Video: Abendschau | 07.12.2016 | Andrea Everwien

Protestkundgebung in Berlin - Demo gegen den Syrien-Krieg vor russischer Botschaft

Künstler, Schriftsteller und Politiker hatten dazu aufgerufen, am Mittwoch in Berlin gegen den Krieg in Syrien auf die Straße gehen - vor der russischen Botschaft. Hunderte Menschen kamen zu der Demonstration. Darunter waren Kritiker von Putins Syrien-Politik, aber auch Befürworter.

Mehrere hundert Menschen haben am Mittwoch in Berlin gegen den Krieg in Syrien und das Bombardement Aleppos demonstriert. Zu der Kundgebung vor der russischen Botschaft Unter den Linden hatten Künstler und Politiker aufgerufen.

Nach Angaben eines rbb-Reporters versammelten sich am Mittag rund 400 bis 500 Menschen vor dem Gebäude, einige trugen Transparente oder riefen Sprechchöre. Unter den Teilnehmern befanden sich Kritiker der russischen Syrien-Politik - aber auch Befürworter. Eine kleine Gruppe von Putin-Sympathisanten zog mit einer russischen Fahne vorbei und stimmte die russische Nationalhymne an. Teils gerieten beide Seiten verbal aneinander. Die Polizei war mit mehreren Mannschaftswagen vor Ort.

"Putins Schande benennen"

Vor der russischen Botschaft wolle man "ein kleines Zeichen gegen das dröhnende Schweigen der Zivilgesellschaft zu dem systematischen Massenmord in Aleppo" setzen, hatte es in dem Aufruf zu der Protestkundgebung geheißen. Unterzeichnet hatten ihn unter anderem der Regisseur Volker Schlöndorff, die Schriftstellerin Isabelle Azoulay und der Publizist Michael Naumann. Auch die Schriftstellerin Herta Müller, die Schriftsteller Friedrich Christian Delius und Peter Schneider sowie die Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Cem Özdemir hatten sich dem Aufruf angeschlossen.

Özdemir kritisierte das Schweigen der deutschen Friedensbewegung. Menschen seien zu Zehntausenden gegen die US-Invasion im Irak auf die Straße gegangen. "Wo sind die jetzt alle?", fragte Özdemir am Rande der Demonstration. Das zynische Machtkalkül des russischen Präsidenten Wladimir Putin richte sich nicht wie von ihm behauptet gegen die Islamisten, sondern gegen die syrische Zivilbevölkerung. "Wir müssen deutlich und laut Putins Schande benennen", sagte der Autor Peter Schneider ("Der Mauerspringer") auf der Demonstration.

Künstler kritisieren Bombardierung der Stadt

Moskau unterstützt im syrischen Bürgerkrieg den Präsidenten Baschar al-Assad mit Luftangriffen und Spezialkräften am Boden. "Für seinen Traum von neuer imperialer Größe überzieht Präsident Putin die Stadt Aleppo mit einem mörderischen Bombenkrieg", hieß es in dem Aufruf. Ganze Stadtteile würden in Schutt und Asche gelegt, gezielt würden Krankenhäuser und Schulen bombardiert und die Lebensadern der Stadt blockiert.

Als einer der Unterzeichner des Aufrufs erläuterte Ulrich Schreiber, der Direktor des internationalen Literaturfestivals Berlin, am Mittwoch im rbb-Inforadio, das russische Militär gehe in Syrien besonders brutal vor. Durch Assads Truppen, aber auch durch die russischen Streitkräften würden "Kriegverbrechen" begangen, so Schreiber. Daher protestiere man vor der russischen Botschaft - nicht vor der syrischen. Schreiber zeigte sich überzeugt: "Ich denke, dass Assad und Putin vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag müssen."

Mit Informationen von Wolf Siebert

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ich lese deutsche Zeitungen, und englische, nur mit grossen Skepsis.
    Stattdessen:
    www.democracynow.org
    www.theintercept.com
    u.a.

  2. 7.

    Das Amerika den Zusammenbruch Syriens mit Geld u Waffen als sogenannte System Chance erst provozierte scheint diese Künstler nicht zu interessieren. Nein liebe Leute , da gibt es mehr zu sagen und dröhnend ist vor allem das fehlen der wirklich Verantwortlichen Staatenzerstörer und Unterstützer.. .... Auch die Nato ist schuldig nicht nur Russland

  3. 6.

    Leider muss man das so sagen.

    Da sich die Lage in Mossul stetig verschlimmert verstärkt sich der Kontrast bzgl. der Berichterstattung.

    In erster Linie beanstande ich die Filterung von Meldungen. Meldungen, welche den syrischen/russischen Kampf um Aleppo weniger dämonisch erscheinen lassen, schaffen es hier niergends in die Nachrichten.

    Meldungen, welche den irakischen (samt Alliierten) Kampf um Mossul weniger "präzise" aussehen lassen, schaffen es auch nicht in hiesige Gefilde.

    Naja, dass bombadierte Krankenhaus hat es heute immerhin bis zum guardian geschafft.

    Die einzig brauchbare europäische Quelle (die ich kenne und wirklich viel kenne ich nicht) ist die AFP (Agence France-Presse). Dort aber auch nur die englischsprachige Ausgabe der Seite.
    Man muss schon bei kurdischen, ägyptischen oder libanesischen Seiten gucken.

    Diese Instrumentalisierung der Menschen ist eine Schande.

  4. 5.

    Es gibt im deutschen Mainstream eben niemanden mehr, der einen klaren Gedanken fassen kann (der letzte war Peter Scholl-Latour).
    Es gibt einige Orte an denen man gegen den Krieg in Syrien demonstrieren könnte: Botschaften der USA, F,GB, der Türkei, Saudi-Arabiens, das Bundeskanzleramt, allesamt Kriegstreiber, Völkerrechtsverletzer, Unterstützer von islamistischen Rebellen.
    Statt dessen stellen sich Gestalten wie Schlöndorff vor die russische Botschaft, obwohl Rußland gerade hilft Aleppo von den Islamisten zu befreien und verhindert , dass Syrien in einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen diversen oppositionellen Banden fällt.
    Die Situation um Aleppo ist übrigens sehr ähnlich der Lage um Mossul im Irak, aber im Mainstream komplett anders bewertet.

  5. 4.

    Es ist begrüßenswert, dass nunmal nach langem Zögern(warum eigentlich?) gegen die russische und syrische Bombardierung demonstriert wird. Aber: es war allerdings nur eine kleine Gruppe, der "Lautsprecher" der Veranstalter Verdiente seinen Namen nicht, und Mittwoch Mittag, wo die meisten arbeiten, das ist der ungünstigste Zeitpunkt. Man kann ja lernen und diese entscheidenden Fehler nicht wiederholen. Also: Ein Erfolg war das nicht. - Übrigens: Putins Lieblinge dort, die hatten ordentlich Krach gemacht und waren nicht zu überhören und hatten sich dazu noch mit einer britischen Flagge getarnt. Die wissen, wie es geht...

  6. 3.

    Herr Bendit und Co., haben Sie jetzt erst Ihre "Denkmaschiene" eingeschaltet? Sie haben akzeptiert, dass ein ganzes Volk zu Geiseln gemacht wurde als die Konterrevolution begann. Haben Sie nicht mitbekommen, das bei den jeweiligen Feuerpausen die Eingeschlossenen behindert wurden die Region zu verlassen. Wenn Sie jetzt bedauern, dass die noch reguläre Regierung die Situation in den Griff bekommt, dann müssen Sie weiter Demonstrieren.

  7. 2.

    Eine Gruppe "Prominenter" Künstler und Politiker hat für heute zu einer Demonstration in Berlin vor der Russischen Botschaft gegen den Krieg in Syrien und das Bombardement Aleppos aufgerufen?
    Was für eine Farce ist das denn?
    Vor der Saudischen Botschaft,den Botschaften von Katar und den USA, vor den Vertretungen jener Länder, die den Syrien-Krieg aus niedrigen Motiven seit fünf Jahren mit Geld, Waffen und Propaganda vorantreiben und befeuern,dass würde ich noch verstehen.
    Doch Cohn-Bendit und Schneider, die Initiatoren des fatalen Aufrufs, haben Übung in falscher Parteinahme: Sie waren für den völkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieg. Weder hat sie der jüngste posthume Freispruch des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic durch den „Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien“ bewegen können, ihre Kriegsmitschuld zu bekennen, noch konnte sie die geplatzte Lüge vom „Hufeisenplan“... Quelle: http://kenfm.de/blinde-intellektuelle-rund-um-aleppo/

  8. 1.

    Nach der Demonstration vor der russischen Botschaft, können die Künstler gleich weiter zur amerikanischen, englischen und französischen Botschaft gehen und gegen die Bombadierung von Mosul im Irak demonstrieren. das wäre konsequent!

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