Polizisten führen während der Blockupy Proteste einen Mann ab (Quelle: imago/Markus Heine)
Video: Abendschau | 02.09.2016 | Norbert Siegmund

Einige Festnahmen nach Steinwürfen - 52 Festnahmen bei Blockupy-Protesten in Berlin

Die Berliner Polizei hat bis zum Freitagnachmittag 52 Teilnehmer der Blockupy-Aktionen vorübergehend festgenommen. Mehrfach kam es in der Stadt zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten. Und die Proteste sollen noch weitergehen - so am Samstag mit einer großen Kundgebung auf dem Ku'damm.

Das antikapitalistische Bündnis Blockupy hat am Freitag in in Berlin mit verschiedenen Aktionen für eine andere Flüchtlingspolitik und gegen eine Spaltung der Gesellschaft demonstriert. Die Aktionen verliefen nach Angaben der Polizei überwiegend friedlich, allerdings sei es immer wieder zu Rangeleien gekommen. 52 Personen wurden vorläufig festgenommen. Unterstützer von Blockupy sprachen von unangemessener Polizeigewalt.

Die Blockupy-Proteste sollen bis Sonntag weitergehen. An den Aktionen am Freitag nahmen laut Blockupy 2.000 Menschen teil. Die Polizei sprach von rund 450 Teilnehmern an verschiedenen Veranstaltungen.

Blockade des Ministeriums gescheitert

Zum Auftakt hielten Aktivisten am Freitagmorgen eine Kundgebung in der Wilhelmstraße in Sichtweite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ab. Sie scheiterten jedoch mit dem Versuch, das Ministerium zu blockieren. Die Polizei hatte das Areal weiträumig abgesperrt. Einige Teilnehmer hielten auf dem Weg in die Wilhelmstraße zeitweise Sitzblockaden ab.

Die Polizei nahm bei der Kundgebung mehrere Personen vorübergehend fest. Demonstranten hätten u.a. im Bereich der Ministergärten Steine geworfen, hieß es. Die Polizei soll mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen sein. Fotos zeigten, wie Teilnehmer der Demonstration an den Augen behandelt wurden, nachdem sie offenbar mit Reizgas in Kontakt gekommen waren.

Einem Demonstranten des linken Bündnisses Blockupy werden am 02.09.2016 in Berlin bei einer Sitzblockade auf der Wilhelmstraße von anderen Demonstranten die Augen gespült. (Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
Einem Demonstrationsteilnehmer werden die Augen ausgespült.

Transparente im Bahnhof und der "Mall of Berlin"

Eine weitere Aktion gab es am Berliner Hauptbahnhof. Dort kletterten am Freitagmorgen zwei Aktivisten an der Glasfassade empor und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Gemeinsam kämpfen gegen Rassismus und Sozialabbau". Dabei wurden Sie am Boden von einer weiteren Person unterstützt. Einsatzkräfte der Bundespolizei beendeten die Kletteraktion und ermitteln nun wegen Hausfriedensbruch.

Unterstützer kritisieren "massive Polizeigewalt"

Ein weiteres Banner im Shoppingcenter Mall of Berlin am Potsdamer Platz trug die Aufschrift: "Organisieren Blockieren Streiken. Das Leben ist zu kurz für Kapitalismus". Auch dieses Transparent wurde von Wachleuten des Einkaufszentrums schnell entfernt. Demonstranten, die vom Potsdamer Platz durch die angrenzenden Straßen zogen, riefen "Mall of Shame" und es waren kapitalismuskritische Sprechchöre zu hören. Laut Polizei warfen Teilnehmer hierbei Steine auf Polizisten und zündeten Böller. Es kam zu Rangeleien mit Beamten.

Vor der Landesvertretung Sachsen wurden Plakate aufgehängt und Rauchbomben gezündet. Das Bundesland stehe "symbolisch für den Rechtsruck in Deutschland", hieß es.

Insgesamt waren 1.200 Polizisten im Einsatz, drei wurden verletzt. "Es gab 52 Festnahmen, überwiegend nahe des Bundesfinanzministeriums, wegen Landfriedensbrüchen, Verstößen gegen das Vermummungsverbot sowie Widerstandsdelikten gegen die Polizei", sagte der Berliner Polizeisprecher Winfried Wenzel am Nachmittag.

Das Bündnis selbst kritisierte den Einsatz "massiver Polizeigewalt". "Die Polizei verletzte viele Demonstrierende durch Faustschläge und Tritte, obwohl diese bereits eingekesselt waren", erklärte Bündnis-Sprecherin Hannah Eberle. Sie bestätigte die Festnahme von mehr als 50 Teilnehmern, die sie aber als "friedliche Aktivistinnen" bezeichnete. Sie warf der Polizei eine gezielte Eskalation vor.

Blockupy-Aktionen in Berlin

Am Nachmittag fanden weitere, dezentrale Aktionen in der Stadt statt. So sollte bei der sogenannten zweiten Welle unter anderem mit einer Bootstour in der Rummelsburger Bucht zum Kraftwerk Klingenberg demonstriert werden. Blockupy-Anhänger kritisierten jedoch im Internet, die Polizei blockiere ihre Boote.

Am Neptunbrunnen unter dem Fernsehturm fand eine Solidaritätskundgebung mit Kurdistan statt. Wie Teilnehmer via Twitter meldeten, nahmen zwischen 800 und 1.000 Menschen teil.

Samstag: Demonstration auf dem Kurfürstendamm

Am Samstag ist eine große Demonstration gegen Rassismus und die AfD geplant, die von linken Parteien, Gruppen und Initiativen auf dem Kurfürstendamm initiiert wurde. Auch hier wollen Blockupy-Anhänger aus Deutschland und anderen europäischen Ländern dabei sein.

Im März 2015 hatten Aktivisten von "Blockupy" in Frankfurt am Main gegen die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank protestiert. Dabei kam zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Route der "Aufstehen gegen Rassismus"-Demonstration in Berlin (Quelle: rbb Abendschau)
Geplante Route der "Aufstehen gegen Rassismus"-Demonstration in Berlin.

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