Zwei Passanten laufen an einem Asylbewerberheim in Teltow (Brandenburg) vorbei. Ein Asylbewerber ist bei einem Streit in dem Flüchtlingsheim ums Leben gekommen (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

Cottbus, Prenzlau, Königs Wusterhausen - Gleich drei rassistische Angriffe in einer Nacht

In der Nacht zu Sonntag sind in Brandenburg mehrere Menschen aus rassistischen Gründen angegriffen worden: In Cottbus wurde ein Mann aus Pakistan von einem Unbekannten verletzt, in Königs Wusterhausen wurde eine Flüchtlingsunterkunft angegriffen, und in einer Diskothek in Prenzlau wurden fünf Asylbewerber attackiert.

Bei einem rassistischen Angriff in Cottbus ist ein 36-jähriger Mann aus Pakistan von einem unbekannten Täter verletzt worden. Der Mann sei bei dem Vorfall in der Nacht zu Sonntag fremdenfeindlich beleidigt, geschlagen und getreten worden, teilte die Polizei am Montag in Cottbus mit. Die Verletzungen hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ein 57-jähriger Angolaner, der helfen wollte, sei ebenfalls attackiert worden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt.

Alkoholisierte greifen Unterkunft an

In der gleichen Nacht wurde den Angaben zufolge auch eine Flüchtlingsunterkunft in Königs Wusterhausen angegriffen. Zwei alkoholisierte Männer hätten die Asylunterkunft zunächst unter einem Vorwand betreten wollen, seien nach Pöbeleien jedoch abgewiesen worden. Kurz darauf seien die 24 und 30 Jahre alten Männer vermummt zurückgekehrt und hätten ein Fenster mit einer Flasche eingeworfen. Die Tatverdächtigen seien durch Hinweise ermittelt worden.

Angriff in Prenzlau

In einer Diskothek in Prenzlau wurden am frühen Sonntagmorgen nach Polizeiangaben fünf Asylbewerber zunächst verbal attackiert und anschließend vor dem Gebäude auch tätlich angegriffen. Drei der Männer seien dabei verletzt worden, ein 31-jähriger Afghane habe ambulant im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Täter seien noch nicht gefasst, ermittelt werde auch wegen möglicher ausländerfeindlicher Motive.

Der Verein Opferperspektive hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass rechte und rassistische Gewalt in Brandenburg 2015 stark zugenommen hat. Der Verein betreibt eine Beratungsstelle für Gewaltopfer. Laut der Bilanz waren 2015 mindestens 706 Menschen direkt und indirekt von rechter Gewalt betroffen, es habe 203 "rechte Angriffe" gegeben – 120 Prozent mehr als im Vorjahr und das "höchste Angriffsniveau seit 15 Jahren", meldet der Verein.

Rassistisch motivierte Angriffe – insbesondere gegen Geflüchtete – hätten "besorgniserregend" zugenommen.  Sie machten fast zwei Drittel der Taten aus. Die meisten rechten Angriffe hätten im Landkreis Spree-Neiße und in Cottbus stattgefunden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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