Archivbild: Bruno Kramm spricht am Sonntag (27.11.2011) während der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Kiel (Quelle: Carsten Rehder dpa/lno)

Ex-Vorsitzender der Berliner Piraten tritt wieder aus - Kramm war nur ein bisschen grün

Nach dem Wahldebakel der Piraten in Berlin schmiss Bruno Gert Kramm hin und wechselte zu den Brandenburger Grünen. Dort nutzte der Musiker die Kontakte der Partei für seine Klage gegen die GEMA. Nun gewann Kramm vor Gericht - und verließ die Grünen sofort wieder.

Nur sieben Wochen lang war der ehemalige Berliner Piratenvorsitzende Bruno Gert Kramm bei den Brandenburger Grünen, dann hatte er sein Ziel erreicht: Am Montag gewann der Musiker und Labelchef vor dem Berliner Kammergericht. Er hatte gegen die Verwertungsgesellschaft GEMA geklagt.

Durch das Urteil müssen Musikverlage nicht mehr ohne weiteres an den Einnahmen aus Urheberrechten von Komponisten und Textern beteiligt werden. "Es ist ein großer Tag für alle Urheber", sagte Kramm nach dem Urteil und fügte noch einen interessanten Satz hinzu: "Ich war immer Pirat, ich bin Pirat und ich bin jetzt wieder Pirat." Von den Grünen war nicht mehr die Rede. Kramm war wieder raus. Zurück bleibt die Frage: War er je wirklich drin?

"Letzlich können Sie das schlecht kontrollieren"

Die Brandenburger Grünen waren bis Montagnachmittag jedenfalls fest davon ausgegangen. Im September, nach dem desaströsen Piraten-Ergebnis bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus, war Kramm als Landesvorsitzender zurückgetreten. Kurz darauf erklärte er die Rückkehr zu den Grünen, schon zwischen 2009 und 2012 hatte er der Partei angehört.

"Wir sind für alle progressiv denkenden Menschen offen, und Bruno Kramm passt mit seinem Kampf gegen Massentierhaltung und für Bürgerbeteiligung und Transparenz gut zu unserem Landesverband", hatte der Grünen-Landeschef Clemens Rostock den vermeintlichen Überläufer gelobt.

Apropos Transparenz: Mit Kramms Beitritt im Kreisverband Potsdam-Mittelmark war klar, dass er nicht mehr Mitglied einer anderen Partei sein darf. Bis auf die Piraten handhaben das alle Parteien in Deutschland so. "Wir haben ihn explizit gefragt, ob er noch Mitglied der Piraten ist. Er hat das verneint. Letztlich aber können Sie das schlecht kontrollieren", sagt Clemens Rostock am Dienstag rbb|24.

Kramm entgegnet nun: "Faktisch war ich nicht draußen, meine Mitgliedschaft hat nur geruht." Nur der Bundesvorsitzende der Piraten habe davon gewusst. Damit allerdings wäre sein Grünen-Beitritt nie wirksam gewesen.

"Ich wollte über Kontakte der Grünen etwas im Bundestag erreichen"

Kramm beteuert im Gespräch mit rbb|24, er sei von Beginn an aufrichtig zu den Grünen gewesen: Priorität habe für ihn sein Kampf für eine neue Regelung der Verwertungsrechte für Musiker. "Bei den Piraten habe ich versucht, meine Klage zur Reform der GEMA voranzutreiben. Gegen Ende hin hatte ich aber den Eindruck, dass sich nicht mehr so viele dafür interessieren. 'Ihr seid ja sowieso auf dem absteigenden Ast', hieß es", sagt Kramm.

Dann habe ihm sein Anwalt erzählt, dass im Rechtsausschuss des Bundestages wieder über das Gesetz diskutiert werde. Dort haben die Grünen Einfluss, die Vorsitzende des Ausschusses ist Renate Künast. Also trat Kramm der Partei bei, offiziell jedenfalls. "Ich wollte über Kontakte der Grünen etwas im Bundestag erreichen", sagt Kramm. Wie genau er das schließlich angestellt hat, möchte er nicht sagen.

Bloggerin lobt Kramm als "wahren Pirat"

Kurz nachdem die Berliner Richter seiner Klage am Montag Recht gaben, lüftete Kramm sein Geheimnis und verabschiedete sich wieder von den Grünen. Finanziert hatten seinen langen Rechtsstreit ohnehin die Piraten. Eine Bloggerin feierte Kramms Schachzüge als geschickten "Hack" einer "interessanten Lücke im politischen System". Kramm habe sich als "wahrer Pirat" erwiesen.

Der distanziert sich von dieser Deutung, er habe mit dem Eintrag nichts zu tun. "Ich wollte ja gar nicht, dass daraus so ein Riesending gemacht wird", sagt Kramm. Die sieben Wochen bei den Grünen aber hätten ihm gereicht, vieles habe sich dort zum Schlechten gewendet: "Das ist definitiv nicht mehr meine Partei." Die Grünen seien "neoliberal", den Baden-Württemberger Ministerpräsidenten nennt Kramm abfällig "Kretschhofer".

"Seine politische Heimat hat er offenbar noch nicht gefunden"

Nach seinem Sieg vor Gericht sei er nun zufrieden und engagiere sich wieder bei den Piraten, sagt Kramm - aber ein Mandat, das strebe er nicht mehr an. Gerade bereitet er sich mit seiner Band auf eine Tournee vor.

Der Grünen-Landeschef Clemens Rostock sagt, der plötzliche Austritt Kramms habe ihn durchaus überrascht, er bedauere ihn. "Er scheint ein Suchender zu sein. Seine politische Heimat hat er offenbar noch nicht gefunden."

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