Hotel Mercure am Stadtschloss in Potsdam (Quelle: imago/Philip Schilf)

Potsdam will Hotel-Mercure aufkaufen - "Es gibt noch keine Abrisspläne"

Aus dem Potsdamer Lustgarten soll eine Grünfläche werden - dafür hat sich die Mehrheit der Potsdamer Stadtverordneten ausgesprochen. Für die einen bedeutet das: Das Hotel "Mercure" kommt weg. Doch der Hotel-Direktor des Traditionshotels zeigt sich entspannt - ohne Verkaufsabsichten des Eigentümers werde das schwierig.

Der Direktor des Potsdamer "Mercure"-Hotels, Marco Wesolowski, sieht sein Haus noch nicht vor dem Aus - auch, wenn die Stadtverordnetenversammlung das Areal mittelfristig in eine Grünfläche umwandeln will. "Es gibt noch keine Abrisspläne", sagte Wesolowski am Freitag zu rbb online.

"Die Pläne für den Lustgarten sind ja nicht in erster Linie Abrisspläne. Es wurde erst einmal nur der Beschluss für die Sanierungsziele für den Lustgarten gefasst." Weselowski betonte: "De facto ist die Hotel-Mercure-Immobilie in Privatbesitz. Wenn der Eigentümer keine Verkaufsabsichten hat, wird das schwierig."

Die Mehrheit der Potsdamer Stadtverordneten hatte am Mittwoch neue Sanierungsziele für den Lustgarten beschlossen, mit denen künftige Modernisierungen oder Veränderungen des 60 Meter hohen ehemaligen DDR-Interhotels verhindert werden könnten. Das Stadtparlament sprach sich zudem dafür aus, dass auf dem Gelände des früheren DDR-Interhotels wieder eine Freifläche mit einer Wiese entstehen soll. Dagegen stimmten die Linken und die Fraktion Die Andere.

Hotel-Betreiber prüfen rechtliche Schritte

"Das war eine deutliche Mehrheit und damit haben wir klar den Auftrag, mit den Eigentümern zu verhandeln", sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Donnerstag dem rbb Radiosender Antenne Brandenburg. "Das werden wir natürlich jetzt auch tun."

Jakobs betonte aber auch, dass das Vorhaben noch unter einem Finanzierungsvorbehalt stehe. "Wir werden in aller Ruhe die entsprechenden Gespräche mit dem Eigentümer suchen und sehen, zu welchen Ergebnissen wir kommen", so Jakobs.

Hotel-Direktor Wesolowski sagte am Freitag dazu, im "Mercure" freue man sich, dass es nach all den Jahren "rufschädigender medialer Ausschlachtung" endlich auch zu einem Kontakt zwischen Eigentümer und der Stadt kommen soll.

Trotzdem sei man über den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung "naturgemäß nicht begeistert", so Wesolowski. "Wir prüfen derzeit mit anwaltlicher Hilfe rechtliche Schritte. Auch, ob wir Klage erheben wollen", so der Hotel-Direktor weiter.

Linke will Bürger befragen

Die Linke hatte zuvor vergeblich beantragt, die Bürger zu befragen, ob der Plattenbau abgerissen werden soll. Dazu überreichte der Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Scharfenberg Jakobs mehr als 3.000 Unterschriften von Potsdamerinnen und Potsdamern. "Viele Bürger haben kein Verständnis dafür, dass dieses markante Bauwerk im Zentrum der Stadt verschwinden soll", sagte Scharfenberg. "Und es gibt im Land kein Verständnis für das großkotzige Agieren der Landeshauptstadt, das Hotel für Millionen zu kaufen und abzureißen."

Der Hotel-Eigentümer kritisierte in einer am Donnerstag im Ratssaal verteilten Erklärung, die Einmischung in ein erfolgreiches Unternehmen und die bewusste Gefährdung von 55 Arbeitsplätzen seien "beispiellos, unverantwortlich und äußerst fragwürdig". Der Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, Anders Barks, teilte mit, das Hotel werde weiter alles tun, "um seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt in dieser schönen und traditionsreichen Stadt zu ermöglichen."

Jakobs: keine Alternativvorschläge

Jakobs entgegnete, es habe im städtebaulichen Wettbewerb keinen einzigen Vorschlag gegeben, das Hotel zu erhalten. Stadtverordnetenversammlung zu den Sanierungszielen sei die notwendige Grundlage dafür, um mit dem Eigentümer über einen Erwerb des Hotels durch die Stadt zu verhandeln. Zudem würden die Pläne nur verwirklicht, wenn sie auch finanziert werden könnten.

Hotel-Direktor Wesolowski sagte dazu, dass die "bisher anvisierten 15 Millionen", die Potsdam für den Kauf des Hotels in Filetlage ins Gespräch gebracht habe, "sicher kein realisitischer Wert" seien.

Von Ulbricht persönlich in Auftrag gegeben

Das "Mercure"-Hochhaus war 1969 errichtet worden. Der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht selbst hatte den Auftrag für den Prestigebau gegeben. Nach der Wende wurde mehrfach über einen Abriss diskutiert.

Bereits 2012 wollte der Software-Milliardär Hasso Plattner den Plattenbau abreißen lassen, um dort eine Kunsthalle für seine Sammlung zu errichten. Die Pläne scheiterten, die Kunstsammlung wird im rekonstruierten Barberini-Palast am Alten Markt untergebracht werden. Im Sommer 2015 empfahl ein von der Stadt eingesetztes Gutachter-Gremium den Abriss des Hauses. Immer wieder hatten sich jedoch auch die Betreiber des Hotels, die Arcor-Gruppe, zu Wort gemeldet und ein Ende der für sie geschäftsschädigenden Abriss-Diskussion gefordert.

Im Januar sprach sich Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) für den Erhalt des Baus aus. Bei den Abrissplänen schwinge eine "Verachtung gegenüber den DDR-Plattenbauten" mit, sagte er. Viele Potsdamer hingen an dem Bau, weil er ein Zeichen für den Wiederaufbau des Stadtzentrums gewesen sei. "Das Hotel mit seinem Restaurant wurde für viele Menschen ein beliebter Ort für Familienfeiern, mit gepflegter Gaststättenkultur. Nicht wenige Potsdamer verbinden mit dem Mercure angenehme Erinnerungen. Sie haben den Eindruck, dass mit dem Abriss des Hotels gute Erinnerungen an die DDR-Zeit ausgemerzt werden sollen", so Stolpe.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren