Schild im Bürgeramt Rathaus Zehlendorf, Berlin (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Innenverwaltung will endlich e-Akte einführen - Berliner Beamte fürchten die digitale "Revolution"

Weniger Papierverbrauch, gesparte Arbeitszeit: Die Digitalisierung der Berliner Verwaltung ist seit Jahren überfällig. Doch die Einführung stockt. Das hat technische Gründe, aber auch menschliche – es könnte an Akzeptanz fehlen.

Bis 2022 soll die Digitalisierung in der Berliner Verwaltung dabei helfen, viel Papier und Arbeitszeit zu sparen. Doch die Innenverwaltung befürchtet fehlende Akzeptanz. "Das ist generell ein Problem bei dem Thema", sagte Innen-Staatssekretär Andreas Statzkowski der dpa. Denn für viele Beamte gleiche die Einführung elektronischer Akten einer "Revolution": "seit mehreren hundert Jahren arbeiten Verwaltungen nur mit Papier."

Entscheidend für den Erfolg sei es daher, die Mitarbeiter der Verwaltung bei dem Wandel mitzunehmen und einfache Systeme anzubieten. Von der Umstellung auf E-Akten verspricht sich der Senat Einsparungen von fünf bis zehn Prozent bei der Arbeitszeit in Verwaltungen und Bürgerämtern. Das ließen Erfahrungen aus Österreich und Dänemark erwarten.

Einführung 2016 zunächst in vier Behörden

Senatskanzlei und Finanzverwaltung arbeiteten bereits mit den sogenannten E-Akten, so Statzkowski, die Software sei demnach schon vorhanden. In diesem Jahr soll sie allerdings noch nicht flächendeckend, sondern erstmal nur in vier Behörden eingeführt werden: in der Innenverwaltung, in einem Teil des Landesamts für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, bei der Polizei und im Sozialamt Tempelhof-Schöneberg. "Natürlich kann man sich immer mehr vorstellen", sagte Innensenator Frank Henkel (CDU). "Aber wir regieren nicht alleine."

Problem: keine zentrale Steuerung, veraltete Hardware

Die Digitalisierung und IT-Ausstattung der Berliner Verwaltung sei bislang unter anderem deshalb so schwierig, weil jedes Bezirksamt seine eigene Technik habe, sagte Henkel. "Wir haben bisher keine zentrale Steuerung. Es gibt 74 eigene IT-Dienststellen, das macht die Sache kompliziert." Ein entscheidender Punkt im neuen E-Government-Gesetz sei daher die gemeinsame Steuerung.

Die unterschiedliche Computer-Ausstattung in den Ämtern führe auch zu Problemen mit der Software zur Vorbereitung der Abgeordnetenhauswahl am 18. September, sagte Statzkowski. "Vieles klappt in der Testumgebung, was in den Bezirken nicht klappt." Alte Drucker in einigen Ämtern würden von dem Programm gar nicht erkannt. "Damit haben die Bezirke ein Riesenproblem." Mit dem "Berlin-PC" solle nun schrittweise Einheits-Hardware und ein jeweils aktuelles Betriebssystem eingeführt werden.

Kommentar

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1 Kommentare

  1. 1.

    In Sachsen führt man die digitale Aktenführung seit Jahren ein. Und es funktioniert kaum noch was... Vorgänge verschwinden im Netz, Anlagen fehlen, digitale Akten sind unvollständig oder nicht nutzbar (wie zeigt man eigentlich große Pläne in A 3 oder größer auf einem Bildschirm nutzbar an? Und wie Trassenvarianten bei Straßen- und Bahnneuplanungen?). Und Ältere haben da durchaus auch ihre Probleme mit der modernen Technik. Dazu kommt noch die erhebliche Belastung der Augen durch die permanente Bildschirmarbeit, die auch nicht (mehr) jeder leistern kann - es sei denn, um den Preis der rapiden verschlechterung der Sehfähigkeit - alle Jahre eine neue Brille (auf eigene Kosten - der Stat zahlt ja nicht...). Und dann lassen sich Fachdatenbanken und Programme, welche bundesweit genutzt werden, nicht oder nur mit erheblichen Qualitätsverlusten und Nutzerkonflikten in die digitale Aktenführung einbinden.
    Personaleinsparungen hatte man hier auch vergeblich erwartet...

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