In Potsdam (Brandenburg) beginnt am 24.11.2016 der Prozess gegen sechs Angeklagte wegen schwerer Brandstiftung mit ausländerfeindlichem Hintergrund in Nauen (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Brandenburg aktuell | 24.11.2016 | Hanno Christ

Prozessauftakt nach Brandanschlag in Nauen - "Ich bin ein Freund von Asylbewerbern"

Zu Prozessbeginn am Donnerstag haben drei der sechs Angeklagten gestanden, dass sie am Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Nauen beteiligt waren. Auch der NPD-Funktionär Maik S., der ebenfalls angeklagt ist, wurde dabei stark belastet - und machte eine groteske Aussage.

Drei der sechs Männer, die seit Donnerstag wegen eines Brandanschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) vor Gericht stehen, haben zum Prozessauftakt umfassende Geständnisse abgelegt. Demnach wurde der Anschlag auf die Sporthalle über Wochen sorgfältig geplant.

"Ein Freund von Asylbewerbern"

Als Anstifter nannten zwei Angeklagte den NPD-Politiker Maik S., der in dem Verfahren als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung angeklagt ist. S. räumte vor Gericht ein, den Brand mit einem Stapel aus Autoreifen mit Öl, Benzin und einer Propangas-Flasche vor der Halle  gezündet zu haben. Aber er habe die Turnhalle nicht abbrennen wollen, betonte er. "Ich wollte mit dem Ruß die Wände schwarz färben, um ein Zeichen zu setzen", sagte er. Bei der Tat habe ihm nur ein Mitangeklagter geholfen, erklärte der 29-Jährige. Die übrigen müssten freigesprochen werden, forderte er.

Während der Verhandlung machte S. eine im Zusammenhang mit der Tat groteske Aussage: "Ich bin ein Freund von Aslybewerbern", sagte der NPD-Funktionär. Er habe sich dafür einsetzen wollen, dass die Menschen nicht in den Unterkünften zusammengepfercht werden. Die Zerstörung der Sporthalle sei ein Unfall gewesen, hieß es weiter. Von politischer Motivation aber wollte am Donnerstag vor Gericht kaum einer der Angeklagten sprechen - erst recht nicht von Ausländerfeindlichkeit.

Ein 33-jähriger Wachmann schilderte am Donnerstag im Landgericht Potsdam, wie er im August vergangenen Jahres gemeinsam mit Mitangeklagten Öl- und Benzinfässer sowie eine Propangasflasche vor die Sporthalle geschafft habe. Der Anwalt verlas eine entsprechende Erklärung. Demnach wurden Autoreifen und Paletten vor dem Eingang gestapelt, um den Brand zu entfachen.

Alle Anweisungen zu dem Brandanschlag habe der NPD-Politiker Maik S. gegeben, sagte der 33-Jährige. Er selbst will beim Zünden des Brandsatzes nicht mehr dabei gewesen sein.

Zeuge: Reifen in Transporter geladen

Ein weiterer Angeklagter erklärte, S. habe die Idee zu dem Anschlag gehabt und die Vorbereitungen gesteuert. Am Abend vor dem Brandanschlag habe er beobachtet, wie S. und weitere Angeklagte Reifen in einen Transporter geladen hätten. "Bei den Reifen war mir definitiv klar, dass sie zum Anzünden der Halle genutzt werden sollen", sagte der 32-Jährige. S. habe ihn dann angewiesen, bei Autofahrten durch die Stadt die Augen offen zu halten, ob Polizei unterwegs sei.

Daher habe er in der Nacht mehrere Fahrten durch die Stadt unternommen, sagte der Angeklagte. Schließlich habe er aus der Ferne die Flammen aus der Sporthalle lodern sehen. "Ich dachte: Krass, wie das brennt."

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Anklage wirft den sechs angeklagten Neonazis auch noch weitere Brand- und Sprengstoff-Anschläge vor. So soll einer der Männer an einer Baustelle für eine Flüchtlings-Notunterkunft ein Dixi-Klo in Brand gesetzt haben. Ein weiterer Angeklagter soll vor einem Supermarkt eine Zylinderbombe gezündet haben.

Einer der Angeklagten sagte zudem am Donnerstag aus, er habe bei dem Anschlag lediglich auf einem Parkplatz Schmiere gestanden. Eigentlich sei die Tat bereits zwei bis drei Wochen früher geplant gewesen, sagte der 27-Jährige. "Aber da hatten wir dann nicht den Arsch in der Hose dafür", sagte er. S. habe ihn dafür als "Feigling" beschimpft. Er räumte aber ein, das Dixi-Klo mit Spiritus in Brand gesetzt zu haben. Dies sei eine spontane Tat "im Suff" gewesen, erklärte der 27-Jährige.

Die geständigen Angeklagten berichteten während des Prozesses von Alkoholproblemen. Sie seien frustriert gewesen, hieß es weiter. Den NPD-Funktionären hätten sie schon länger gekannt. Zunächst habe er sie zur Teilnahme an Demos gegen Flüchtlingsheime, später dann zu Brandstiftungen aufgefordert.

Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen kam es wegen der Personenkontrollen bei dem Prozess mehrfach zu Verzögerungen. Für das Verfahren sind bis Ende Januar elf Verhandlungstage geplant.

Mit Informationen von Hanno Christ, Brandenburg aktuell

August 2015: Geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen brennt

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Warum wird hier wieder von Seiten der Staatsanwaltschaft verharmlos und verdeckt, dass es sich hier um eine politische motivierte, terroristische Tat von Rechtsradikalen handelt, die sich zu diesem Zweck, zu einer rechtsradikalen terroristischen Vereinigung zusammen geschlossen haben? Die Staatsanwaltschaft und der Polizeiapparat in Ostdeutschland ist mittlerweile so stark von Rechtsradikalen unterwandert, dass wir uns um die öffentliche Ordnung und unsere demokratischen Grundwerte fürchten müssen. Ihr solltet dies anprangern und vor dieser großen Gefahr warnen, das ist unsere größte rechte Gefahr hier in Deutschland, die Unterwanderung des Systems, durch Nazis. MfG C.Rossner

  2. 1.

    Ich liebe Euch doch alle... wenigstens setzt er sich, anders als der bekannte Polizistenmoerder, fuer seine Kameraden ein.

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