig Zeit. Dem rbb-Inforadio sagte er, dass das drei Gründe habe. "Erstens werde ich jetzt von Leuten eingeladen, die mich vorher nicht eingeladen haben. Zweitens denken alle, dass ich mehr Zeit habe, deswegen kriege ich doppelt so viele Einladungen. Drittens bin ich ein schlechter Nein-Sager."

Weisung an Mitarbeiter: zwei freie Tage ab 2017

Gysi habe schon immer darunter gelitten, zu wenig Zeit für Freunde und Familie zu haben. "Man nimmt sich, wenn man in der ersten Reihe der Politik steht, einfach zu wichtig". Nach 1990, so sagt er heute, hätte er "einen anderen Rhythmus finden müssen."

Doch niemand soll dem 68-jährigen Rechtsanwalt unterstellen, er würde nicht aus Fehlern lernen: "Ich habe jetzt die Weisung an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeben, dass ich ab dem Beginn des zweiten Halbjahres 2016 pro Woche einen freien Tag fordere. […] Und 2017 würde ich das gerne auf zwei freie Tage erhöhen." Zwei von sieben wohlgemerkt, denn Gysi rechnet Samstag und Sonntag mit ein.

Was er an diesen Tagen dann machen will? "Ich dachte, ich lese mal, höre Musik. Oder fahre mal Rad eben nicht im Keller, das ist ja kotzlangweilig. Man muss den Kopf mal freikriegen." Mittlerweile könne er sogar richtig Urlaub machen; früher habe er sich oft gefragt, wo denn die Faxe bleiben.

"Besonders langsam, wenn andere redeten"

Doch durch die Zeit in der Politik habe Gysi auch einiges bekommen. "Was mir wichtig war, das waren natürlich bestimmte Veränderungen, die ich erreichen konnte. Dass ich doch einen gewissen Einfluss auf den Zeitgeist hatte. Dass ich vielleicht die Sicht auf meine Partei, auf mich, auch auf die DDR ein kleines bisschen korrigieren konnte."

Dazu kam, dass er durch seinen Beruf herausragende Persönlichkeiten wie Mandela, Mitterrand und Castro treffen konnte. "Ein, zwei Jahre meines Lebens wird mich das schon gekostet haben – aber das war es vielleicht wert.

Dass die Zeit ohnehin etwas Relatives ist, hat auch Gysi immer wieder erfahren: "Besonders langsam war sie, wenn andere redeten - und besonders kurz und schnell, wenn ich redete."

Mr. Links nimmt den Hut

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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