Der Haupteingang einer Grundschule in Berlin-Lichtenberg. Archivbild vom 26.05.2013 (Quelle: imago/Bernd Friedel)
Audio: Inforadio | 16.06.2016 | Kirsten Buchmann

Kostenschätzung bis Ende des Monats - Berlin scannt seine sanierungsbedürftigen Schulen

Kaputte Fenster, undichte Dächer, bröckelnde Fassaden: Zahlreiche Schulen warten in Berlin auf Sanierung. Die Bildungsverwaltung lässt noch bis Ende des Monats in einem sogenannten Gebäudescan die kompletten Daten erheben. Allein in Lichtenberg könnte die Schulsanierung 300 Millionen Euro kosten – berlinweit sogar Milliarden. Von Kirsten Buchmann

Lichtenberg braucht rund 300 Millionen Euro, um seine Schulen zu sanieren. Damit hat sich die Summe in diesem Bezirk verdreifacht. Bezirksstadtrat Andreas Prüfer begründete dies gegenüber dem rbb vor allem mit neuen Regelungen: Zum Beispiel sollten die Schulen barrierefrei werden, auch die 70er und 80er Jahre-Bauten, die oft Freitreppen am Eingang haben. "Das haben wir in dieser Breite bisher noch nicht erfasst, dass ganz viele Schulen in der Regel keine Aufzüge haben und dass oftmals selbst die Eingangsbereiche nicht barrierefrei sind", so Prüfer, der auch für die Immobilien des Bezirks zuständig ist. "Das bringt natürlich erhebliche Kosten mit sich."

Extra abgeklopft hat der Bezirk jede einzelne seiner 56 Schulen für den jetzt laufenden Gebäudescan nicht. Die Bauleiter seien seit Jahren dort unterwegs, heißt es. Nur bestimmte Sachen, wie zum Beispiel die Fenster, wurden noch einmal genauer betrachtet.

Sanierung nach Prioritätenliste

Eine große Runde legte dann die Prioritäten fest, wo besonders dringend saniert werden muss, erklärt Dietlind Tessin, die das Baumanagement im Bezirksamt Lichtenberg leitet. Schulen, die noch gar nicht angefasst wurden, hätten natürlich Priorität 1, sagt Tessin. Es sei denn es handle sich um Schulen, die erst in den 90er Jahren neu gebaut worden seien. Und dann werde abgestuft, "je nach Einschätzung wieviel Jahre es noch ungefähr gut gehen wird, wann die Reparaturkosten überhand nehmen, wie zum Beispiel im Sanitärbereich", so Tessin.

Sanierungsbedarf in Milliardenhöhe

Weiter wurde ermittelt, welche Maßnahmen wie viel kosten. Laut Tessin habe sich der Bezirk für Fassaden einen "Spielraum zwischen 150 bis 350 Euro pro Quadratmeter" gegeben, "für Fenster im Mittel 700 Euro pro Quadratmeter. Tessin ergänzte: "Das hängt immer sehr vom Entwurf ab, den man von dem Architekten bekommt - was er für Materialien einsetzt, wie aufwändig will er die Fassade gestalten."

Auch Reinickendorf hat seine Gebäudescan-Daten zusammengetragen und kommt auf eine Summe von mehr als 400 Millionen Euro für seine Schulen. Die CDU-Bildungsexpertin Hildegard Bentele geht insgesamt von einem Sanierungsbedarf von bis zu fünf Milliarden Euro berlinweit aus.

Plausibilität prüfen und Kategorien bilden

Die Bildungsverwaltung bestätigt derzeit keine Zahlen. Sie will, wenn alle Bezirksdaten vorliegen, zunächst deren Plausibilität prüfen und Kategorien bilden, welche Gebäude sofort saniert werden müssen und welchen noch warten können. Anhand der Daten will sie ein Sanierungsprogramm vorlegen.

Die Behörde plant auch, Geld direkt den Schulen zu geben, damit diese zum Beispiel Schönheitsreparaturen selbst organisieren können. Die Höhe dieses Budgets ist laut der Bildungsverwaltung noch offen. Sie soll in den nächsten Haushaltsberatungen festgelegt werden.

Beitrag von Kirsten Buchmann

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