Menschenkette als Zeichen gegen Rassismus war in Berlin mitunter ein Spaziergang (Quelle: imago/epd)
Video: 19.06.2016 | Abendschau | Raphael Jung

9.000 Menschen zwischen Mitte und Kreuzberg - Menschenkette in Berlin erreicht ihr Ziel nicht

Etwa 9.000 Menschen haben in Berlin "Hand in Hand" gegen Rassimus protestiert. Die Menschenkette reichte vom Gendarmenmarkt bis zu einem Flüchtlingsheim in Kreuzberg - und reichte nicht bis an ihr eigentlich geplantes Ziel. Auch in anderen deutschen Städten wurde am Wochenende dem Rassismus symbolisch der Kampf angesagt.  

"Hand in Hand gegen Rassismus" - unter diesem Motto bildeten am Sonntag Tausende Demonstranten in Berlin eine Menschenkette von 6,5 Kilometern. Einen Tag vor dem internationalen Gedenktag für Flüchtlinge hielten sich nach Angaben der Organisatoren etwa 9.000 Menschen an den Händen zwischen dem Gendarmenmarkt und einem Flüchtlingsheim in Berlin-Kreuzberg. Das ursprüngliche Ziel Rotes Rathaus wurde nicht erreicht. Bisweilen war es einem Bericht der rbb-Abendschau zufolge eher ein "gemeinsamer Spaziergang".  

Ein deutschlandweites Bündnis hatte für dieses Wochenende zu Menschenketten gegen Rassismus aufgerufen. Fünf Städte waren dabei: Berlin, Hamburg, München, Leipzig und Bochum. Weitere Städte hätten sich angeschlossen, sodass die Initiatoren nach eigenen Angaben bundesweit mit Teilnehmerzahlen in Höhe von etwa 40.000 rechnen.

Menschenkette gegen Rassismus in Berlin-Kreuzberg am Oranienplatz (Quelle: rbb/Thomas Weber)
Auftaktveranstaltung am Oranienplatz mit Bands und prominenten Rednern

Angesichts von Fremdenfeindlichkeit und Übergriffen auf Flüchtlinge werteten die Veranstalter die rege Teilnahme als starkes Signal gegen Rassismus und für ein weltoffenes und vielfältiges Deutschland. Das deutschlandweite Bündnis besteht aus mehreren Organisationen, etwa Amnesty International, Pro Asyl, Terre des Hommes, Brot für die Welt, Miseror, dem Paritätischen Gesamtverband und dem DGB. Prominente Unterstützer sind die Schauspieler Benno Fürmann und Michaela May, der Kabarettist Urban Priol sowie der Musiker Michael "Breiti" Breitkopf von den Toten Hosen.

Der Auftakt für die Berliner Menschenkette war am Oranienplatz in Kreuzberg mit Konzerten und Infoständen. Auch Bischof Markus Dröge (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) reichte seine Hände und hielt eine Rede. Es sei Teil der Erfolgsgeschichte Europas und Deutschlands, dass hier schon immer Menschen unterschiedlicher Herkunft "das Zusammenleben gelernt und gepflegt" haben, sagte Dröge am Sonntag. Christen müssten sich besonders gegen die Tendenzen einsetzen, "den christlichen Glauben politisch für nationalen Egoismus zu instrumentalisieren. Das ist ein Widerspruch in sich", mahnte er.  

Ängste dürfen nicht zu Ausgrenzung führen

Der Bischof betonte zugleich, Probleme und Besorgnisse müssten thematisiert werden. "Aber nie und nimmer dürfen Ängste und Sorgen dazu führen, Menschen auszugrenzen, menschenverachtende Parolen in die Welt zu setzen und damit die Werte unseres Grundgesetzes zu unterlaufen."

Wasser auf die Mühlen der Rassisten

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, betonte, die große Mehrheit in Deutschland stehe für Weltoffenheit, "nicht für dumpfen Rassismus". Dies beweise die Unterstützung für Flüchtlinge jeden Tag.

Der Geschäftsführer der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt, erneuerte die Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik. Der Versuch einer Abriegelung sei "Wasser auf die Mühlen der Rassisten".

In den Lücken standen nur Schuhe

Bochum machte am Samstag den Anfang. Tausende Menschen bildeten eine Kette, die durch die Innenstadt führte. Sie forderten würdige Lebensverhältnisse für Flüchtlinge und ein Ende von Abschiebungen. In einigen bewusst gelassenen Lücken standen nur Schuhe - als Platzhalter für die Menschen, die abgeschoben wurden oder auf ihrer Flucht starben, begründeten die Veranstalter. Die Teilnehmerzahl in Bochum lag verschiedenen Angaben zufolge zwischen 4.000 (Polizei) und 8.500 (Organisatoren).  

Claudia Roth reihte sich in München ein

In München kamen am Sonntag Mittag nach Polizeiangaben rund 4.000 Menschen zusammen, um eine Kette zu bilden. Die Teilnehmer wollten mehrere Münchner Glaubensgemeinden wie die Sankt-Michaels-Kirche, die israelitische Kultusgemeinde und das Münchner Forum für Islam verbinden. Bei der Auftaktkundgebung waren Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dabei.  

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