Großeinsatz in Berlin wegen möglicher Anschläge (Quelle: Paul Zinken/dpa)

Innensenator Henkel sieht keinen Vergleich zu Brüssel - "Berlin ist keine Brutstätte für den Terror"

Brüssels Stadtteil Molenbeek ist eine Islamisten-Hochburg: Hier haben sich Männer radikalisiert, hierhin ziehen sie sich zurück. Vier Monate lang konnte sich ein gesuchter Terrorist in dem Viertel verstecken. Gibt es das auch in Berlin? Nein, sagt Innensenator Henkel. Allerdings wachse die Islamistenszene in der Hauptstadt "sehr dynamisch".

Berlin ist nach Einschätzung von Innensenator Frank Henkel (CDU) keine "Brutstätte für den Terror". Es gebe hier nicht ganze Wohnviertel, die von Islamisten - wie im Stadtteil Molenbeek in Belgiens Hauptstadt Brüssel - dominiert würden, sagte Henkel der "Welt" am Donnerstag.

Die Situation in Berlin sei mit der in Brüssel nicht vergleichbar. Es gebe zwar in der deutschen Hauptstadt Treffpunkte und Moscheevereine, in denen die islamistische Szene zusammenkomme, "unter anderem in Neukölln und im Wedding". Auf diese hätten die Sicherheitsbehörden aber ein Auge, "indem wir vor allem den harten Kern unter Wind halten". Für Geheimdienste und Polizei sei das sehr "ressourcenintensiv", aber die Überwachung gelinge "ganz gut", so Henkel.

Entwurzelung und mangelnde Bildung

Es gehe aber nicht nur um Repression, sagte der CDU-Politiker der Zeitung weiter. Deshalb sei ein Präventionsprogramm ins Leben gerufen worden. Gerade auf junge Menschen müsse eingewirkt werden, um eine Radikalisierung zu verhindern. Auf die Frage, warum einige junge Muslime einen derart großen Hass entwickeln, sagte Henkel, dass das mit Entwurzelung, der familiären Situation und mangelnder Bildung zu tun habe. "Wenn wenig gefestigten Menschen ein politisch verzerrtes Islambild vermittelt wird, das zum Kampf gegen die Ungläubigen aufruft, kann das dazu führen, dass junge Menschen den Westen mit Anschlägen bekämpfen."

Der radikal-islamischen Salafisten-Szene werden in Berlin laut Innensenator etwa 710 Personen zugerechnet - etwa 360 von ihnen seien gewaltorientiert. Von mehr als 100 Berlinern, die in die Kriegsgebiete in Syrien und Irak gereist sind, sei knapp die Hälfte zurückgekehrt. Diese Gruppe sei für die Sicherheitsbehörden das größte Problem. Es seien häufig brutalisierte Menschen, die im Umgang mit Waffen erfahren seien. Eine Herausforderung für die Beobachtung der Szene sei, "dass der relevante Personenkreis sehr dynamisch wächst. Vor allem im salafistischen Bereich."

Polizeieinsätze gegen Islamisten in Berlin

  • 4. Februar 2016: Razzien in drei Bundesländern

  • 26. November 2015: Aktion gegen drei Männer

  • 22. September 2015: Al Khalil-Moschee durchsucht

  • 17. September 2015: Übergriff auf Polizistin

  • 16. Januar 2015: Großeinsatz gegen IS

  • 19. September 2014: SEK verhaftet Rückkehrer

  • 14. Juni 2012: Bundesweite Hausdurchsuchungen

  • 8. September 2011: Mutmaßliche Terroristen im Visier

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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