International Congress Center Berlin in Charlottenburg von oben (Quelle: imago/Schöning)

290 Millionen Euro für das marode Kongresszentrum - ICC-Sanierung soll deutlich teurer werden

Im jahrelangen Streit um die Sanierung des ICC kündigt sich neuer Ärger an. Nach vorläufiger Prüfung durch Bausenator Geisel ist der Kostenplan von 200 Millionen Euro für die Sanierung des maroden Berliner Kongresszentrums nicht zu halten: 90 Millionen mehr sollen es nun werden. Die Pläne geraten erneut ins Wanken.

Die Kosten für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Berlin werden wahrscheinlich weiter steigen. Bisher waren 200 Millionen Euro veranschlagt, nun sollen es 290 Millionen Euro werden, sagte die Pressesprecherin des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD), Petra Rohland, am Freitag.

Der Grund: Bisher sollte nur ein Teil des Kongress-Riesen saniert werden, nämlich 10.000 Quadratmeter im Herzen des Gebäudes. Jetzt stellte sich heraus: Das geht nur, wenn auch in benachbarten Bereichen des Koloss weitere 8.000 Quadratmeter saniert werden. Nur so könnte die übrige Kongressfläche sinnvoll genutzt werden. Im Zuge der Sanierung sollten unter anderem Schadstoffe entsorgt und die Elektro- und Energieversorgung erneuert werden. Weitere Flächen und Gebäudeteile sind für private Investoren vorgesehen. 

Geisel: kein "Drauflosbauen"

Baubeginn sollte eigentlich 2018 sein. Für die Planung der Sanierung wollen die SPD-Senatoren 3,3 Millionen Euro in den aktuellen Doppelhaushalt einstellen. Dieser Plan gerät nun offenbar ins Wanken. Aus Sicht der Wirtschaftsverwaltung ist es aufgrund der hinzu kommenden Nebenflächen sinnvoller, das Haus komplett sanieren zu lassen, um weitere Kostensteigerungen zu vermeiden.

Der baupolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto, sagte dem rbb, dass sich hieran zeige, dass die Senatsplanungen unseriös seien. "Ich weiß seit zehn Jahren, dass es beim ICC einen Haufen Nebenflächen gibt, die man berücksichtigen muss." Dies sei keine neue Erkenntnis, so Otto, der Senat werfe gerade mit Zahlen umher. Dabei wisse man in der Umsetzung von Großvorhaben - wie dem Flughafen BER oder der Berliner Staatsoper, dass man nur auf der Grundlage vollständiger Unterlagen mit dem Rechnen anfangen dürfe. "Und es darf keine Änderungen im Verlauf des Bauens geben."

Auch Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel versicherte, mit ihm werde es kein "Drauflosbauen" geben. Wenn die Kosten nicht steigen dürfen, so Geisel, dann müsse eben das Raumprogramm geändert und die Kongressfläche verkleinert werden. Der Bausenator fordert, dass sich der Senat noch vor der Sommerpause mit dem Problem beschäftigt. Trotzdem solle die Sanierung 2018/19 beginnen – unter der Voraussetzung, dass bis dahin keine Flüchtlinge mehr dort untergebracht sind.

Geisel schätzte Vorhaben zuvor als realisierbar ein

Für neue Planungen im Bereich Messe und Kongress im ICC ist Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer zuständig. Sie machte bereits deutlich, dass sie Privatinvestoren von Anfang an mit einbeziehen und nicht zunächst nur den öffentlichen Kongressbereich sanieren will. Unterstützung bekommt sie dafür von dem prominenten Architekten Jan Kleihuys, der am ICC einen Hotelturm errichten will. Kleihuys hält eine modulare Sanierung für unmöglich.

In einem Brief von Mitte März an ihren Senatskollegen Geisel betonte Yzer zudem, dass es Geisel selbst war, der für die Senatsvorlage die Vorhaben als in dem vorgesehenen Rahmen als realisierbar eingeschätzt habe: nämlich, dass die Sanierung von 10.000 Quadratmetern Kongressfläche unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes inklusive Schadstoffsanierung des Gesamtgebäudes mit Landesmitteln von 200 Millionen Euro machbar sei. Zunächst muss nun also geklärt werden, auf welcher Grundlage neu geprüft und berechnet werden soll.

Über das ICC wird seit mehr als zehn Jahren gestritten. 1979 als modernes Kongresszentrum eröffnet, gilt dessen Technik inzwischen als veraltet und die Raumaufteilung als ineffizient. Nach 35 Jahren in Betrieb wurde das ICC im April 2014 geschlossen.

Mit Informationen von Holger Hansen 

Raumschiff ade

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