Einer der Angeklagten im Prozess um eine Brandstiftung in Nauen (Quelle: imago/Martin Müller)

Prozess gegen mutmaßliche Brandstifter - Angeklagter im Nauen-Prozess beschuldigt Mitangeklagte

Im Prozess gegen die mutmaßlichen Brandstifter von Nauen hat einer der sechs Angeklagten seine Aussage revidiert und nun doch die Mitangeklagten beschuldigt. Seine Kehrtwende begründete er am Donnerstag mit Angst vor Repressalien.

Einer der Angeklagten, die wegen des Brandanschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) vor Gericht stehen, hat die mutmaßlichen Mittäter am Donnerstag beschuldigt. Damit revidierte er eine frühere Aussage. Nach dieser konnte er nicht mit Sicherheit sagen, ob ein Mitangeklagter direkt beteiligt war.

Über seinen Anwalt ließ er nun eine Erklärung verlesen, warum er zuvor eine Aussage, die er bei der polizeilichen Vernehmung gemacht hatte, überraschend zurückgezogen hatte. "Ich habe mich entschlossen es noch einmal richtigzustellen", teilte er mit. Zur Begründung gab er vor Gericht an, er habe Angst gehabt, weil er an seinem Fahrzeug einen Zettel "Verräter" gefunden habe.

Angeklagt sind sechs Neonazis wegen eines Brandanschlags auf eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge und wegen weiterer Straftaten.

Rädelsführer von der NPD hatte von "Unfall" gesprochen

Ende August 2015 war eine Turnhalle in der Stadt im Havelland in Brand gesetzt worden und komplett niedergebrannt. Die Anklage geht davon aus, dass der ehemalige Nauener NPD-Stadtverordnete Maik S. die Halle zusammen mit zwei Komplizen anzündete, um zu verhindern, dass dort hundert Flüchtlinge einziehen. Ein vierter Mann soll als Mitglied einer WhatsApp-Gruppe eingebunden gewesen sein, zwei weitere hätten Schmiere gestanden.

Der als Rädelsführer angeklagte NPD-Politiker hatte zum Prozessauftakt den Brandanschlag eingeräumt, aber von einem "Unfall" gesprochen. Als die Feuerwehr eintraf, war die Halle schon nicht mehr zu retten. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Sachschaden auf rund dreieinhalb Millionen Euro.

 

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