Ein Polizeiwagen steht am 03.03.2016 vor einem Gebäude, in dem ein Berliner Arzt gearbeitet hat. Er soll einen geistig beschränkten 24-Jährigen für den Islamischen Staat angeworben und mit einem One-Way-Ticket in den Irak geschickt haben (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 03.03.2016 | Kerstin Breinig

Angeworbener sprengte sich im Irak in die Luft - Festnahme in Berlin: Arzt soll Attentäter für IS rekrutiert haben

Spezialkräfte der Polizei haben am Donnerstag in Berlin einen Mediziner festgenommen. Er soll einen 24-Jährigen für den Islamischen Staat angeworben und mit einem One-Way-Ticket in den Irak geschickt haben. Der Angeworbene sprengte sich dort als Selbstmordattentäter in die Luft, zwölf Menschen starben.

In Berlin ist ein Arzt festgenommen worden, der einen Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat angeworben und unterstützt haben soll. Der Verdächtige habe mutmaßlich einen 24-Jährigen für den IS rekrutiert, teilten am Donnerstag das für die Ermittlungen zuständige Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit. Der angeworbene Mann hatte sich im Frühjahr 2015 im Nordirak in die Luft gesprengt.

Ermittler des LKA Baden-Württemberg durchsuchten nach eigenen Angaben am Donnerstag mit Unterstützung der örtlichen Polizei vier Objekte in Berlin und Mannheim. Nach ersten Angaben beschlagnahmten die Ermittler eine optische Zieleinrichtung für eine Schusswaffe sowie schriftliche Unterlagen, Mobiltelefone und elektronische Datenträger.

Nach rbb-Informationen ist unter den durchsuchten Objekten auch eine Zahnarztpraxis am Stuttgarter Platz im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Bei dem Mediziner soll es sich um einen Zahnarzt handeln.

Mit Propagandavideos radikalisiert

Dem 33-jährigen Arzt wird Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Der spätere Attentäter und der Mediziner sollen in Freiburg aufeinander getroffen sein. Der Beschuldigte habe dort den 24-Jährigen mit Propagandavideos "salafistisch-dschihadistisch" radikalisiert, teilte das LKA mit. Zudem habe der Arzt "militärische Gebrauchsgegenstände beschafft" und den Mann finanziell unterstützt. Auch das Einweg-Flugticket von Deutschland in das Krisengebiet habe der 33-Jährige bezahlt, hieß es vom LKA.

Im Oktober 2014 reiste der 24-Jährige den Angaben zufolge in das syrisch-irakische Gebiet. Am 18. Mai letzten Jahres verübte er für den IS einen Selbstmordanschlag, bei dem mindestens zwölf irakische Regierungssoldaten getötet worden sein sollen. Nach dem Anschlag geriet der Arzt ins Visier der Ermittler.

24-Jähriger "geistig eingeschränkt"

Der 24-Jährige war nach Angaben des Landeskriminalamtes "geistig eingeschränkt und leicht beeinflussbar". Details dazu wurden nicht bekannt. Staatsanwalt Tobias Wagner sagte: "Er stand unter Betreuung."

Die Staatsanwaltschaft wollte keine Angaben dazu machen, ob der junge Mann von dem Arzt behandelt wurde oder wie die beiden zueinander fanden. Die Ermittler prüfen derzeit unter anderem, ob der Verdächtige den späteren Attentäter gezielt ausgesucht hatte.

Vorwurf: Beihilfe zur Vorbereitung einer Gewalttat

Die zuständige Staatsanwaltschaft Karlsruhe wirft dem Mediziner Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Die Vorbereitung wird mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft, die Strafe für die Beihilfe fällt geringer aus. "Da wäre auch Geldstrafe denkbar", sagte Wagner.

Das Attentat mit vielen Toten spiele für die Strafbarkeit des Arztes juristisch keine Rolle, sagte Wagner. "Für die Beihilfe reicht schon, dass der jüngere Mann ins Ausland gereist ist", so Wagner.

Mehr als 780 deutsche Islamisten sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist - ein Drittel von ihnen ist inzwischen wieder in Deutschland, Dutzende sind laut
Verfassungsschutz gestorben. Etwa 1.000 Menschen ordnen die Sicherheitsbehörden dem "islamistisch-terroristischen" Spektrum zu.

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