Einbrecher dringt in eine Wohnung ein (Quelle: imago/Jochen Tack)
Video: Brandenburg aktuell | 21.03.2016 | Jacqueline Piwon

Innenminister Schröter stellt Statistik vor - Kriminalität in Brandenburg verlagert sich

Die Zahl der Straftaten in Brandenburg hat im vergangenen Jahr abgenommen - doch offenbar hat sich die Kriminalität örtlich verlagert: Weg von der deutsch-polnischen Grenze hin zum Speckgürtel rund um Berlin. Laut der durchwachsenen Bilanz wird weniger geklaut, dafür aber mehr eingebrochen. Die Aufklärungsquote stagniert.  

Die Zahl der Straftaten hat in Brandenburg einen neuen Tiefstand erreicht. Im vergangenen Jahr wurden 188.264 Fälle registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von rund vier Prozent bedeutet, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Montag in Potsdam sagte.

Die gesunkene Zahl der Delikte dürfe nicht über die weiterhin angespannte Lage im Land hinwegtäuschen, gab der Minister zu bedenken. "Im Vergleich der Flächenländer ist die Kriminalitätsbelastung in Brandenburg immer noch zu hoch", betonte er.

Zahl der Wohnungseinbrüche steigt um 11 Prozent

Deutlich rückläufig war vor allem die Zahl der Auto-, Fahrrad- und sonstigen Diebstähle mit einem Minus von 6,3 Prozent auf rund 79.300. Dagegen stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche um gut 11 Prozent auf 4.436 Fälle.

Die Gewaltkriminalität bleibt in Brandenburg auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr außerdem 4.125 Gewaltdelikte wie Mord, Totschlag, schwere und gefährliche Körperverletzung oder Vergewaltigung. Das waren laut Kriminalitätsstatistik 53 weniger als im Jahr 2014.

Dabei ist auffällig, dass die Kriminalität im Speckgürtel im vergangenen Jahr etwas höher war als in Gesamt-Brandenburg. In den 63 brandenburgischen Gemeinden rund um die Hauptstadt wurden demnach 82.243 Straftaten registriert. Die Zahl der Delikte in den Gemeinden entlang der deutsch-polnischen Grenze sank dagegen im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 19.884.

Schröter: Polizeibeamte höher belastet

Die Aufklärungsquote stagnierte: Wie im Vorjahr konnte nur etwa jede zweite Straftat (52,5 Prozent) aufgeklärt werden. Ein Grund dafür könnte nach den Worten von Innenminister Schröter die hohe Belastung der Beamten infolge steigender Asylbewerber-Zahlen sein. Die Polizisten müssten insbesondere seit dem Sommer 2015 eine Vielzahl von Flüchtlingsunterkünften und Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Thema Asyl absichern, so Schröter.

Diese neue Aufgaben wie der Schutz von besonders gefährdeten Objekten etwa von Flüchtlingsheimen bringe die Polizei in eine schwierige Situation, meint die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPoLG) in Brandenburg. "Wir können uns nicht einfach so 40 bis 50 Kollegen backen und diese zur Bekämpfung politisch-motivierter Straftaten einsetzen. Diese dringend benötigten Kollegen müssen wir aus anderen Bereichen abziehen und dadurch wiederum Aufgaben liegen lassen", teilte der stellvertretende DPoLG-Landesvorsitzende Lutz Thierfelder am Montag mit. Seine Gewerkschaft fordere deshalb ein überarbeitetes Sicherheitskonzept und ausreichend Personal. 

Auch Brandenburgs AfD nimmt die gleichgebliebene Aufklärungsquote zum Anlass, mehr Personal für die Polizei zu fordern. Die Beamten wären den "Straftaten nicht mehr vollumfänglich gewachsen", auch weil die Überwachung von Flüchtlingsunterkünften zu einer "gefährlichen Dauerbelastung" führe, wie der innenpolitische Sprecher der AfD, Thomas Jung, erklärte.

Deutlich mehr Drogendelikte

Wie Innenminister Schröter weiter mitteilte, ist die Zahl der Rauschgiftdelikte deutlich gestiegen. Demnach erhöhten sich die Fälle um 14,2 Prozent auf 8.188. "Diese Steigerung ist Ausdruck des noch einmal erhöhten Kontrolldrucks der Polizei", betonte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Drogendelikte seien ein typisches Kontrolldelikt. Das zeige sich auch in der weiterhin sehr hohen Aufklärungsquote von 93,3 Prozent. Unter anderem haben Polizisten im vergangenen Jahr knapp fünf Kilogramm Kokain, fast 99 Kilogramm Cannabis und mehr als 27 Kilogramm Amphetamine sichergestellt.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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