Der frühere vietnamesische Bootsflüchtling, Quang L., zeigt mit dem Finger auf ein altes Foto (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 23.06.2016 | Hanno Christ

250 Boatpeople nach Frankfurt am Main geholt - AfD-Vize Gauland rettete in den 70er-Jahren Flüchtlinge

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte gilt Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland als harter Hund. Flüchtlingshelfer bezeichnete er mal als "nützliche Idioten". Nun wurde bekannt: Gauland selbst sorgte dafür, dass in den 70er-Jahren Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

Alexander Gauland, Vize-Vorsitzender der AfD und Parteichef in Brandenburg, hat in den 1970er-Jahren vietnamesische Flüchtlinge aus einem Flüchtlingslager nach Frankfurt am Main geholt. Das bestätigte Quang L., einer der Betroffenen, dem rbb-Magazin "Brandenburg aktuell".

Frankfurt half Bootsflüchtlingen

Auch Gauland selbst bestätigte die Aktion, betonte in "Brandenburg aktuell" aber: "Man kann das überhaupt nicht vergleichen mit der Situation von heute, wo eine Million Menschen aus dem Nahen Osten über unsere Grenzen geströmt sind." Er habe damals "wirklich Menschen handverlesen".

Nach dem Ende des Vietnam-Kriegs 1975 waren tausende Menschen in Booten aus dem Land geflohen - als sogenannte Boatpeople. Viele Menschen kamen ums Leben, als ihre Boote kenterten. Von den angrenzenden Ländern konnten die Flüchtlinge nicht viel Hilfe erwarten. Viele der Überlebenden wurden erneut aufs Meer geschickt. Andere wurden aufgenommen, fanden aber kaum ein Auskommen.

Gauland nannte Flüchtlingshelfer "nützliche Idioten"

Der frühere Oberbürgermeister von Frankfurt am Main und spätere Ministerpräsident Hessens, Walter Wallmann (CDU), beschloss daher, Boatpeople nach Frankfurt zu holen - und schickte seinen damaligen Büroleiter Alexander Gauland. Nach mehrwöchigen Verhandlungen nahm Frankfurt nach rbb-Informationen 250 Vietnamesen auf. Quang L. beispielsweise floh 1978 als Kind aus Vietnam und kam 1979 nach Frankfurt am Main.

Heute gilt Gauland als scharfer Kritiker der derzeitigen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. In einer Rede im brandenburgischen Elsterwerda nutzte er den Slogan der rechtsextremen NPD: "Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land." Kurz vor Beginn der Europameisterschaft löste Gauland deutschlandweit einen Sturm der Entrüstung aus, als er über Nationalspieler Jérôme Boateng sagte: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Flüchtlingshelfer bezeichnete Gauland als "nützliche Idioten".

Früherer Flüchtling Quang L. ist enttäuscht von Gauland

Zu der jetzigen politischen Haltung Gaulands sagte Quang L.: "Ich verstehe das nicht und finde das schade." Die Frankfurter Aktion lobte der frühere Bootsflüchtling jedoch: "Das war großartig, und die Stadt Frankfurt hat viel, viel Integrationsarbeit geleistet. Wir sind alle zur Schule gegangen, alle haben Abschlüsse, und viele haben sogar noch das Abitur geschafft." Gauland sagte dazu dem rbb, Asiaten seien möglicherweise "anpassungsbereiter" als die Flüchtlinge, die heute nach Deutschland kommen.

Mit Informationen von Hanno Christ und Christian von Rechenberg

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