Zwei leere Bierflaschen mit britischen Fähnchen stehen am 24.06.2016 in London bei einer Wahlparty auf dem Tisch. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)

Briten stimmen für EU-Austritt - Brexit - eine europäische Katastrophe?

Gestern noch herrschte eitel Sonennschein. Letzte Umfragen sahen die Brexit-Gegner knapp vorn, die Währung Pfund hatte einen stabilen Stand - und jetzt ist alles anders. Das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der EU kommt einem Erdbeben gleich. Und die Erschütterung hat gerade erst begonnen.

Sie haben es getan, sie haben es gewagt. Die Briten haben die Tür zu Europa zugeknallt. Alle Warnungen haben nichts genutzt. Ob US-Präsident Barack Obama, der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die eigenen Banker in der Londoner City - alle Warnungen vor einem Brexit konnten die Briten nicht schrecken.  

Das Votum auf der Insel für einen "Brexit" hat bereits Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. Die Aktienmärkte in Asien gaben stark nach. Der Nikkei-Index in Tokio verlor sieben Prozent. Ähnliche Verluste werden auch an den europäischen Börsen erwartet. Das britische Pfund fiel auf den niedrigsten Wert seit über 30 Jahren.

Keine deutschen Investitionen mehr auf der Insel

Die deutsche Industrie rechnet nach der Brexit-Entscheidung mit "harten und unmittelbaren" Einschnitten im Handel mit Großbritannien. "Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, am Freitagmorgen.

Fast 400.000 Menschen arbeiten in Niederlassungen deutscher Unternehmen. "Die Beschäftigten stehen vor unsicheren Zeiten", sagte Kerber. Besonders betroffen vom Brexit seien wohl die Branchen Auto, Energie, Telekom, Elektronik, Metall, Einzelhandel und Finanzen. Die Überschrift für die kommenden Austrittsverhandlungen müsse "maximale Schadensbegrenzung" lauten.

Briten in Berlin werden lieber Deutsche

106.000 Briten leben in Deutschland, rund 10.000 von ihnen in Berlin. Maurice Frank, britischer Herausgeber des Magazins "Ex-Berliner" sagte rbb|24 vor der Abstimmung: "Unser Eindruck ist, dass alle Briten, die hier wohnen, in der EU bleiben wollen".

Jon Worth britischer Kommunikationsberater in Berlin sagte rbb|24, dass er auch im Falle eines EU-Austritts einen Weg finden würde, hier zu bleiben. Er wolle sich um einen deutschen Pass bemühen. Und damit ist er nicht allein. Die Britische Botschaft bestätigt, dass es zuletzt vermehrt Anfragen zum Thema doppelte Staatsbürgerschaft gab. Offiziell ist dieser Schritt erst nach sieben Jahren in Deutschland möglich, oft auch schon nach sechs.

Geert Wilders fordert in den Niederlanden "Nexit"

Wird Deutschland nun auf einen Schlag um 100.000 Bürger wachsen? Müssten die Briten nicht eigentlich auch komplett Deutsche werden und ihren heimischen Pass abgeben? Ist Großbritannien einfach undankbar?

Wo stehen Sie? Sollen die Briten doch auf ihrer Insel bleiben und sehen, was Sie von ihrer Abschottung haben. Wir nehmen die gut qualifizierten Arbeitskräfte und gern auch die kreativsten Künstler.

Oder ist der Brexit jetzt der Anfang vom Ende der EU? Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat in den Niederlanden eine Volksabstimmung mit dem Namen "Nexit" gefordert.

EU-Parlamentspräsident erwartet keine Kettenreaktion

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) versucht unterdessen zu beschwichtigen. Nach dem Brexit werde es keine Kettenreaktion für Austritte aus der Europäischen Union geben, sagte er am Freitag im "Morgenmagazin" des ZDF. Zur Begründung verwies er unter anderem auf die negativen Reaktionen von Wirtschaft und Börse auf die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    "Wo stehen Sie? Sollen die Briten doch auf ihrer Insel bleiben und sehen, was Sie von ihrer Abschottung haben."

    Wovon redet der Autor von Dagmar Reim's Gnaden eigentlich in diesem Beitrag?

    Er scheint noch nicht einmal informiert zu sein, worüber dei Briten abgestimmt haben:

    Über den Austritt oder Verbleib in der EU - und eben gerade nicht über Abschottung. Das ist nämlich etwas völlig anderes.

  2. 2.

    "Die deutsche Industrie rechnet nach der Brexit-Entscheidung mit "harten und unmittelbaren" Einschnitten im Handel mit Großbritannien. "Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, am Freitagmorgen."

    Seit wann verzichtet man in der Wirtschaft auf's Geschäftemachen?

    "Fast 400.000 Menschen arbeiten in Niederlassungen deutscher Unternehmen. "Die Beschäftigten stehen vor unsicheren Zeiten", sagte Kerber."

    Na so was.
    War das bisher anders?

    "Geert Wilders fordert in den Niederlanden "Nexit""

    Und wann dürfen wir Deutschen dem Raubzug-Konstrukt EU den Abschied verkünden?

    Wenn es konkret wird, sind unsere Demokraten gegen die Demokratie.

  3. 1.

    "Sie haben es getan, sie haben es gewagt. Die Briten haben die Tür zu Europa zugeknallt"

    So? - haben Sie das?
    Man sollte nicht die Europäische Raubzug-Union der Vielabgreifer gegen den Rest mit Europa gleichsetzen.

    "Das Votum auf der Insel für einen "Brexit" hat bereits Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. Die Aktienmärkte in Asien gaben stark nach. Der Nikkei-Index in Tokio verlor sieben Prozent. Ähnliche Verluste werden auch an den europäischen Börsen erwartet. Das britische Pfund fiel auf den niedrigsten Wert seit über 30 Jahren."

    Ist das von irgendeiner Relevanz?
    Wenn ja, dann haben die Politiker ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

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