Teilnehmer einer rechtspopulistischen Anti-Flüchtlings-Kundgebung demonstrieren am 12.03.2016 in Berkub mit einem "Merkel muss weg"-Transparent. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 12.03.2016 | Ulli Zelle

Knapp 3.000 Teilnehmer - Rechtspopulistische Demo in Berlin fällt größer aus als erwartet

Deutlich mehr Rechte als von der Polizei erwartet haben am Samstag in Berlin protestiert. Die Polizei spricht von knapp 3.000 Teilnehmern an der Demonstration mit dem Motto "Merkel muss weg" - gerechnet hatte sie maximal mit einem Zehntel. Gegen die rechte Kundgebung gingen mehr als 1.000 Menschen auf die Straße.

Zu einer rechten Kundgebung in Berlin gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung sind am Samstag deutlich mehr Teilnehmer gekommen als erwartet. Nach Polizeiangaben fanden sich knapp 3.000 Menschen ein - erwartet hatten die Behörden maximal ein Zehntel. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und der Verfassungsschutz hatten in den vergangenen Tagen von einer Teilnehmerzahl "im unteren dreistelligen Bereich" gesprochen.

Unter den Demonstranten waren Neonazis, Hooligans, sogenannte Reichsbürger und auch Rocker. Teilnehmer schwenkten Fahnen aus Brandenburg und Sachsen sowie solche in den russischen Nationalfarben Weiß-Blau-Rot. Mit einem Banner mit der Aufschrift "Merkel muss weg" zog die Kundgebung durch das Berliner Regierungsviertel. Dabei erklangen Rufe wie "Lügenpresse, Lügenpresse" und "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen".

Zu der Demonstration war monatelang bundesweit in den sozialen Netzwerken aufgerufen worden. Die Demo war von einer Initiative "Wir für Berlin & Wir für Deutschland" angemeldet worden.

Gegendemonstranten zahlenmäßig unterlegen

Die Demo-Route der Rechten führte über das Kapelle-Ufer, weiter zur Reinhardt-, Luisen-, Wilhelm-, Dorotheen-, und Ebertstraße und endete am Platz des 18. März am Brandenburger Tor. Mehr als tausend Menschen protestierten gegen die rechte Kundgebung. Am Rande kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, als etwa 200 Menschen versuchten, die geplante Route der Rechten zu blockieren. Nach der Anmeldung einer Spontandemonstration wurde aber eine Route genehmigt.

Die Polizei hielt mit einem Großaufgebot die Teilnehmer beider Kundgebungen auf Abstand und kontrollierte Taschen und Jacken. Anreisende Gegendemonstranten wurden bereits bei der Anreise in der S-Bahn begleitet. Auch im Hauptbahnhof zeigten Einsatzkräfte Präsenz. Auf der anderen Seite des Bahnhofs und an der Wilhelmstraße in Mitte gab es laut Polizei ebenfalls Kundgebungen. Nach offiziellen Angaben waren 1.300 Beamte im Einsatz, allerdings einschließlich der Kräfte für eine zeitgleiche Kurden-Demonstration.

Besonders viele Fahnen der Gegendemonstranten waren zwischen Bahnhof und Spree von Linke, SPD und Gewerkschaften zu sehen. Auf Transparenten hieß es unter anderem "Asyl ist ein Grundrecht. Rassismus nicht".

Der evangelische Bischof Markus Dröge sagte laut einer vorab verbreiteten Pressemitteilung bei der Kundgebung, er wolle keine Empfehlung für die Wahlen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg sowie bald auch Berlin abgeben. Aber: "Schenken Sie Ihr Vertrauen denen, die sich für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einsetzen, für den Schutz aller Menschen vor Gewalt, Menschenfeindlichkeit und Fremdenhass."

Polizei: Veranstaltungen "weitgehend störungsfrei"

Das "Bündnis Berlin Nazifrei" hatte kürzlich berichtet, der Anmelder der Demo sei ein Mann aus Berlin-Marzahn, der zur rechtslastigen Hooligan-Szene gehöre und Verbindungen zur rechtsextremen NPD habe. Ein Sprecher der Polizei wollte zum Anmelder keine Auskunft geben, da es sich um eine Einzelperson handele.

Die Polizei sprach im Anschluss von einem "weitgehend störungsfreien" Verlauf der Veranstaltungen, die gegen 18.30 Uhr endeten. Insgesamt 32 Personen seien vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Es wurden Verstöße gegen das Vermummungsverbot registriert sowie mitgeführte Elektroschocker, Pyrotechnik und Pfefferspray sichergestellt.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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